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Avacon: Bisschen grün waschen

Montag, den 21. Juli 2014

Die Arbeit des Klima-Lügendetektors ist zuweilen äußerst zwiespältig. Ein Leser schickt uns seine Anfrage, wir prüfen – und finden keine Lüge. Das ist natürlich schön für das Produkt, die Firma oder das Klima. Für uns aber bedeutet das: Wieder mal umsonst gearbeitet. Wir schicken dann dem Leser unsere Erkenntnis, publizieren diese aber nicht auf unseren Seiten, denn auf dem Klima-Lügendetektor sind eben nur die Lügner zu finden.

Wie schwer das manchmal ist, lässt sich gut an jenem Beispiel illustrieren, dass uns ein Leser jüngst eingeschickt hat:

avacon

Die Avacon AG  ist einer der größten regionalen Strom- und Gasnetzbetreiber in Deutschland. Die Mehrheit des Avacon-Konzerns gehört Eon – 63,3 Prozent –, den Rest der Aktien teilen sich diverse Kommunen im Vertriebsgebiet zwischen Elbe und Elde, zwischen Frankfurt am Main und Schleswig-Holstein. Die Eon-Tochter wirbt damit, „den Anschluss an die Energie von morgen“ zu realisieren.

… Moment mal: Eon versucht doch gerade in Datteln sein längst überfälliges Steinkohle-Kraftwerk mit der Energie von gestern ans Netz zu bekommen?

Klarer Recherchefall für den Klima-Lügendetektor! Im Kleingedruckten heißt es in der Anzeige weiter:

avac

Nun ja: Die Eon-Tochter Avacon muss Solaranlagen, Windräder und Co. ans Netz anschließen, dazu hat der Gesetzgeber Netzbetreiber wie Avacon verpflichtet. Avacon muss heute schon die nötige Infrastruktur schaffen, „um die Region mit der Kraft der Sonne zu versorgen“ – auch das ist Gesetzesauftrag an den Netzbetreiber. Daraus eine positive Werbeaussage zu machen – Chapeau! Gelogen ist das zumindest nicht.

„Mehr zum Thema Energiewende: www.avacon.de“ – der Netzbetreiber bietet online den Solar-Dachatlas des Zweckverbandes Großraum Braunschweig (ZGB) an, Tipps für „Einspeiser“ und eine lächelnde Frau vor einer Rohrleitung, auf der „Biogas“ steht. Also wieder einmal umsonst gearbeitet?

Es bleibt die Frage, welcher Strom heute eigentlich durch die „Netze mit neuer Energie“ fließt. „Avacon verkauft selbst ja keinen Strom, wir sind reiner Netzbetreiber“, sagt Unternehmenssprecherin Kirsten Fricke. Aber der Strom sei zu 90 Prozent grün: „In unserem Vertriebsgebiet gibt es sehr viele Windräder, aber kaum Kohlekraftwerke.“

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, es scheint so, als ob wir uns schon wieder einmal die Mühe umsonst gemacht haben. Avacon verdient Geld mit grünem Strom. Und schaltet grüne Anzeigen. Wunderbar!

Wunderbar? „Der Bilanzgewinn für das Jahr 2012 beläuft sich auf 103.905.000 Euro“, teilt uns der Konzern mit. 63,3 Prozent von dem, was nicht reinvestiert wird, ging an den Besitzer Eon. Und der nutzte das feine Avacon-Geld, um damit neue Kohlekraftwerke, beispielsweise das Steinkohlekraftwerk in Datteln, zu bauen. Das bedeutet natürlich alles andere als

avacon1So etwas nennt man „Greenwashing“. Und das ist genau unser Thema.