Lauretana: Viel zu leicht nehmen

Regional produziert, ohne Einsatz von Dünger oder Pestiziden – Biolebensmittel sind gut für das Klima. Allerdings sind sie auch um einiges teurer, weshalb es in Bio-Supermärkten etlichen Lesestoff gibt, der beraten soll.

Zum Beispiel eve, das „Kundenmagazin für Naturkost und Naturkosmetik“. Dort gab es im Augustheft auf Seite 5 folgende Anzeige:

Lauretana

Lauretana ist ein „natürliches Mineralwasser“ – „ohne Kohlensäure“.  Mit dem stolzen Preis von 1,09 € pro Liter ist es ganz schön teuer. Aber es ist ja auch – Eigenwerbung – „das leichteste Wasser Europas“ mit nur 14 Milligramm Mineralstoffen pro Liter. Und obendrein klimaverträglich – weil es mit dem Zug nach Deutschland kommt.

Hä? Trinkwasser ist klimaverträglich, weil es mit dem Zug kommt?

Über die Herkunft des Wassers erfahren wir Folgendes:

lauren

Abgefüllt wird das Wasser also in Graglia im Piemont, Italien. Von dort sind es 850 Kilometer Luftlinie bis in einen Berliner Bio-Supermarkt. Ein Straßentransport schlägt gar mit 1.060 Kilometern zu Buche.

Aber Lauretana kommt ja mit dem Zug nach Deutschland!

Jetzt wird es rätselhaft: Graglia verfügt nämlich über keinen Eisenbahnanschluss. Selbst wenn wir dieses kleine Detail einmal vernachlässigen: Was bittschön ist daran klimaverträglich, in den italienischen Bergen abgefülltes Trinkwasser hunderte Kilometer durch die Gegend zu fahren?

Der Bahntransport ist es jedenfalls nicht, die Deutsche Bahn will laut eigenem Beschluss aus dem Jahr 2011 ihren Grünstrom-Anteil bis 2018 auf gerade mal 28 Prozent erhöhen. Grün ist bei der Deutschen Bahn allenfalls die Bahncard: Durch einen Rechentrick wird suggeriert, dass, wer mit ihr fährt, klimafreundlich unterwegs ist. Wieso also ist Lauretana klimafreundlich?

Den Hinweis liefert vielleicht das folgende Zeichen oben in der Anzeigenecke:

focus

Nein, leider hilft das auch nicht weiter! Ein Label „Focus CO₂“ ist der Redaktion unbekannt. Und bei Google findet sich unter dem Begriff nur:

laur

Wir konstatieren: Lauretana hat die Behauptung „klimaverträglich“ viel zu leichtfertig benutzt. Das passt vielleicht zum leichten Wasser, nicht aber zur Klimabilanz des Unternehmens: Davon erfahren wir nämlich nichts.

Die Stiftung Warentest warnt übrigens vor Wasser wie dem von Lauretana: „In bestimmten Situationen kann sehr mineralstoffarmes Wasser gefährlich werden.“ Wer stark schwitzt, verliere nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe. Trinken sei wichtig, um den Wasserverlust auszugleichen. Stiftung Warentest: „Zugleich müssen aber auch je nach Anstrengung neben Kohlenhydraten Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium wieder zugeführt werden. Wer sich dann eine Apfelschorle mit einem besonders mineralstoffarmen Mineralwasser mischt, bleibt auf der Strecke.“

Genauso wie der Klimaschutz bei Lauretana!

Herzlichen Dank an Steffi R. aus Berlin für den Hinweis!

PS: Unsere Leser Christof H. weist darauf hin, dass „Europas leichtestes Wasser“ mit dem LKW aus Graglia zum 9 Kilometer entfernten LKW-Bahnhof nach Biella transportiert wird. Lauretana selbst verweist auf den „Kombinationsverkehr, bei dem LKWs auf Zügen gefahren werden“, was „eine unerreicht klimaschonende Form des Transports“ sei. Ein vollbeladener LKW von 30 Tonnen würde so auf einer Strecke von 600 Kilometern (nach Hamburg) 1 Tonne Kohlendioxid verglichen mit anderen Transportarten sparen!

Oder aber gar nicht erst entstehen, wenn man den örtlichen Sprudel kauft oder das Trinkwasser aus der Leitung nutzt.