Spiegel Online & Kritik: Schimpfe statt Antwort

Seit dem Wochenende ist der Spiegel-Online-Kollege Axel Bojanowski offenbar wieder da aus dem Urlaub, jedenfalls hat er sich auf seinem Twitter-Account mit drei Nachrichten zu Vulkanen, Erdbeben und Außerirdischen zurückgemeldet:

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Prima, dachten wir, dann können wir das Gespräch von letzter Woche wieder aufnehmen. Denn Bojanowskis Text, in dem er dem Weltklimarat IPCC „Verzerrung“ und „Unterschlagung“ vorgeworfen hatte, war ja nun wirklich nicht „fehlerfrei“ – genau das aber hatte er neulich vollmundig behauptet:

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Wir wollen Ihnen die Antworten Entgegnungen von Axel Bojanowski nicht vorenthalten. Darin teilte er gleich wieder mächtig aus („Claqeure“, „Schmähschrift“, „Lobbyisten“, „töricht“, „infam“, „peinlich“) – und nicht nur gegen uns, sondern nebenbei auch gegen Hermann Ott vom Wuppertal-Institut und den taz-Kollegen Malte Kreutzfeldt, die ebenfalls nach Antworten auf unsere detaillierten Fehlerhinweise zu fragen gewagt hatten.

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Am Ende lässt Bojanowski also sogar den juristischen Hammer gucken …

Seufz. Mal ganz abgesehen davon, ob er mit seinen überaus selbstsicheren Abblockereien richtig liegt oder wir mit unserer Kritik (wovon wir weiter überzeugt sind und worin uns diverse Wissenschaftler/innen in den vergangenen Tagen bestärkten) – der Tonfall ist in jedem Falle ungewöhnlich für einen seriösen Journalisten. Der Kollege ist sehr hart im Austeilen gegen den IPCC, aber höchst schwach im Einstecken. Und noch immer hat Axel Bojanowski zu keinem einzigen unserer Punkte eine inhaltliche Antwort gegeben – jedenfalls haben wir keine erkennen können, weder zu seiner Auswahl der IPCC-Zitate noch zur Übersetzung von „have been attributed yet“ usw. usf.

Schade. Ist das die Fehlerkultur von Spiegel Online?

Aber damit lassen wir es nun bewenden, weitere Kommunikationsversuche werden wohl auch nicht mehr bringen …

Nachtrag, 20:35 Uhr: Wir müssen uns korrigieren – allerdings nur in einem Punkt. Nach Erscheinen dieses Textes meldete sich Herr Bojanowski nochmal auf Twitter zu Wort und wollte – nun ganz schnell – über die Kritik sprechen. Und zwar öffentlich. Das finden wir natürlich prima. Mal schauen, ob es wirklich dazu kommt. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Nachtrag, 25. November: Grad haben wir gesehen, dass sich Bloggerkollege Georg Hoffmann von scienceblogs.de detailliert mit dem Bojanowski-Text beschäftigt hat. Sein Fazit: „Alles in allem kommt aber der Eindruck auf, dass Axel Bojanowski genau wie so viele Skeptiker, erst dann mit einer Zusammenfassung von was auch immer zufrieden sein würden, wenn sie sie selbst schreiben dürften. Bojanowski startet als Zola und es endet doch eher mit Zolala.“ Viel Spaß beim Lesen!

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Spiegel Online: Verzerrung und Unterschlagung
Spiegel Online, IPCC & Kritik: Update 1

Spiegel Online, IPCC & Kritik: Update 2
Spiegel Online, IPCC & Kritik: Update 3


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