Braunkohlelobby Debriv: voRWEg zweifeln

Vor ein paar Tagen hat der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein (Debriv) einen neuen Vorsitzenden gewählt. Chef der obersten Braunkohle-Lobby ist jetzt der 58-jährige RWE-Manager Matthias Hartung.

Matthias Hartung? Matthias Hartung? Kennen wir den nicht? Genau, der Herr hat uns vor gut fünf Jahren schon einmal beschäftigt. Aus gegebenen Anlass drucken wir hier unseren Text vom April 2009 noch einmal:

„RWE ist ein verantwortungsbewusstes Unternehmen. Sagt RWE. Deshalb kümmert sich RWE echt ganz doll um die Minderung seines Treibhausgasausstoßes. Sagt RWE. Und damit die Öffentlichkeit das glaubt, investiert Europas größter Kohlendioxid-Verursacher viele Millionen in seine Werbung.

Doch wenn sie unter sich sind, dann reden die Leute von der Kohleindustrie – so scheint es – ganz anders. Matthias Hartung ist Vorstandsmitglied der RWE Power AG und dort zuständig für ‚Braunkohlengewinnung, -stromerzeugung und -veredelung‘. Im Mai vergangenen Jahres hielt er auf dem 40. Delegiertentag des Rings Deutscher Bergingenieure in Essen einen sogenannten Festvortrag. Die Rede wurde im Juli 2008 in der Zeitschrift des Verbandes nachgedruckt. Dort kann man deshalb nachlesen, was Hartung im Kreise seiner Kohlekumpel zum Klimawandel sagte:

Der Anstieg des Ausstoßes von CO2 wird mit einer Veränderung des Weltklimas in Verbindung gebracht, von der jedenfalls eine Mehrheit der mit dem Thema befassten Wissenschaftler wohl überzeugt ist. Ich will an dieser Stelle die durchaus fundierten Zweifel an der These, dass die gemessenen Veränderungen des Klimas vorwiegend vom Menschen verursacht sind, nicht diskutieren. Das wäre ein eigener Vortrag. Es ist aber wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es solche Zweifel gibt und vielleicht ganz andere Zusammenhänge zum Klimawandel führen. Das muss man sich vor allem dann vergegenwärtigen, wenn man abwägt, welcher Aufwand eigentlich angemessen ist, um den Klimawandel zu stoppen, wie es heißt. Es könnte ja sein, dass weltweit hunderte von Milliarden Dollar oder Euro ausgegeben werden, um Techniken und Verbrauchsgewohnheiten zu ändern, und am Ende stellt man fest: Das Klima wandelt sich weiter, weil wir die Ursache nicht richtig erkannt haben. Aber das wäre, wie gesagt, ein eigener Vortrag.

Gern hätten wir gewusst, welche ‚fundierten Zweifel‘ am menschengemachten Klimawandel Matthias Hartung denn meint. Wie seine persönliche Abwägung dessen, was in Sachen Klimaschutz ‚eigentlich angemessen ist‘, denn ausfällt. Oder wie dieser kaum verhohlene Klimaskeptizismus eines RWE-Spitzenmanagers zu den grünen Imagekampagnen der Kohlelobby und des Unternehmens passt. Die RWE-Pressestelle in Essen erklärte aber lediglich, man möge den Vortrag bitte ‚nicht zu ernst nehmen‘. Man gehe ’schon davon aus, dass der Klimawandel durch CO2 verursacht wird‘. Wolle aber doch festhalten: ‚Es hat niemand den hundertprozentigen Beweis.‘

Klar. Nun verstehen wir auch besser, warum RWE immer noch munter Kohlekraftwerke baut.“

Wir gratulieren dem Debriv zur Auswahl seines Vorsitzenden!