RWE: Im Winde gedreht

Auf der Firmenhomepage des Energiekonzerns RWE ist gerade folgendes zu finden:

rweEs geht um eine Dokumentation über die Offshore-Windkraft. „RWE baut einen Windpark mit 48 Windrädern“, sagt eine Knabenstimme, die jetzt zur Betonung anhebt, „in die Nordsee“. Das erste Teil vom Windrad, das ins Wasser kommt, ist das Fundament, erklären Kinder, die in Warnwesten stecken. Untermalt werden ihre Ausführungen von der Musik eines Glockenspiels, was Märchenatmosphäre schafft: Wird das wohl am Ende gut ausgehen?

Es geht um den Offshore-Windpark Nordsee Ost, den RWE rund 35 Kilometer nördlich der Insel Helgoland baut. In Wassertiefen von bis zu 25 Metern sollen insgesamt 48 Windturbinen der Multimegawattklasse errichtet werden. Noch im Jahr 2014 soll das Kraftwerk auf dem Meer mit einer Gesamtleistung von 295 Megawatt ans Netz gehen.

Nach den Kindererzählungen dokumentiert der Film, wie die Fundamente – in diesem Fall sogenannte Jackets – aufgebaut werden. Eine wirklich knifflige Sache, bei der es auf extreme Präzision ankommt. Aber, erklärt Bauleiter Roman Kohler, mittlerweile seien 38 der 48 Fundamente gesetzt, „jetzt hat sich das Team eingespielt.“ Der Film zeigt gigantische Maschinen, konflikterprobte Experten und natürlich den Firmenslogan: „voRWEg gehen“.

rwe2Dumm nur, dass RWE beim Windpark Nordsee Ost enorm hinterherhinkt: Es hat Probleme mit Weltkriegsmunition, der Logistik und dem Netzanschluss gegeben. Die Bauverzögerung zum ursprünglichen Plan beträgt derzeit zwei Jahre. Dumm auch, dass RWE in dieser Woche seine Offshore-Pläne vor der britischen Küste zusammengestrichen hat: Statt 1.200 Megawatt soll der Offshore-Windpark Triton Knoll nur noch eine Leistung von 600 bis 900 Megawatt aufweisen, teilte RWE mit.

Im vergangenen November hatte RWE den Bau des Offshore-Windparks Atlantic Array circa 18 Kilometer vor der Küste von Südwales komplett gestoppt. Baubeginn sollte 2013 sein, mit bis zu 250 Turbinen auf einer Fläche von rund 500 Quadratkilometern sollte der weltgrößte Windpark entstehen, aber dann erwies sich der Baugrund als „zu schwierig“. Und trotz üppiger finanzieller Zuwendungen durch die Politik hatte RWE-Chef Peter Terium im Februar sogar generelle Zweifel am Ausbau der Offshore-Windkraft in Deutschland vorgetragen.

Nicht dass uns die Damen und Herren bei RWE falsch verstehen: Der Klima-Lügendetektor begrüßt ausdrücklich, dass Europas zweitgrößter Stromkonzern auch mal versucht, mit anderen Technologien als dem Verbrennen von Braunkohle Strom zu erzeugen. Wir wollten hier nur dokumentieren: RWE kann schnell seine Offshore-Meinung ändern, wenn sich der Wind mal dreht.

Danke an Lars T. aus Bochum für den Hinweis