Mercedes: Unerfüllte Vision

Mercedes hatte im Sommer eine Riesen-Werbekampagne für die neue S-Klasse gestartet. Überschrift: „Vision erfüllt“:

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„Barockschloss und Raumschiff“ hatte die Süddeutsche Zeitung getitelt, bei der Welt wurde „ein fliegender Teppich“ gesichtet. Deutschlands nobelster Autobauer war zuletzt ganz schön ins Hintertreffen geraten und hatte etliche Prozent Marktanteil an Konkurrenten – den 7er BMW oder den Audi A 8 beispielsweise – verloren. Weshalb die Fachpresse der Vision von Daimler auch eine enorme Bedeutung für die Zukunft des Konzerns bescheinigte.

Der Basispreis für die Vergegenstänlichung der Vision liegt bei 104 601 Euro, die erfüllte Vision ging im Kleingedruckten so:

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Allerdings: Diese Werte sind erstunken und erlogen. Das Landgericht Stuttgart hat in dieser Woche eine einstweilige Verfügung erlassen, nach der die Daimler AG ab sofort nicht mehr mit diesen visionären Angaben über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und die CO2-Effizienzklassen für die spritdurstige S-Klasse werben darf.

Jetzt heißt es korrigiert:

s-klasse

Das ist natürlich nicht mehr Effizienzklasse D, sondern nur noch „E“ und bei dem spritdurstigsten Modell „S 63 AMG 4Matic lang“ sogar nur noch die Effizienzklassen „F“ – die zweitschlechteste, die es überhaupt gibt.

„Mit dem Gerichtsbeschluss wird einem besonders dreisten Fall von Verbrauchertäuschung ein Riegel vorgeschoben“, sagte Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, die geklagt hatte. Nicht nur das: Daimler hat es offensichtlich nötig, Daten zu schönen, weil der ehemalige Marktführer einfach nicht mehr in der Lage ist, Autos auf der Höhe der Zeit zu bauen.

Die Vision ist einfach noch nicht erfüllt.

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