Debriv: Wenn Lobbyisten Lobbyisten zitieren…

Inzwischen ist die Imagekampagne des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (Debriv) fast schon mitleidserregend. Man lasse darin

zu Wort kommen, hatte die Kohlelobby eigentlich mal versprochen. Längst aber treten in der Werbung weder Unabhängige noch Experten auf – wahrscheinlich findet sich niemand mehr für diese platte Propaganda der Klimakiller-Branche. Jedenfalls ließ der Debriv diese Woche einen Lobbyistenkollegen auftreten, Maksymilian Klank, den Präsidenten des polnischen Steinkohleverbandes. Der ist, zumindest was den Kohlendioxid-Ausstoß von Kohlekraftwerken angeht, bemerkenswert ehrlich.

Schade, dass dieser Satz nicht zum Blickfang seines gesamten Beitrags wurde. Dafür wählten die Debriv-Werber lieber:

Dass der Chef des Steinkohleverbands und – laut offiziellem Lebenslauf - Vorstandsmitglied eines großen Bergbauzulieferers neue Kraftwerke will, ist nicht so wirklich überraschend. Aber offenbar folgt der Debriv einer alten PR-Strategie: Man zeige einen seriös wirkenden Herren in Anzug und Krawatte (ebenso geeignet sind Menschen in weißen Arztkitteln) und lasse ihn irgendetwas sagen. Das kann noch so verkehrt sein – wenn man es nur oft genug wiederholt, setzt es sich schon irgendwann fest in den Köpfen der Leute. Denn in Wahrheit haben die neuen Kohleblöcke, die hierzulande von den Konzernen derzeit gebaut oder geplant werden, zwar einen etwas niedrigeren CO2-Ausstoß als ihre Vorgänger aus den sechziger und siebziger Jahren – aber eben doch immer noch exorbitant hohe Werte.

Mit einer Grafik versucht die Annonce dann für diese Neuanlagen zu werben. Doch dies geht eher daneben: Schaut man sich das Bildchen auch nur etwas genauer an, zeigt  es bestechend, warum die ebenfalls von Herrn Klank (und dem Debriv) gepriesene CCS-Technologie der CO2-Abscheidung ein technologischer Rückschritt ist. Denn für diese (noch weit vom kommerziellen Einsatz entfernte) Technologie zeigt die Grafik rechts zwei kurze Balken, die einen niedrigen Treibhausgas-Ausstoß illustrieren sollen. Die Punkte im oberen Bereich der Grafik zeigen aber auch, was die teure und energieaufwändige CO2-Abscheidung für den Wirkungsgrad dieser „Wunderkraftwerke“ bedeutet: Sie werden ein Drittel schlechter sein als heutige Anlagen.

Würde man in diesem Bildchen mit einer roten Linie den Wert für die derzeit wirklich modernsten (fossilen) Kraftwerke eintragen, dann sähe die Grafik etwa so aus:

Blockheizkraftwerke (BHKW) auf Erdgasbasis nämlich, die flexibel und sauber zugleich Strom und Heizwärme erzeugen, stoßen (wenn man wie das Öko-Institut in einer Studie optimistische Annahmen wählt) pro erzeugter Kilowattstunde Elektrizität lediglich 49 Gramm Kohlendioxid aus – die Hälfte dessen, was die Kohlebranche für ihre vielleicht irgendwann einmal einsetzbaren CCS-Kraftwerke verspricht. Und raten Sie mal, wo in der Grafik man den Punkt setzen müsste für den Wirkungsgrad dieser Erdgas-BHKW? Richtig. Der wäre so weit oben (bei etwa 90 Prozent), dass er gar nicht auf das Bild passt.