Lidl und seine Solaranlage: Sonnige Übertreibung

Frage: Was ist ein „klimafreundliches Logistikzentrum“?

a. ein Knotenpunkt klimaschonender Transportmittel, also zum Beispiel für den Warenverkehr per Bahn oder Schiff

b. das Warenverteilzentrum eines Handelsunternehmens, das bei seinen Produkten konsequent auf die Klimabilanz achtet, das deshalb zum Beispiel auf Lebensmittel aus Bio-Landbau oder regionaler Erzeugung und auf Getränke in Mehrwegflaschen setzt

c. ein Warenverteilzentrum mit einer Solaranlage auf dem Dach

Die Antwort gibt Lidl, der nach Aldi zweitgrößte Lebensmittelhändler Deutschlands, in seiner aktuellen Werbung:

Etwa 1,1 Millionen Kilowattstunden erzeugt die Anlage nach Angaben von Lidl, was den Strombedarf des Logistikzentrums (der etwa dem von 600 Einfamilien-Haushalten entspricht) zur Hälfte decken soll. Daneben ist die fünf Millionen Euro teure Anlage für Lidl sicherlich ein gutes Geschäft: Im Lebensmitteleinzelhandel tobt in Deutschland seit je ein harter Konkurrenzkampf, die Renditen betragen üblicherweise magere 0,5 bis zwei Prozent. Für Lidl, das selbst keine Zahlen nennt, wird die Gewinnmarge auf etwa drei Prozent geschätzt. Mit dem Betrieb von Solaranlagen dagegen lässt sich glatt das Doppelte verdienen, weil das Erneuerbare-Energien-Gesetz über 20 Jahre lukrative Einspeisevergütungen garantiert. Die Solarzellen auf dem Dach dürften für Lidl demnach profitabler sein als das eigentliche Geschäft in der Halle darunter – vom positiven Effekt für das angeschlagene Image ganz zu schweigen.

Ach so, „die größte Solaraufdachanlage Deutschlands“ hat Lidl übrigens nicht. Und vermutlich war dieser  Superlativ schon bei Inbetriebnahme im Frühjahr 2006 ziemliche Hochstapelei. Denn die Solarmodule auf dem Dach der Münchner Messe haben eine etwa doppelt so hohe Leistung, eine ähnliche Anlage auf einem Logistikzentrum in Bürstadt nahe Mannheim ist sogar etwa fünfmal so groß wie die von Lidl.