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Deutsches Atomforum: Strahlende Propaganda

Strahlen gehört zum Geschäft beim Deutschen Atomforum, einem eingetragenen Verein, der unermüdlich für die „ungeliebten Klimaschützer“ schwerreicher Atomkraftwerksbetreiber trommelt [1] – und für diesen Dienst mit Brosamen aus den Milliardengewinnen der Wortbrecher von EnBW, E.on, RWE und Vattenfall belohnt wird. Die hatten den Atomausstieg bekanntlich im Jahr 2000 mit der rot-grünen Regierung ausgehandelt und schriftlich versichert [2], „ihren Teil“ dazu beizutragen, „dass der Inhalt dieser Vereinbarung dauerhaft umgesetzt wird“. Heute bekämpfen sie diesen Atomkonsens auf allen politischen und publizistischen Ebenen und mit den bei den Stromkunden kassierten Millionen.

Zu Jahresbeginn wird traditionell besonders fröhlich gestrahlt – so wie diese Woche bei der Wintertagung des Atomforums in Berlin (die Umweltschützer mit einer Demonstration „umzingeln“ wollen [3]). Bereits im Vorfeld wertet die Branche jeweils die Statistiken des Vorjahres aus und freut sich daran, wie man wieder einmal erfolgreich gegen das geltende Atomausstiegsgesetz angetrickst hat. „Steigerung der Stromerzeugung in deutschen Kernkraftwerken“, verkündeten die Atomstromer Mitte Januar [4]. Die Bruttostromerzeugung aus deutschen Kernkraftwerken sei 2008 um satte 5,9 Prozent auf 148,8 Mrd. kWh gegenüber 2007 emporgeschnellt, jubilierte es aus der Atomzentrale.

Wohl wahr, die Zahlen. Nur belegen sie gerade nicht „einmal mehr den herausragenden Beitrag der CO2-freien Stromerzeugung aus Kernenergie zur Versorgungssicherheit Deutschlands“ – sondern das Gegenteil. Zum einen ist Atomkraftwerk natürlich nicht CO2-frei [5]. Zum anderen handelte es sich um die zweitniedrigste Atomstromproduktion seit rund zwei Jahrzehnten. Und dieser Einbruch bewies vor allem, dass die Branche angesichts einer Mischung aus Altersschwäche und Technik-Chaos in ihren Meilern das desaströse Jahr 2007 auch 2008 noch nicht bewältigt hatte. Die Kraftwerke Brunsbüttel und Krümmel standen 2008 ganzjährig still, weil nach teils spektakulären Unfällen im Sommer 2007 (Trafo-Brand, falsch montierte Dübel, Ermüdungsrisse in Rohrleitungen…) die Kette der technischen Probleme bis heute nicht abreißen will. Versorgungssicherheit sieht anders aus.

2007 war die Stromproduktion der deutschen Atomkraftwerke auf den niedrigsten Stand seit 1987 gefallen und hatte mit 140,5 Terawattstunden gerade noch 22,5 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland beigetragen. Die Erneuerbaren erreichten 14,5 Prozent (2008: 15,3 Prozent). Der Abstand zwischen neuer und alter Energie schrumpft immer weiter. Gejubelt wird 2008 trotzdem: „Sechs deutsche Anlagen unter den Top Ten“, dichtete das Atomforum und gemeint waren nicht die sechs Meiler, die im Jahr 2007 zeitweise den Dienst versagt hatten. Immerhin, mit dieser Schlagzeile gelang der Pressestelle, gemessen an den Vorjahren, geradezu ein Feuerwerk der Phantasie – getreu der deutschen Weisheit „Not macht erfinderisch“.

Sie sind nun neugierig auf die Jubel-Meldungen der fünf vorherigen Jahre? Bitteschön:

„2006 erneut erfolgreiches Jahr für deutsche Kernkraftwerke“

„2005 wieder erfolgreiches Jahr für deutsche Kernkraftwerke“

„2004 erneut erfolgreiches Jahr für deutsche Kernkraftwerke“

„Bilanz 2003: Erfolgreiches Jahr für Deutschlands Kernkraftwerke“

„Deutsche Kernkraftwerke erzielen 2002 wieder gutes Ergebnis“