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BP: Grünes Getöse in der Schule

„Schon seit mehr als 35 Jahren“ engagiert sich der Öl- und Gas-Multi British Petroleum (BP) nach eigenem Bekunden an Schulen – seit 2005 auch an 19 deutschen Schulen in Bochum, Gelsenkirchen und Hamburg. Im September 2007 hat BP sein Schulprogramm um Unterrichtsmaterial zum Thema „Klima & Co“ für Schüler der 8. bis 10. Klasse erweitert, das auch online zugänglich [1] ist. In ähnlicher Weise ist bereits der Kohle-Riese Vattenfall mit seiner „Klima-Akademie“ [2] aktiv.

„Es geht darum, die Fakten zu kennen“, wird auf der BP-Homepage das Ziel erklärt. „Niemand kann richtige Entscheidungen über den Klimawandel treffen, wenn man nicht die richtigen Informationen hat.“

Stimmt – aber ob gerade ein Unternehmen der richtige Wissensvermittler ist, das vor allem am Verkauf von Energieträgern verdient, bei deren Verbrennung hunderte Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr entstehen? (Und das, wie Blogger aufspießen [3], bei seiner Klimabilanz kreativ rechnet.)

Beim Klick auf die Rubrik „Was können wir gegen CO2-Emissionen tun?“ kommen denn auch leise Zweifel auf: „Ideal wäre“, heißt es dort, „wenn wir die CO2-Emissionen auf ihrem derzeitigen Stand stabilisieren könnten.“ Das aber wäre alles andere als ideal. Die unbestrittenen Experten (und Friedensnobelpreisträger) vom UN-Klimarat IPCC haben nämlich vorgerechnet, dass der weltweite Ausstoß bis 2050 drastisch sinken muss, damit die Erderwärmung auf gerade noch beherrschbare zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. Für die Industrieländer bedeutet das eine Minderung um etwa 80 Prozent.

Die BP-Homepage besticht durch hübsche Grafiken und bewegte Bilder – und jubelt den Schülern so zweifelhafte Lösungen des Klimaproblems unter: Erdgas und Wasserstoff beispielsweise firmieren bei BP unter „Alternative Energien“, die schon heute wichtigste Quelle von sauberem Strom – Wasserkraft – fehlt dagegen. In dem Filmchen zur Wasserstoffgewinnung aus Kohle, Erdöl oder -gas wird verschwiegen, dass die Verfahren energieaufwändig sind und die als selbstverständlich dargestellte Möglichkeit, das dabei anfallende Kohlendioxid abzutrennen und „langfristig“ unterirdisch zu lagern, gerade erst das Forschungsstadium erreicht hat. Und eine von BP und General Electric geplante Pilotanlage im schottischen Peterhead, wurde im Sommer 2007 ad acta gelegt [4]: Weil sie BP zu teuer war und die Subventionen, die man von der britischen Regierung forderte, nicht flossen.

Geradezu grotesk wird es, wenn BP den Schülern „Möglichkeiten zur CO2-Reduktion“ vorstellt. Auch an dieser Stelle taucht natürlich wieder Wasserstoff auf (das Foto zeigt einen BMW Clean Energy [5]und erwähnt natürlich nicht, dass es sich dabei nur um ein Testfahrzeug handelt). Dann wird die „Abholung von gelben Tonnen“ gezeigt (was möglicherweise mit Müll-Recycling zu tun hat, aber allenfalls sehr indirekt mit Klimaschutz) und schließlich – unter dem Foto eines Handschlags zweier Anzugträger, aber ansonsten absolut inhaltsleer [6] – eine „Übereinkunft/Verpflichtung“ genannt.

Ah, ja, Händchen halten für den Klimaschutz. Das Stromsparen und die Wärmedämmung von Gebäuden, weniger Autofahren oder Flugreisen – all das kennt BP nicht als „Möglichkeiten zur CO2-Reduktion“.

Überhaupt ist am interessantesten, was BP in seinem Schulmaterial alles NICHT erwähnt: kein Wort von den Plänen, Pipelines durch Nationalparks und Naturschutzgebiete zu legen und den Kampf von Umweltschützern dagegen; kein Wort von Ölteppichen infolge rostiger Rohrleitungen oder heftiger Hurrikane noch von Explosionen in Raffinerien. Und die wissbegierige Schülerschaft erfährt auch nichts vom Einstieg des Unternehmens in die besonders energie- und CO2-intensive, schmutzige und umweltschädliche Gewinnung von Öl aus Sand in der kanadischen Provinz Alberta [7] Ende 2007.

Jedenfalls nicht aus dem BP-Schulmaterial.

1999 ließ sich BP von seiner Werbeagentur ein neues Logo verpassen – und ein neues Motto: „Beyond Petroleum“, zu deutsch: „Über Erdöl hinaus“. Fast zehn Jahre lang mühte sich das Unternehmen in der Öffentlichkeit, als grün dazustehen – und Klimaunterricht passt sehr gut dazu. Die ZEIT hat BP vor ein paar Wochen einen doppelseitigen Artikel gewidmet und sich genau angeschaut, was hinter den Worten steckt. „Kann ein Ölkonzern ein grünes Unternehmen sein? Die Antwort lautet heute: Nein“, so die Schlussfolgerung der Autoren. Überschrift ihres Textes: „Grünes Getöse [4]“. Selbiges verbreitet BP nun also auch in Schulen.

Danke an Anika M. und Kathrin W. für die Hinweise