Archiv des Schlagwortes ‘VW’

Volkswagen: Pack das Akw in den Tank

Mittwoch, den 3. Dezember 2008

Was noch vor Kurzem in der Autobranche mit breitem Gähnen quittiert wurde, elektrisiert heute alle: Fahren mit Strom. Mercedes-Benz und BMW haben bereits mit großem Auftritt in Berlin Modellprojekte vorgestellt (die aber erst irgendwann im kommenden Jahr starten sollen). Da will sich auch Volkswagen nicht lumpen lassen. Eine Blockbatterie mit digital angepinseltem Zapfhahn ist das neueste Motiv der VW-Anzeigenkampagne „driving ideas“, zu Deutsch etwa: „fahrende Ideen“ oder auch „Ideen vorantreiben“.

Im Annoncentext verspricht der Wolfsburger Konzern für die Zukunft

Dann folgt ein doppeldeutiger Satz: „Klar ist aber auch, dass es noch eine Weile dauern wird, bis es so weit ist.“ Moment, bis was so weit ist? Die Deckung des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien oder die Produktion eines Elektro-Volkswagen?

Was VW wirklich meint, zeigt ein Interview, das Konzernchef Martin Winterkorn vor ein paar Monaten der Bild gab. „Die Zukunft gehört dem Elektroauto“, sagte er auch da. Um daraus zu folgern: „Deshalb sollten wir über Atomkraft neu nachdenken“, weil der Strom ja „nicht vom Himmel“ falle.

Ehrlicherweise hätte die VW-Werbeabteilung also die Zapfpistole nicht an einen 9-Volt-Block, sondern an ein gelbes Atommüllfass kleben müssen. Das hätte aber wohl nicht so gut ausgesehen.

P.S.: Der Strom für Elektroautos kann natürlich sehr wohl vom Himmel fallen. Für die wetterabhängige und damit schwankungsanfällige Sonnen- und Windkraft wären die Batterien von Elektroautos ein idealer Speicher.


VW: Grüne Werbung, graue Realität

Samstag, den 11. Oktober 2008

„VW ist grün!“ tönte Konzernchef Marin Winterkorn diese Woche auf dem Pariser Autosalon. Als Beleg führte er u.a. die neuen BlueMotion-Sparvarianten von Golf und Passat an, die nur 99 bzw. 101 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen sollen.

Auf demselben Showabend in der französischen Hauptstadt protzte der VW-Konzern mit einem neuen, viertürigen Lamborghini samt Zehn-Zylinder-Motor, einem 1000-PS-Bugatti und natürlich dem künftigen Golf GTI, der es auf 240 km/h Spitzengeschwindigkeit und 178 g/km co2-Ausstoß bringt. Man habe „die sauberste Flotte“, behauptet Volkswagen jedenfalls. Aber erkundigt man sich in der Presseabteilung, wie hoch denn der co2-Ausstoß der wirklich verkauften Autos ist, antwortet die Sprecherin kühl, diese Daten gebe man nicht heraus.

Aus gutem Grund, wie man nach Lektüre des neuen Greenpeace Magazin vermuten kann. Dort wurden – just ebenfalls diese Woche – Details der Klimabilanz der deutschen Automarken veröffentlicht, über die diese ebenso ungern sprechen wie ihr Lobbyverband VDA. Demnach sieht die Realität zum Beispiel in Wolfsburg etwas anders aus: Der co2-Ausstoß der verkauften Neuwagenflotte von VW ist in den vergangenen fünf Jahren nicht etwa gesunken, sondern deutlich gestiegen – von 162,5 g/km im Jahr 2002 auf 166,7 g/km 2007.

Zwar hat VW inzwischen eine Reihe relativ klimaschonender Autos im Angebot; aber verkauft werden bisher offenbar eher die fetten Sport-Geländewagen Touareg oder der PS-Protz Golf GTI als der vernünftige Polo oder die sparsamen BlueMotion-Motorvarianten. Was auch daran liegen dürfte, dass in der Werbung – wie gerade wieder in Paris – meist die Spritschleudern im Vordergrund stehen. Kein Wunder: An großen Autos verdienen die Unternehmen pro Stück erheblich mehr als an kleinen.


Smart: Umweltschutz bleibt was anderes

Dienstag, den 29. April 2008

Die aktuelle Fernsehwerbung des „Smart“ zeigt nostalgische Aufnahmen von Hippies und Demonstranten mit ihren typischen Fahrzeugen – vom Schlauchboot bis zum Trecker. In die verwackelten Bilder wird der Spritverbrauch der Protestmobile eingeblendet, und der liegt natürlich viel höher als beim Smart. Am Schluss verlässt ein Hippie-VW-Bus (13 l/100 km) eine Tankstelle…

… und gibt den Blick auf einen Smart fortwo cdi (3,3 l/100 km) frei. Dann wird der Slogan eingeblendet: „Umweltschutz bleibt dufte.“

Hierzu folgende Rechnung: Ein T1 Bulli aus den 60er-Jahren verfügte über neun Sitzplätze. Pro Person ergibt das bei voller Besetzung einen Spritverbrauch von 1,44 Litern. Der Smart cdi mit seinen zwei Sitzen kommt - 40 Jahre später - auf 1,65 Liter Diesel pro Person.

Und: Anders als die meisten VW-Busse sind Smarts in aller Regel völlig überflüssig. Sie wurden als Stadtautos und typische Zweitwagen konzipiert und müssen sich einem Testbericht des Manager-Magazins zufolge auf der Autobahn „jeden Kilometer erkämpfen“. Kinder können nicht mit, weil die Rückbank fehlt. Typischerweise werden Smarts für die Fahrt ins Büro genutzt – auf Distanzen also, die angesichts der drohenden Klimakatastrophe jeder Mensch bei Verstand und guter Gesundheit mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurücklegt. Auf der Smart-Internetseite kann man ausrechnen, wie viel CO2 ein fortwo cdi „einspart“: Fährt man damit zum Beispiel sechs Kilometer weit, stößt er 243 Gramm weniger aus als ein anderer (viersitziger) Kleinwagen. Er emittiert aber immer noch 528 Gramm CO2.

Das Manager-Magazin kommt übrigens zu dem Ergebnis, dass der Smart fortwo cdi „unter realistischen Bedingungen“ nicht 3,3, sondern 4,9 Liter verbraucht – das macht 129 Gramm CO2 pro Kilometer. Der sparsamste aller Smarts verfehlt also in der Praxis sogar die EU-Zielmarke von 120 Gramm, die Neuwagen demnächst im Schnitt erreichen sollen.

Fazit: Lustige Werbung, traurige Realität.