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Audi S4: Abrüstung in Trippelschrittchen

Dienstag, den 10. März 2009

Etwas Gutes hat die Krise – offenbar achten die deutschen Autokäufer endlich etwas stärker auf den Verbrauch. Die Hersteller von Kleinwagen fahren Sonderschichten, die rumänische Renault-Tochter Dacia und der tschechische VW-Ableger Skoda melden Rekordverkäufe. Bei Ford in Köln wurde die ankündigte Kurzarbeit abgesagt – weil sich die Modelle Ka, Fiesta und Fusion viermal so gut verkaufen wie vor einem Jahr.

Anders als Dacia, Ford und Skoda schaltet Audi derzeit teure Werbeanzeigen – zum Beispiel eine Doppelseite im aktuellen stern (Listenpreis: 112.800 Euro plus MwSt.):

Anscheinend ist man bei Audi hin- und hergerissen: Einerseits haben sich die Ingolstädter in den vergangenen Jahren so sehr auf sportliche Boliden festgelegt, dass ein ökologischer Kurswechsel ohne Schaden am Markenimage kaum möglich ist. Andererseits ist klar, dass es nicht mehr weitergeht wie bisher. Von Modellreihe zu Modellreihe hatten die Audi-Limousinen bei PS-Zahl, Fahrzeuggewicht, Geschwindigkeit und Leistung zugelegt. Am Ende dieses Rüstungswettlaufs standen beim S4 (der Sportversion der A4-Baureihe) 8-Zylinder-Ungetüme mit fast 350 PS und einem exorbitantem Kohlendioxid-Ausstoß von bis zu 321 Gramm pro Kilometer.

„Es ist ein Trugschluss zu meinen, die ganze Welt werde nur noch Kleinwagen fahren“, hatte Audi-Chef Rupert Stadler letzte Woche in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gefrotzelt. Ein Kleinwagen ist der neue S4 wahrlich nicht. Und „weniger“ meint bei diesem Fahrzeug eine Kürzung um elf Pferdestärken (auf „nur“ noch 333 PS) und zwei Zylinder (auf sechs). Der großspurig beworbene Audi ist jetzt zwar zehn Kilogramm leichter als sein Vorgänger, mit gut 1,7 Tonnen aber immer noch 200 Kilogramm schwerer als ein S4 aus dem Jahr 1998.

Und der Spritverbrauch? Der Nach Audi-Angaben soll er um 3,6 auf 9,7 Liter pro hundert Kilometer gesunken sein – im Test der Zeitschrift auto, motor, sport allerdings schluckte der Wagen 14,1 Liter (deutlich mehr übrigens als der gleichfalls getestete und ebenso „sportliche“ BMW 335i). Zur Klimaschädlichkeit sagt das Kleingedruckte der Annonce

Klar, das ist weniger als beim Vorgänger – aber immer noch knapp das Doppelte des künftigen EU-Richtwerts von 120 Gramm Kohlendioxid. Dafür mit dem Wort „weniger“ zu werben – das ist, tja, frech? Jedenfalls ist es so, als würde ein Hersteller völlig überzuckerter Limonaden ein etwas kalorienreduziertes Getränk als Diät-Produkt anpreisen. Oder, um im oben schon einmal gewählten Rüstungsbild zu bleiben, als würde ein Staat sich für das Abwracken einiger Panzer loben – aber auch weiterhin eine waffenstarrende Armee unterhalten.

Danke an Christian B. aus Leipzig für den Hinweis


Audi: Vorsprung durch Werbung

Montag, den 25. August 2008

In der Unternehmensspitze von Audi greift man gern zu markigen Worten, wenn es um Klimaschutz geht: „Sollen wir künftig alle Trabi fahren?“, antwortete Ex-Audi-Chef Martin Winterkorn einmal, als er nach seinen PS-Boliden gefragt wurde. Und der jetzige Vorstandsvorsitzende, Rupert Stadler, versuchte die Verantwortung zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes auf andere abzuwälzen mit den Worten, das Klimagas kenne ohnehin „keine Landes- und Industriegrenzen“. Im übrigen sei nicht Audi schuld, sondern die Physik, dass man die eigene Selbstverpflichtung aus dem Jahr 1998 (zur Senkung der Flotten-Emissionen auf 140 g/km Kohlendioxid bis 2008) um Längen verfehlt.

Doch selbst in Ingolstadt weiß man, dass Ausreden allein nicht mehr genügen in Zeiten wie diesen – und hat deshalb eine millionenschwere Werbekampagne gestartet. Sehr geschickt wird darin – Schritt 1 – Sparsamkeit oder Emissionssenkung umdefiniert in Effizienzsteigerung. Um – Schritt 2 – alle möglichen Neuentwicklungen als Effizienzfortschritt zu präsentieren. So lag der Süddeutschen Zeitung am Wochenende ein 16-seitiger Sonderdruck bei. In perfekter Gestaltung wurden da aerodynamische Karosserien gezeigt und neue Getriebe gepriesen, der erste Audi-Hybrid aus dem Jahr 1989 wird ebenso vorgeführt  wie der – zweifellos tolle – Dieselmotor TDI.

Der Haken: Audi hat sich mehr als ein Jahrzehnt lang darauf konzentriert, durch immer bulligere Autos das einst betuliche Image einer Rentnerkutsche abzulegen – entsprechend sahen Modellpolitik und Werbung (Motto: „Vorsprung durch Technik“) aus. Die bessere Effizienz der Motorentechnik wurde weniger genutzt, um den absoluten Verbrauch zu senken, sondern eher um die PS-Zahlen zu steigern und immer größere und schwerere Autos immer schneller zu machen. Dementsprechend sieht eine Studie des BUND Audi als Schlusslicht unter den deutschen Automobilherstellern bei der Erreichung der Klimaschutzziele.

Die „Meilensteine der Audi-Technik“, die in der SZ-Beilage auf einer Doppelseite ausgebreitet werden, haben denn auch wenig mit wirklichen Klimaschutz-Fortschritten zu tun.

Im Jahr 2003 zum Beispiel wird da der neue „Audi TT 3.2 quattro“ als „Meilenstein“ vermerkt – mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von 224-227 g/km. Für 2006 ist der Sieg eines Audi R10 mit Zwölf-Zylinder-Motor „beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans“ vermerkt (Verbrauchs- oder Emissionswerte verschweigt man hier lieber).

Dem Jahr 2008 ordnet Audi in der Werbung ein „Produktfeuerwerk“ zu. Hier wird auch der neue A4 groß herausgestellt – doch der ist gar nicht effizienter geworden, wie ein genauer Blick auf dieses meistverkaufte Audi-Modell zeigt: Die Unternehmenshomepage gibt für die aktuelle Variante mit Zwei-Liter-TDI-Motor einen Verbrauch von 4,4 bis 6,9 Liter Diesel an und einen Kohlendioxid-Ausstoß von 139 g/km. Nicht schlecht. Aber schon der erste A4 vor 13 Jahren war ähnlich sparsam. Die Werte sind wegen zwischenzeitlich geänderter Testnormen zwar nicht direkt vergleichbar, aber für den Audi A4 1.9 TDI von 1995 wurden 3,7 bis 6,0 Liter Verbrauch genannt. Es sieht aus, als trete Audi in Wahrheit eher auf der Stelle.