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Klein, aber oho (4): X-Leasing München

Mittwoch, den 30. Juli 2008

Echt was Feines hat sich die Münchner Firma X-Leasing ausgedacht: „co2-neutrale“ Leasingfahrzeuge. Gegen Aufpreis, so das Versprechen, werde alles während der Vertragslaufzeit anfallende Kohlendioxid durch neugepflanzte Wälder „kompensiert“. Eine eigene Internetseite gibt es auch, in bewegten Grafiken verwandeln sich dort sieben Autos in wunderschön grüne Urwälder – doch bis auf einen Mini Cooper sind alle präsentierten Fahrzeuge echte Klimakiller wie der Porsche Cayenne (Spritverbrauch: 15,8 l/100 km, Kohlendioxidausstoß: ca. 350 g/km).

X-Leasing könnte den Kunden natürlich auch raten, ein kleineres Auto zu wählen oder generell weniger Auto zu fahren, wenn sie etwas fürs Klima tun möchten. Doch das Unternehmen kennt den „Mythos Auto als Ausdrucksmittel für Individualität, Status und Lebensfreude“, so die Homepage, will aber eine „optimale Dienstleistung für alle Belange rund ums Auto“ anbieten – und dazu zählt nun offenbar auch ein gutes Gewissen. Für drei Jahre Porsche-Cayenne-Fahren kostet es exakt 227,52 Euro.

Bei diesem Angebot kooperiert X-leasing mit dem gemeinnützigen Verein „Prima Klima weltweit“ aus Düsseldorf. Dieser unterstützt seit mehr als zehn Jahren Aufforstungsprojekte; das Geld dafür kommt von Menschen oder Unternehmen, die mittels neuer Wälder ihren eigenen Kohlendioxid-Ausstoß wiedergutmachen wollen. Nun ist es ohne Frage eine feine Sache, Bäume zu pflanzen. Das Prinzip „Klimaneutralität“ aber – den eigenen Treibhausgasausstoß an anderer Stelle wieder einzusparen – wird von vielen Umweltschützern als Ablasshandel kritisiert: Die Kunden kauften sich damit von Verhaltensänderungen frei; und langfristig könne es gar nicht funktionieren, wenn alle Welt immer nur versuche, woanders die CO2-Emissionen zu senken.

Besonders umstritten ist der Ansatz von Anbietern wie „Prima Klima weltweit“, Wälder als Klimakompensation anzubieten. Umweltorganisationen wie der WWF oder das Klima-Bündnis lehnen diese explizit ab. Denn es ist praktisch unmöglich, das von Bäumen im Laufe ihres Lebens gebundene Kohlendioxid präzise zu beziffern. Zudem gibt es Aufforstungsprojekte in der Dritten Welt, bei denen die örtliche Bevölkerung von angestammtem Land vertrieben wird. Und was passiert eigentlich, wenn die neuen Wälder irgendwann abbrennen?

Liest man das Angebot von X-Leasing genau, stößt man auch auf den prinzipiellen Haken an der Klimakompensation durch Wälder – das Problem der Ungleichzeitigkeit:

Nur „linearisiert betrachtet“ bindet der Wald eine (per „Faustregel“) bezifferte CO2-Menge. Im korrekten Zeitverlauf sieht die Sache anders aus: Neugepflanzte Bäume entziehen der Atmosphäre während der ersten Jahre kaum Kohlendioxid, im Gegenteil. Vor allem in jungen Jahren setzen sie bei der Aufnahme von Nährstoffen an den Wurzeln oft mehr von dem Klimakiller frei, als sie aufnehmen. Es dauert also viele Jahre oder gar Jahrzehnte, bis neugepflanzte Bäume die versprochene Menge Kohlendioxid aus der Atmosphäre gefiltert haben – der dafür zahlende Porsche-Fahrer aber stößt das Klimagift heute aus. Den paradoxen Effekt von Waldprojekten hat die Gruppe Carbon Trade Watch in einer Broschüre genau beschrieben („The Carbon Neutral Myth“, zu deutsch: „Der Mythos der Kohlenstoff-Neutralität“, siehe S. 63ff.): Wenn ein Kunde Jahr für Jahr in derartige „Klimakompensation“ investiert, statt sofort CO2 zu sparen, türmt er eine immer größer werdende Bugwelle vor sich auf – weil Jahr für Jahr netto erst mal Treibhausgase freiwerden.

Bei Werbern und Konsumenten sind Waldprojekte wie die von „Prima Klima weltweit“ trotzdem populär, denn es ist so unheimlich einleuchtend, Bäume zu pflanzen. Fürs Klima allerdings ist die Tücke der Ungleichzeitigkeit alles andere als egal. Klimaforscher weisen nämlich darauf hin, dass die Erderwärmung in den nächsten Jahren einen Punkt erreichen könnte, an der sie unumkehrbar wird. Als solcher „tipping point“ gilt etwa das Tauen des sibirischen Permafrostbodens. Sind diese „Kippschalter“ erst umgelegt, wäre der Klimawandel unbeherrschbar, die Erdtemperatur könnte sprunghaft steigen, und die mit dem Geld von Porsche-Fahrern gepflanzten Wälder würden vermutlich eingehen. Ist dann aber auch egal.

P. S.: Die Werbung von X-Leasing hantiert mit Bildern eines tropischen Urwaldes – das sieht besonders grün aus. Die Mehrzahl der Projekte von „Prima Klima weltweit e.V.“ aber liegt nicht in den Tropen, sondern hier in Deutschland.

Danke an Elke D. für den Hinweis


Porsche: Angst vor „putzigen Kleinwagen“

Freitag, den 25. Januar 2008

Auf der Hauptversammlung der Porsche AG hat sich Vorstandschef Wendelin Wiedeking – wieder einmal – über die geplanten EU-Vorschriften zum Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen aufgeregt. Diese seien „ungeheuerlich“, sie bevorzugten südeuropäische Auto-Marken und ließen den deutschen Herstellern „kaum noch Luft zum Atmen“, so Wiedeking. Solche Worte kann man ja verstehen, wenn der ganze schöne Milliardenumsatz (und das eigene Jahresgehalt von 60 Millionen Euro) von der bisherigen Modellpalette abhängen.

Dann aber mokierte sich Wiedeking: „Allein das Herumzuckeln mit putzigen Kleinwagen aus Italien und Frankreich soll uns vor dem drohenden Untergang retten.“

Zweierlei fällt einem dazu ein:

Erstens scheinen gerade deutsche Männer sich besonders gern in Fahrzeugen mit der Größe und dem Gewicht eines Panzers fortzubewegen (wie ja auch ein Blick in die Geschichte zeigt).

Tesla Roadster
Der neue Porsche? Nein, leider nicht.
Dies ist der Tesla Roadster, ein Elektro-Sportwagen aus Kalifornien. Mit sauberem Strom wird er zum Öko-Renner

Zweitens fehlt es Porsche ganz offenbar an Ideen. Denn natürlich müssen Kleinwagen nicht putzig sein – was beispielsweise der Mini von Konkurrent BMW belegt. Und selbstverständlich kann man fetzige Sportwagen bauen – die trotzdem das Klima schonen. (Jedenfalls wenn Geld keine Rolle spielt, aber das tut es bei vielen Porsche-Kunden ja nichts.) Die kalifornische Firma TeslaMotors macht’s vor: Sie bietet einen Roadster mit 250 PS, Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 in vier Sekunden. Angetrieben wird der Wagen von Elektromotoren, die 6.800 Lithium-Ionen-Akkus müssen erst nach 400 Kilometern wieder ans Netz. Der Preis liegt mit 100.000 Dollar am unteren Ende der Porsche-Skala. Kauft man sich dann noch ein paar Anteile an einem Windpark dazu, kommt man auf konkurrenzlos niedrige CO2-Werte pro Kilometer – und kann guten Gewissens rasen…


Die deutschen AKW-Betreiber: Beste Grünfärber Europas

Mittwoch, den 2. Januar 2008

Deutschlands ungeliebte Klimaschuetzer

Ein Bündnis verschiedener Organisationen schreibt jedes Jahr einen Preis für die verlogenste Lobby-Arbeit in Europa aus, den Worst Lobby Award. 2007 wurde zusätzlich ein Preis in der Kategorie „Worst EU Greenwash“ ausgeschrieben – für Firmen, „deren Werbung, PR- und Lobbyrhetorik im Widerspruch zu den wahren Umweltauswirkungen ihres Kerngeschäfts steht“, so die Initiatoren.

Nominiert waren:

- Airbus („für eine Anzeigenserie, in denen Passagierflugzeug-Silhouetten mit schönen Landschaften ausgefüllt wurden, um Airbus-Flugzeuge grün und sauber erscheinen zu lassen“)

- der britische BAE Systems („weil sie tödliche Waffen als umweltfreundlich bewerben“)

- das Deutsche Atomforum (wegen „Missbrauch der öffentlichen Sorge um den Klimawandel zur Imagepflege für die Atomenergie“)

- der Ölkonzern ExxonMobil („nominiert für die Behauptung, das Unternehmen würde seine Treibhausgase reduzieren, während die Emissionen in Wirklichkeit anstiegen“)

- der Energieriese Royal Dutch Shell (weil er „den Eindruck erweckt, dass seine Ölraffinerien Blumen statt Rauch ausstoßen“)

Ausführliche Informationen zu allen Nominierten stehen hier.

Durchgesetzt hat sich – wie so oft auf dem Weltmarkt – deutsche Wertarbeit. Beim allgemein schlimmen Lobbying gewannen die Autokonzerne BMW, Daimler und Porsche. Und auch in der Sonder-Wertung für Grünfärberei lag die Bundesrepublik vorn: Das Deutsche Atomforum, das Akw in einer millionenschweren Werbekampagne als „Klimaschützer“ darstellte, deklassierte die gesamte Konkurrenz.

P.S.: Bei YouTube gibt es ein amüsantes Video – es zeigt, wie ein Vertreter des „Worst Lobby Award“ bei den Brüsseler Büros von BMW, Daimler und Porsche versucht, Blumensträuße loszuwerden…