Archiv des Schlagwortes ‘Klimakompensation’

OIL!: Zusammen tanken wir die Umwelt weg

Donnerstag, den 10. Juni 2010

Es gibt Fälle von Grünfärberei, die braucht man eigentlich nicht zu kommentieren. Die „Klimacard“ der mittelständischen Tankstellenkette Oil! ist ein solcher. Die zugehörige Internetseite wirkt wie Realsatire – erst recht, wenn man die Bilder ölverschmierter Seevögel nach dem BP-Desaster im Golf von Mexiko im Kopf hat:

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Verlieren wir trotzdem ein paar Worte, denn es ist keine Satire. Die Firma meint das tatsächlich ernst! In einer Pressemitteilung behauptet sie, mit der „Klimacard“

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Dieses Wunder vollbringt die Ölfirma, die bundesweit rund 250 Filialen hat, so: Beim Tanken zahlen Klimacard-Kunden 1,25 Cent pro Liter extra. Diese Summe stockt das Unternehmen um denselben Betrag auf und leitet also 2,5 Cent pro Liter an ein Baumpflanz-Projekt weiter. Die Idee ist nicht neu, Konkurrent Jet hat zusammen mit der Hamburger Firma Arktik kürzlich ein ähnliches System gestartet. Dort aber macht man sich wenigstens noch die Mühe, die pro Liter Sprit verursachte Kohlendioxid-Menge genau auszurechnen und auszugleichen (was dann übrigens merklich teurer wird als hier bei Oil!). Dort fließt das eingenommene Geld auch in Projekte, die relativ hohen Standards genügen und von unabhängigen Gutachtern geprüft werden. Oil! hingegen leitet die Einnahmen an eine ominöse „Initiative Pro Klima“.

Diese wurde von der Tankstellenfirma selbst zusammen mit einigen Partnern aus der Branche gegründet. Ihre Internetseite besteht großteils aus zusammenkopierten Energiespartipps. Das mit der „Klimacard“ eingenommene Geld reicht die „Initiative Pro Klima“ offenbar bloß an die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten durch. Und nirgends steht, dass es sich bei dem zu pflanzenden Wald wirklich um zusätzliche Flächen handelt - und nicht um Wald, den die Landesforsten vielleicht sowieso irgendwann angelegt hätten.

In der Pressemitteilung der Firma Oil! steht noch:

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Das mag ja stimmen. Aber die Umweltschäden, die pro Liter Benzin bei der Förderung des Erdöls, seinem Transport nach Deutschland, in Raffinerien und schließlich durch das Verbrennen im Automotor entstehen, die dürften deutlich größer sein als der Nutzen des mit 2,5 Cent finanzierbaren Waldes. Deshalb empfehlen wir als Slogan zu dieser angeblichen „Klimacard“: „Zusammen tanken wir die Umwelt weg!“

Danke an Johanna T. für den Hinweis


Mazda: Billige Klima-Werbung

Mittwoch, den 26. Mai 2010

Nach dem Auslaufen der Abwrackprämie sind bei den meisten Autofirmen die Verkäufe in den Keller gegangen, und Mazda hat es offenbar besonders getroffen. Während der Gesamtmarkt gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent schrumpfte, setzten die Japaner von ihrer Mittelklasselimousine Mazda 6 hierzulande nur etwa halb so viele ab wie im Vorjahr, beim kleinen Mazda 2 (2009 noch ein Renner) brach die Nachfrage gar um 65 Prozent ein. Mit Klima-Werbung versucht die Firma nun dagegenzuhalten. In Radiospots, großen Annoncen etwa in der Süddeutschen Zeitung sowie im Internet preist der Hersteller eine „grüne Mazda VarioFlat“.

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Die Idee: Bei Abschluss eines Leasingvertrags wird für eine pauschale Kilometerzahl der CO2-Ausstoß berechnet – und ein Aktionspartner bekommt Geld dafür, dass er dieselbe Menge Treibhausgas anderswo ausgleicht. In diesem Falle verspricht Mazda, dass der Düsseldorfer Verein Prima Klima Weltweit eine entsprechende Zahl Bäume pflanzt. Für Flüge gibt es solche „Klimakompensationen“ schon lange, und auch fürs Autofahren ist die Idee nicht neu. Seit Jahren bietet zum Beispiel eine Münchner Leasingfirma den Spritfresser Porsche Cayenne „co2 neutral“ an. Kritiker monieren, dass sich Konsumenten hier auf billige Art ein gutes Gewissen verschaffen können – statt ihr klimaschädliches Verhalten zu ändern. Etliche Umweltverbände lehnen insbesondere die Kompensation durch Bäume ab, weil die aufgenommenen CO2-Mengen relativ schwierig zu berechnen sind und oft unklar ist, ob die Wälder lange stehen, die Treibhausgase also wirklich dauerhaft gebunden werden.

Grundsätzlich ist das Pflanzen von Bäumen natürlich löblich. Mazda aber tut es, um den Verkauf seiner Autos anzukurbeln – und die sind ökologisch nicht herausragend. Auf seiner Internet-Seite schmückt sich der Konzern denn auch mit zweifelhaften Dingen, etwa einem Harnstoff-Katalysator ausgerechnet für den klimaschädlichen Stadtgeländewagen CX 7 oder einem Kleinserien-Wasserstoff-Hybrid mit Wankelmotor. Und im Kleingedruckten der „grünen“ Zeitungsannonce heißt es zum Mazda 2:

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Wirklich sparsam ist das nicht, Autos derselben Größe kommen längst auf unter 100 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer. Und der Mazda 6, den das Unternehmen ebenfalls im Rahmen seines „grünen“ Leasings anbietet, stößt je nach Motorenvariante zwischen 138 und 188 g/km aus. Beim Flottenausstoß lag Mazda im vergangenen Jahr mit 151,9 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zwar einen Deut besser als der Durchschnitt aller Neuzulassungen – aber weit hinter Marken wie Toyota (130,7 g/km) oder Fiat (136,8 g/km). Und übrigens auch weit entfernt von der 140-Gramm-Marke, die die europäischen Autohersteller gemäß einer Selbstverpflichtung von 1998 eigentlich schon 2008 erreicht haben wollten.

Eine schnelle Grob-Kalkulation ergibt zudem, dass der „CO2-Ausgleich“ für Mazda eine ziemlich billige Sache ist: 15.000 Kilometer pro Jahr und verleastem Fahrzeug gleicht das Unternehmen aus, das wären monatlich 1250 km. Für den Mazda 2 mit genanntem CO2-Ausstoß ergibt sich ein Kompensationsvolumen von 156,25 Kilogramm CO2. Prima Klima Weltweit verlangt zehn Euro je Tonne Kohlendioxid – das macht dann 1,56 Euro, die Mazda von 99 Euro monatlicher Leasingrate abzweigen muss. Nimmt man nun an, dass Mazda vielleicht 10.000 Fahrzeuge über diese Aktion absetzt (was angesichts der Gesamtverkaufszahlen hoch gegriffen sein dürfte), ergäben sich monatliche Kosten für den Klima-Ausgleich von rund 15.000 Euro.

Das Werbebudget für die ganze Aktion dürfte ein Vielfaches davon betragen.

Danke an Marie R. für den Hinweis


JET: Tanken mit Arktik-weißer Weste

Dienstag, den 23. Februar 2010

„Schlauer ist das!“, lautet der Slogan der Tankstellenkette Jet. Seit Wochen wirbt sie in Anzeigen, etwa in Spiegel und Stern, für „klimaneutrales Tanken“: Wenn die Kunden pro Liter Sprit zwei Cent extra zahlten, lege Jet nochmal 2,5 Cent drauf – das ganze Geld fließe in Klimaprojekte, arktik_jet_2wo dann genau jene Menge Kohlendioxid eingespart werde, die eine Tankfüllung verursache. Simsalabim.

Die Idee ist nicht besonders neu, vor allem bei Flugtickets ist diese sogenannte Klimakompensation bereits weit verbreitet. Jets Partner, die neugegründete Firma Arktik, will es nun Autofahrern ganz einfach machen – bei jeder Bezahlung mit der Arktik-Tankkarte werde automatisch der entsprechende Klimabeitrag abgebucht. Doch simpel  heißt nicht immer gut. Denn nach Ansicht von Klimaschützern, sollte die Kompensation von Treibhausgasen immer nur der letzte von drei Schritten sein: Vermeiden, Reduzieren, Kompensieren – heißt es auch auf der Arktik-Website. Deren „CO2-Einspartipps“ aber wirken reichlich lapidar. Man möge Dachgepäckträger nach Gebrauch wieder abschrauben, heißt es beispielsweise – nicht erwähnt werden dagegen viel wirksamere Dinge, etwa das Umsteigen auf kleinere Autos. „Ein Blick auf die Straßen zeigt, dass es einfach viele Menschen gibt, die das nicht wollen oder können“, sagt Geschäftsführer Florian Skiba. Deshalb konzentriere man sich auf den dritten Schritt, und letztlich sei doch ein CO2-Ausgleich besser, als gar nichts zu tun.

Man mache „ein grundsolides Angebot“, betont Skiba. Bei der CO2-Kalkulation würden auch die oft vergessenen Emissionen aus Ölförderung und Raffinierien berücksichtigt. Die unterstützten Klimaprojekte – Windparks in China zum Beispiel oder holzsparende Kocher in Senegal – genügten dem Gold Standard, der vom WWF mitgetragen wird. (Allerdings werden sie lediglich von unabhängigen Gutachtern verifziert und nicht – wie manche Umweltschützer verlangen – im Rahmen der UN zertifiziert.) Der große Haken am Arktik-Angebot ist ein anderer: Zwei Cent pro Liter sind zu wenig, als dass es schmerzt – für einen Euro mehr beim Tanken wird niemand auf ein sparsameres Auto umsteigen oder ganz aufs Fahren verzichten. Stattdessen werden die meisten Kunden wohl weiterrasen – nun aber mit grünem Gewissen. Alle anderen Probleme des Autos werden bei der CO2-Kompensation sowieso ausgeblendet, etwa Lärm, Stau, Feinstaub, Verkehrstote, die Endlichkeit des Erdöls oder auch die übliche Naturzerstörung bei Tankerunglücken.

Für Jet ist das Ganze ein unbezahlbarer Image-Gewinn – zu überschaubaren Kosten. Der Sprithändler kann sich als öko-bewusst präsentieren, auf den Punkt bringt es eine Grafik auf der Arktik-Website:

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Aber, Moment. Gehört Jet nicht zu ConocoPhillips? Anfang der neunziger Jahre stand der US-Konzern in der Kritik, weil er im Yasuni-Nationalpark am Amazonas nach Öl bohren wollte (nach öffentlichem Druck zog sich die Firma zurück). Heute ist ConocoPhillips im besonders klimaschädlichen Abbau von Ölsanden aktiv. Und gerade erst vergangene Woche trat der Konzern bei USCAP aus, einem Klimabündnis von US-Unternehmen – Beobachter werteten das als Rückschlag für das heftig umkämpfte Klimaschutz-Gesetz von Präsident Obama. Während also die Konzernmutter ConocoPhillips in Amerika wenig ökologisch handelt, steht Tochter Jet in Deutschland als grünes Unternehmen da.

Florian Skiba sagt: „Was ConocoPhillips in den USA machen, kann ich aus den mir vorliegenden Informationen aktuell nicht einschätzen.“ Vom Austritt aus der Klimainitiative habe er erst durch unsere Anfrage erfahren, zu etwaigen Konsequenzen wollte er nichts sagen. „Wir prüfen die Situation.“ Auch der Pressesprecher von Jet mochte die Geschäftspolitik des US-Mutterkonzerns nicht kommentieren, erfolglos habe er bei der Zentrale in Houston/Texas um ein Statement gebeten. Offenbar will sie sich nicht äußern.

Schlauer ist das.

Danke an Sabine P. für den Hinweis


TUIfly: Fliegen ist prima fürs Klima

Freitag, den 2. Januar 2009

Ausriss aus der TUIfly-WebsiteDachten Sie bisher, Fliegen sei nicht gut für die Umwelt? Sie glaubten zu wissen, dass Flugzeuge sogar die klimaschädlichsten Verkehrsmittel überhaupt sind? Dann schauen Sie mal, was die drittgrößte deutsche Fluggesellschaft, TUIfly, auf ihrer Internetseite schreibt:

Super, was? Dort kann mit einer Flugbuchung die Umwelt schützen!

Seit gut einem Jahr kooperiert das in Hannover ansässige Unternehmen mit „MyClimate“, einem Schweizer Anbieter von Klimakompensationsmaßnahmen. Deren Prinzip klingt verlockend: Den Klimaschaden, den man durch sein eigenes Verhalten anrichtet, lässt man an anderer Stelle ausgleichen – zum Beispiel, indem man Geld gibt für Windräder in der Dritten Welt. Kritiker aber nennen das modernen Ablasshandel, weil man sich bequem von eigenen Sünden freikaufen könne. Denn besser als Kompensation sei eine Vermeidung oder Minderung des Klimaschadens – also zum Beispiel mit dem Zug in den Urlaub zu reisen statt mit dem Flugzeug.

Dies findet TUIfly (Werbeslogan: „Übers Wochenende nach Sylt jetten! Ab 29 Euro“) natürlich keine so tolle Idee. Stattdessen ruft die Firma also ihre Kunden während der Buchung dazu auf, eine „freiwillige Spende“ zu leisten – von dem Geld sollen Familien in Eritrea brennstoffsparende Kocher erhalten. Wählt man zum Beispiel einen Hin- und Rückflug von Hannover nach Las Palmas, erscheint auf der TUIfly-Website dies:

Will man aber auf der Website von Partner MyClimate exakt denselben Flug kompensieren, sieht das Angebot ganz anders aus:

Für denselben Flug wird dort also nicht nur viel höhere Kosten ausgewiesen, auch die Menge des auszugleichenden Kohlendioxid ist dort dreimal so groß wie bei TUIfly.

Des Rätsels Lösung: Bei der Fluggesellschaft werden nur die direkten CO2-Emissionen berücksichtigt. Der Klimaschaden durchs Fliegen aber ist viel größer, weil Düsentriebwerke neben Kohlendioxid noch andere Schadstoffe ausstoßen und die Emissionen in besonders empfindlichen Schichten der Erdatmosphäre freiwerden. Der direkte CO2-Ausstoß von Flugzeugen wird deshalb üblicherweise mit dem sogenannten RFI-Faktor („Radiative Forcing Index“) multipliziert, um den Klimaschaden zu errechnen. Der Weltklimarat IPCC hat 1999 als realistischen Faktor irgendwas zwischen 2 und 4 vorgeschlagen. „Nach Schätzung des Umweltbundesamtes liegt er zwischen 3 und 5″, heißt es in einem von den obersten deutschen Umweltbeamten herausgegebenen Ratgeber zu Klimakompensationen, „das heißt, die Klimawirkung des Flugverkehrs ist mindestens 3-mal und höchstens 5-mal so groß wie die Wirkung des ausgestoßenen Kohlendioxids allein.“ Andere Umweltschäden – etwa die Gesundheitsbelastung von Flughafenanwohnern durch Fluglärm – fallen bei Kompensationsangeboten sowieso unter den Tisch.

TUIfly hat für seine Kunden also eine sehr günstige Offerte zur Gewissensberuhigung – bei der natürlich alles korrekt formuliert ist. Denn stets ist bei TUI nur von einer Kompensation des Kohlendioxids die Rede, der Rest der Geschichte wird einfach verschwiegen (und die meisten Kunden werden vom RFI-Faktor noch nie gehört haben).

Spricht man MyClimate, immerhin eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Zürich, auf die Diskrepanz an, hat die Sprecherin ein hörbar schlechtes Gewissen. Keine Fluggesellschaft weltweit, erklärt sie, erkenne die Sache mit dem RFI-Faktor überhaupt an. Was TUIfly macht, sei immerhin „ein erster Schritt“ – der innerhalb eines Jahres 420.000 Euro Spenden brachte. „Wir wollen die große Gruppe der Leute erreichen, die sich sonst gar keine Gedanken übers Klima machen“, sagt die MyClimate-Sprecherin.

So wie TUIfly die Klimakompensation vermarktet, werden sie sich wohl auch künftig keine Gedanken machen.


Klein, aber oho (4): X-Leasing München

Mittwoch, den 30. Juli 2008

Echt was Feines hat sich die Münchner Firma X-Leasing ausgedacht: „co2-neutrale“ Leasingfahrzeuge. Gegen Aufpreis, so das Versprechen, werde alles während der Vertragslaufzeit anfallende Kohlendioxid durch neugepflanzte Wälder „kompensiert“. Eine eigene Internetseite gibt es auch, in bewegten Grafiken verwandeln sich dort sieben Autos in wunderschön grüne Urwälder – doch bis auf einen Mini Cooper sind alle präsentierten Fahrzeuge echte Klimakiller wie der Porsche Cayenne (Spritverbrauch: 15,8 l/100 km, Kohlendioxidausstoß: ca. 350 g/km).

X-Leasing könnte den Kunden natürlich auch raten, ein kleineres Auto zu wählen oder generell weniger Auto zu fahren, wenn sie etwas fürs Klima tun möchten. Doch das Unternehmen kennt den „Mythos Auto als Ausdrucksmittel für Individualität, Status und Lebensfreude“, so die Homepage, will aber eine „optimale Dienstleistung für alle Belange rund ums Auto“ anbieten – und dazu zählt nun offenbar auch ein gutes Gewissen. Für drei Jahre Porsche-Cayenne-Fahren kostet es exakt 227,52 Euro.

Bei diesem Angebot kooperiert X-leasing mit dem gemeinnützigen Verein „Prima Klima weltweit“ aus Düsseldorf. Dieser unterstützt seit mehr als zehn Jahren Aufforstungsprojekte; das Geld dafür kommt von Menschen oder Unternehmen, die mittels neuer Wälder ihren eigenen Kohlendioxid-Ausstoß wiedergutmachen wollen. Nun ist es ohne Frage eine feine Sache, Bäume zu pflanzen. Das Prinzip „Klimaneutralität“ aber – den eigenen Treibhausgasausstoß an anderer Stelle wieder einzusparen – wird von vielen Umweltschützern als Ablasshandel kritisiert: Die Kunden kauften sich damit von Verhaltensänderungen frei; und langfristig könne es gar nicht funktionieren, wenn alle Welt immer nur versuche, woanders die CO2-Emissionen zu senken.

Besonders umstritten ist der Ansatz von Anbietern wie „Prima Klima weltweit“, Wälder als Klimakompensation anzubieten. Umweltorganisationen wie der WWF oder das Klima-Bündnis lehnen diese explizit ab. Denn es ist praktisch unmöglich, das von Bäumen im Laufe ihres Lebens gebundene Kohlendioxid präzise zu beziffern. Zudem gibt es Aufforstungsprojekte in der Dritten Welt, bei denen die örtliche Bevölkerung von angestammtem Land vertrieben wird. Und was passiert eigentlich, wenn die neuen Wälder irgendwann abbrennen?

Liest man das Angebot von X-Leasing genau, stößt man auch auf den prinzipiellen Haken an der Klimakompensation durch Wälder – das Problem der Ungleichzeitigkeit:

Nur „linearisiert betrachtet“ bindet der Wald eine (per „Faustregel“) bezifferte CO2-Menge. Im korrekten Zeitverlauf sieht die Sache anders aus: Neugepflanzte Bäume entziehen der Atmosphäre während der ersten Jahre kaum Kohlendioxid, im Gegenteil. Vor allem in jungen Jahren setzen sie bei der Aufnahme von Nährstoffen an den Wurzeln oft mehr von dem Klimakiller frei, als sie aufnehmen. Es dauert also viele Jahre oder gar Jahrzehnte, bis neugepflanzte Bäume die versprochene Menge Kohlendioxid aus der Atmosphäre gefiltert haben – der dafür zahlende Porsche-Fahrer aber stößt das Klimagift heute aus. Den paradoxen Effekt von Waldprojekten hat die Gruppe Carbon Trade Watch in einer Broschüre genau beschrieben („The Carbon Neutral Myth“, zu deutsch: „Der Mythos der Kohlenstoff-Neutralität“, siehe S. 63ff.): Wenn ein Kunde Jahr für Jahr in derartige „Klimakompensation“ investiert, statt sofort CO2 zu sparen, türmt er eine immer größer werdende Bugwelle vor sich auf – weil Jahr für Jahr netto erst mal Treibhausgase freiwerden.

Bei Werbern und Konsumenten sind Waldprojekte wie die von „Prima Klima weltweit“ trotzdem populär, denn es ist so unheimlich einleuchtend, Bäume zu pflanzen. Fürs Klima allerdings ist die Tücke der Ungleichzeitigkeit alles andere als egal. Klimaforscher weisen nämlich darauf hin, dass die Erderwärmung in den nächsten Jahren einen Punkt erreichen könnte, an der sie unumkehrbar wird. Als solcher „tipping point“ gilt etwa das Tauen des sibirischen Permafrostbodens. Sind diese „Kippschalter“ erst umgelegt, wäre der Klimawandel unbeherrschbar, die Erdtemperatur könnte sprunghaft steigen, und die mit dem Geld von Porsche-Fahrern gepflanzten Wälder würden vermutlich eingehen. Ist dann aber auch egal.

P. S.: Die Werbung von X-Leasing hantiert mit Bildern eines tropischen Urwaldes – das sieht besonders grün aus. Die Mehrzahl der Projekte von „Prima Klima weltweit e.V.“ aber liegt nicht in den Tropen, sondern hier in Deutschland.

Danke an Elke D. für den Hinweis