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iwo: Alten Schrott anpreisen

Montag, den 3. Mai 2021

Im Jahr 2020 war der Gebäudesektor in Deutschland für 120 Millionen Tonnen Treibhausgase verantwortlich – der drittgrößte Einzelposten nach der Energiewirtschaft und der Industrie. Und während in allen anderen Bereichen die Emissionen zurückgingen, stiegen sie im Gebäudesektor wieder an.

Es muss also dringend etwas getan werden. Das „Institut für Wärme und Mobilität“ empfiehlt deshalb:

Nanu – eine Ölheizung ist in Zeiten des Klimaschutzes eine „gute Entscheidung mit Zukunft“?

Ein Heizölkessel verursacht pro Kilowattstunde 318 Gramm Kohlendioxid, Erdgas dagegen „nur“ 247 Gramm. Bei einer Wohnfläche von 60 Quadratmetern, für die man pro Jahr in der Regel ca. 7.500 Kilowattstunden Heizenergie benötigt, verursacht der Heizöl-Haushalt 2,4 Tonnen Treibhausgas, der Gasheiz-Haushalt „nur“ 1,8 Tonnen.

Die neue Ölheizung liefere die

urteilt das Institut und schiebt ein zweites Argument eine zweite Anzeige hinterher:

CO2-armes Heizöl? Gibt es gar nicht. Jedenfalls erklärt uns das Institut nicht, was das sein soll. Zu finden ist auf seinen Seiten „schwefelarmes Heizöl“, „Premiumheizöl“, „Bio-Heizöl“ und „klimaneutrales Heizöl“.

Das Institut setzt in der eigenen Schreibweise „klimaneutrales Heizöl“ in Anführungszeichen, denn „klimaneutrales Heizöl“ ist gar nicht klimaneutral: Die entstehenden Emissionen sollen durch einen höheren Preis verschwinden, die Heizölnutzung wird durch

Das allerdings geht praktisch nur in der Theorie. Wer mit seiner Heizung etwas für den Klimaschutz tun will, ist längst auf klimafreundliche Technologien umgestiegen.

Worum also geht es dem „Institut für Wärme und Mobilität“? Schauen Sie mal:

Ölheizungen sind ein Auslaufmodell, das neue Gebäudeenergiegesetz verbietet diese Heizform ab  1. Januar 2026. Um den Umbau hin zu mehr Klimaschutz im Heizungskeller zu beschleunigen, fördert die Bundesregierung fossilfreie Technologien wie Wärmepumpen bei der Anschaffung mit bis zu 45 Prozent.

Der Einbau von Ölheizungen lohnt sich in etwa so, wie diese „CO2-arm“ sein können: nämlich gar nicht. Das „Institut für Wärme und Mobilität“ hieß früher „Institut für Wärme und Öltechnik“ – daher die Abkürzung iwo. Dabei ist es gar kein Institut, sondern ein Lobbyverband, der von 33 Ölkonzernen finanziert wird. Ziele des „Instituts“ sind die „Mitgestaltung von Rahmenbedingungen“ – gemeint ist die Gesetzgebung – und „Marketing-Aktionen“.

Und weil Mitgliedsunternehmen wie BP, Esso oder Eni jetzt Angst bekommen, dass ihnen der Heizölabsatz wegbricht, verkauft uns das „Institut“ die alte Schrott-Technologie, die von der Regierung aus dem Verkehr gezogen wird, als „Zukunft“.

Herzlichen Dank an Steffi R. aus Berlin für den Hinweis!


Ölwirtschaft: Alter Sprit aus neuen Schläuchen

Dienstag, den 3. November 2020

Die moderne, aufgeklärte Welt: „Vielfalt“ lautet ihre Strategie, sich gegen Demagogen, Nationalisten und „Great again“-Maker zu wehren, gegen die Facebook-Trolle, AfDler oder Erdogane.

In Dresden demonstrierten gerade mehr als tausend Menschen für die Vielfalt, in Düsseldorf hisste für mehr Vielfalt der Oberbürgermeister die Regenbogenfahne. Die Wirtschaft gab sich schon 2006 eine „Charta der Vielfalt“, auch in der Forschung soll Vielfalt jetzt eine größere Rolle spielen, neuerdings wird sogar die evangelische Kirche durch „sexuelle und geschlechtliche Vielfalt bereichert“.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis dies hier auftauchte:

„Klimaschutz braucht Vielfalt“ – so lautet das Motto einer 12-seitigen Zeitungsbeilage, die gerade große deutsche Tageszeitungen vertrieben haben. „Tanken wie gewohnt, aber CO2-neutral fahren“, heißt es da. Und dann:

Klimaneutrale Kraftstoffe sind „rein chemisch betrachtet … ziemlich einfach“, erklärt die Beilage auf Seite 3. Unterstützt wird diese Aussage durch eine Grafik:

Hmmm.

Algen, Aufbereitung, Elektrolyse – ganz so einfach sieht die Sache dann doch nicht aus. Zumal ja auch hier Ökostrom gebraucht wird; auch wenn er in der Grafik nicht so heißt, dort wird er als „erneuerbarer Strom“ bezeichnet. Und Ökostrom- respektive Erzeugungslücke … Sie wissen ja … siehe oben, zweiter Ausriss.

Was ist jetzt gleich nochmal Ziel der Beilage? Vielfalt?

Vielleicht hilft ein Blick ins Impressum. Das finden Sie auf Seite 9:

Nein, das „Institut für Wärme und Öltechnik“ (IWO), neuerdings „für Wärme und Mobilität“, ist kein Forschungsinstitut, sondern ein Lobbyverband der deutschen Mineralölwirtschaft, finanziert durch Ölkonzerne wie BP, Esso oder Eni. Früher warb das IWO-“Institut“ für die Ölverbrennung als „Lösungen für mehr Klimaschutz“, oder für Ölheizungen als hilfreich gegen den Klimawandel. Aber so blöd sind die Leute ja heute nicht mehr, solche Lügenpropaganda glaubt heute kein Mensch.

Ausgemacht ist, dass demnächst Autos nur noch ohne Ölantrieb durch die Welt rollen sollen. Das würde in der Konsequenz bedeuten, dass nicht nur Ölkonzerne wie BP, Esso oder Eni verschwinden, sondern auch Lobbyorganisationen wie das Institut für Wärme und Öltechnik oder der Mineralölwirtschaftsverband MWV. Deshalb muss schleunigst Ersatz her für den Ölantrieb, wir sollen alle deshalb jetzt

„Mit Future Fuels betriebene Verbrennungsmotoren können einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten“, steht in der Beilage. Es geht dabei um „regenerativ erzeugten Kraftstoff“, etwa in der Kraftstoffmischung R33 Blue Diesel, in der nur noch ein Drittel Diesel aus Erdöl enthalten ist.

Nun: Diesel mit einem Bioanteil ist nichts Neues, seit etlichen Jahren enthält herkömmlicher Diesel bis zu sieben Prozent Fettsäuremethylester – besser bekannt als Biodiesel. Der Kraftstoff „B100″ ist gar zu 100 Prozent regenerativ erzeugt, die Mindestanforderungen wurden am 30. November 2004 in der Norm DIN EN 14214 festgelegt.

Jahr für Jahr wurden solch „Future Fuels“ immer beliebter, im Jahr 2006 setzten die Tankstellen in Deutschland schon 1,9 Millionen Tonnen B100 ab. Kraftstoff, der nicht mehr aus Mineralöl hergestellt wurde, sondern „regenerativ erzeugt“. Und damit Umsatz, der den Mitgliedern des Mineralölwirtschaftsverbandes MWV entging: Biodiesel erreichte Mitte der 2000er Jahre einen Marktanteil von rund acht Prozent.

Skandal! „Wir haben in Europa schon einen Überschuss an Benzin“, schimpfte damals Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband MWV. „Hier bereichert sich ein Industriezweig auf Kosten der Steuerzahler“, empörte sich damals Klaus Picard vom Mineralölwirtschaftsverband MWV. Denn Biodiesel wurde damals steuerlich gefördert.

Die Erdöl-Lobby setzte sich durch, die Steuererleichterung für B100 wurde abgeschafft, 2012 waren an den Tankstellen mehr als 45 Cent je Liter B100 fällig, der Kraftstoff damit nicht mehr konkurrenzfähig. Er verschwand vom Markt.

Heute nun fordert Christian Küchen, der Nachfolger von Klaus Picard beim Mineralölwirtschaftsverband, in der Vielfalts-Beilage „verlässliche politische Rahmenbedingungen, die eine gewisse Sicherheit geben, dass die höheren Kosten am Ende auch im Markt bezahlt werden“. Future Fuels wie etwa die Kraftstoffmischung R33 Blue Diesel sind nämlich ohne eine steuerliche Förderung immer noch viel teurer als Fossilkraftstoff. Die Mineralölwirtschaft will deshalb Subventionen für die „flüssigen Energien von Morgen“, zumindest aber Steuererleichterungen.

Alter Sprit aus neuen Schläuchen: 2011 musste beispielsweise das Unternehmen Choren Insolvenz anmelden, weil von der Politik die steuerliche Förderung zusammengestrichen wurde. Choren hatte ein Verfahren für „Future Fuels“ entwickelt, bei dem aus Altholz synthetischer BtL-Kraftstoff hergestellt wurde.

Jetzt fordert die Fossillobby solche Verfahren, klimaneutrale Kraftstoffe seien die „Lösung“. Der Unterschied zu damals ist, dass die geforderten Steuervergünstigungen heute der Mineralölwirtschaft zugutekommen sollen!

Klimaschutz braucht Vielfalt? Ein ziemlich einfältiges Manöver.

P.S.: Die Arbeit des Klima-Lügendetektors ist seit vielen Jahren leserfinanziert. Noch aber fehlen uns einige Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2020 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Gebäudewirtschaft: Unvorstellbare Panik

Dienstag, den 1. Oktober 2013

Es gibt Sachen, die so unvorstellbar sind, dass es schwierig ist, sich davon ein Bild zu machen. Zum Beispiel dies hier:

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1,7 Billionen Euro! Das sind 1.000.000.000.000 € + 700.000.000.000 €. Diese Summe ist 5,5-mal größer als das, was die Bundesrepublik 2013 insgesamt ausgeben wird. Oder um ein anderes Bild zu bemühen: 1,7 Billionen Euro entsprechen fast dem gesamten Schuldenstand dieses Landes.

Es geht um eine Studie des Forschungscenters Betriebliche Immobilienwirtschaft an der TU Darmstadt, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Energiewende im Wärmesektor 1,7 Billionen Euro kosten wird. Strom ist ja nur das eine, über das viel geredet wird. Aber 38 Prozent des Endenergieverbrauchs dieser Bundesrepublik entfallen auf den Verbrauch im Gebäudesektor – das größte Klimaschutzpotenzial Deutschlands.

Autor der Studie ist Professor Andreas Pfnür, und der sagt: „Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 900 bis 1.300 Euro zahlen nach der Sanierung die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen.“ Weil dafür so irre viel Geld notwendig ist. Das sei sozialer Sprengstoff, so der Professor.

Tatsächlich will die Regierung 80 Prozent der heute im Gebäudesektor eingesetzten Wärme bis ins Jahr 2050 einsparen – durch die energetische Sanierung. In der Rheinischen Post aus Düsseldorf heißt es dazu:

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Die Welt titelte: „Klimaziele ruinieren Mieter und Eigentümer“. Denn nicht nur die armen Mieter werden durch die Energiewende massenhaft in soziales Elend getrieben, auch die Hausbesitzer werden Opfer! Im Interview erklärte Universitätsprofessor Pfnür, womit die Eigentümer rechnen müssen: Sanierungskosten von bis zu 140.000 Euro pro Einfamilienhaus und 300.000 Euro pro Mehrfamilienhaus.

Keine Angst, liebe Besitzerinnen und Mieter! So schlimm wirds nicht. Zum einen hat der Universitätsprofessor in seiner „Studie“ glatt unterschlagen, dass energetisch sanierte Wohnungen ja Heizkosten sparen helfen. Wer beispielsweise durchschnittlich 40 Euro weniger im Monat ausgeben muss, hat zum Jahresende 480 Euro mehr in der Tasche – was sich bis zum Jahr 2050 auf 17.760 Euro summiert.

Zweitens dürften es deutlich mehr als 40 Euro Ersparnis im Monat werden. 1991 kostete der Liter Heizöl Normal 0,52 DM, zehn Jahre später waren es schon 0,72 DM. Der Heizölpreis kennt immer nur eine Richtung: 2011 kostete der Liter 0,82 Cent, mehr als dreimal so viel wie vor 20 Jahren. Gut möglich also, dass sich die Ersparnis in den kommenden 20 Jahren verdreifacht und in den weiteren 17 Jahren bis 2050 versechsfacht: auf dann über 100.000 Euro Ersparnis!

Drittens schließlich hat der Professor immer nur die teuerste Sanierungsvariante in seinen Berechnungen berücksichtigt – und verschwiegen, dass in die Häuser ohnehin Geld investiert werden muss, sollen sie nicht zusammenfallen in den kommenden Jahren. Die Studie stelle „die Kosten der energetischen Sanierung unrealistisch hoch dar“, urteilt die Deutsche Energie-Agentur (dena).

Fragt sich, wieso Universitätsprofessor Andreas Pfnür dann so rechnet!

Hier die Antwort: In Auftrag gegeben hat die Studie das Institut für Wärme und Oeltechnik. Dieses wiederum wird von den großen Mineralölunternehmen finanziert. Und weil diese auch in Zukunft den Mietern und Eigentümern das Geld aus den Taschen ziehen wollen, ist eine Panik-Studie gegen die energetische Gebäudesanierung sehr erwünscht.

Vielen Dank für den Hinweis an Jan W. aus Köln!