Archiv des Schlagwortes ‘Haushaltsgeräte’

Elna Nähmaschinen: Ganz ehrliche Grünfärberei

Mittwoch, den 17. März 2010

Seit dem Start dieses Blogs vor mehr als zwei Jahren war dieser Hinweis einer Leserin der schrägste: Sogar Nähmaschinen gibt es inzwischen mit grünem Anstrich! Die traditionsreiche Firma Elna nämlich vertreibt ein Produkt namens „Sew Green“, zu Deutsch: „Näh Grün“.

elna_1

Hat diese Maschine vielleicht einen besonders effizienten Elektromotor? Wurde das Gehäuse aus Recycling-Plaste gefertigt? Dient als kleine Leuchte über dem Nähfuß eventuell eine Energiesparlampe? Nein. Ist die Herstellerfirma auf Ökostrom umgestiegen? Fließt womöglich ein Euro vom Kaufpreis in den Schutz der tropischen Regenwälder? Weit gefehlt.

Die freundliche Dame am Elna-Servicetelefon sagt: „Das ist eine ganz normale Haushaltsnähmaschine im unteren Preissegment.“ Nein, mit Ökologie habe die Farbgebung nichts zu tun, „der Aspekt Umweltbewusstsein steckt da nicht drin“. Auch auf der Elna-Website werden lediglich Dinge angepriesen wie „das blendfreie Nählicht“, die praktische „Handrad-Schnellauslösung zum einfachen Aufspulen des Unterfadens“ und die vielen möglichen Stichvarianten („Neben dem Gerad- und Zick-Zackstich sind beispielsweise enthalten: Knopflochautomatik, Blind-Saumstich, Elastik-Zick-Zack, Overlockstich, Dreifach-Geradstich u.v.m.“). Und dann steht dort klar und deutlich, der einzige Unterschied zu anderen Nähmaschinen liege in der

elna_2

Wow, das ist doch endlich mal eine ehrliche Firma! Sie versucht nicht, ihre Kundinnen und Kunden mit windigen oder gar falschen Öko-Versprechen zu umgarnen. Nein, sie bekennt sich ganz offen dazu, eines ihrer Produkte lediglich grün anzumalen. All die großen Atom-, Öl-, Kohle- oder Autokonzerne, alle Industrielobbyisten und PR-Agenturen, alle Politikerinnen und Politiker, die sich so vorzüglich auf freches Greenwashing verstehen – sie alle sollten sich an dieser kleinen Schweizer Qualitäts-Firma ein Beispiel nehmen.

Danke an Annett L. für den Hinweis


Edeka: Etikettenschwindel mit Energieeffizienz

Montag, den 1. Februar 2010

„ÖKO“, prangte groß in einem Prospekt, den die Edeka-Tochter Marktkauf kürzlich in Hamburg verteilen ließ. „Sparsam im Verbrauch“ und „A – Energieeffizienz“. Toll, werden sich etliche Kunden gedacht haben, der Preis des Gefrierschranks stimmt auch, da greif ich zu.

edekakaufland_beko1Aber, halt! Insider wissen, dass die Energieeffizienzklasse „A“ bei Kühlgeräten nur Mittelmaß ist. Die von A bis G reichende Skala hatte ihren Sinn, als sie Mitte der neunziger Jahre EU-weit eingeführt wurde. Seitdem aber ist die Technik viel weiter, nur wenige Geräte fallen überhaupt noch in die Klasse B. Schlechtere gibt es praktisch nicht mehr auf dem Markt, 2003 wurden deshalb zusätzlich die Klassen A+ und A++ eingeführt. Der Verbrauch des beworbenen Gefrierschranks Beko FS 210 liegt mit 247 Kilowattstunden denn auch satte 50 Prozent über dem aktueller A++-Geräte. Das angebliche ÖKO“-Produkt ist also in Wahrheit ein Stromfresser und verursacht unnötige CO2-Emissionen.

Als „grünen Etikettenschwindel und irreführend“ bezeichnet deshalb Immo Terborg von der Verbraucherzentrale Hamburg die Werbung. Er hat Edeka/Marktkauf wegen des Prospekts abgemahnt, die Firma gab daraufhin eine Unterlassungserklärung ab. Eine grundsätzliche Lösung der verwirrenden Kennzeichnungspraxis aber ist das nicht. Dabei wäre sie ganz einfach: Die EU könnte die Label-Regeln so ändern, dass sich der jeweils pro Effizienzklasse erlaubte Verbrauch automatisch dem Fortschritt anpasst. Schlechte Geräte würden dann mit der Zeit in der Skala nach unten rutschen. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern solche „dynamischen Labels“ seit langem, können sich jedoch nicht durchsetzen. Auf der anderen Seite nämlich macht die Industrie Druck. Für sie sind die veralteten Klassen sehr bequem, denn mit ihr lassen sich selbst Stromverschwender noch mit dem positiv klingenden A-Siegel vermarkten. Eine gründliche Reform wurde Ende 2009 vereitelt, stattdessen wird es künftig noch komplizierter: Wer einen wirklich sparsamen Kühlschrank kaufen will, muss bald nach einem A mit drei Plus-Zeichen Ausschau halten.

Verständlich für Kunden ist dies nicht, und der Umwelt schadet die Unklarheit. Nur Hersteller und Händler ineffizienter Produkte können sich freuen – und natürlich die Energieversorger, die weiterhin schön viel Strom verkaufen können.


Sony: Stromsparen ist halt relativ

Freitag, den 11. Juli 2008

Der Elektronikkonzern Sony berichtete im Februar auf seiner Internetseite von einem mit dem WWF ausgerichteten „Climate-Savers-Gipfel“ in Japan. Sony und andere führende Unternehmen hätten dort die „Tokyo Declaration“ unterzeichnet, die unter anderem „die Förderung eines kohlenstoffarmen Lebensstils bei Konsumenten und unseren Kunden“ zum Ziel habe. Das klingt gut.

Kurz darauf brachte Sony eine Innovation auf den Markt, die den verschwenderischen Lebensstil auf ein neues Niveau hebt: Alle Fernsehgeräte der Serien Bravia W4000, E4000 und W4500 sind jetzt mit einem „Picture Frame Mode“ ausgestattet, der auf dem Monitor ein Standbild erscheinen lässt – „eines der sechs vorinstallierten Bilder von Pop Art bis Van Gogh oder das persönliche Lieblingsbild“, wie es in der Presseerklärung zur Markteinführung hieß. Die Idee ist tatsächlich, dass der Fernseher auch dann läuft, wenn man gar nicht fernsieht. Schließlich wirke ein dunkler Bildschirm ja „nicht sonderlich attraktiv.“

Im Rahmen der „Climate-Savers-Initiative“ hatte Sony eine „transparente und konsequente Kommunikation über seine Umweltschutz-Erfolge“ versprochen – und getreu diesem Motto verkauft der Konzern seinen Bilderrahmen-Modus nun als ökologischen Fortschritt: „Die Bravia der W4000-Serie verbrauchen im Picture Frame Mode bis zu zehn Prozent weniger Strom als im Fernsehbetrieb“, heißt es in der Presseerklärung, „und helfen somit, Energie zu sparen.“

Laut den Datenblättern verbrauchen allerdings zum Beispiel die W4000-Geräte im Normalbetrieb je nach Größe zwischen 120 und 225 Watt. Im Bilderrahmen-Modus liegt der Verbrauch demnach immer noch bei rund 100 beziehungsweise 200 Watt – das ist 1000-mal mehr als im Stand-By-Modus. Genauso gut könnte man mehrere herkömmliche Glühbirnen vor sich hin brennen lassen. Wie war das mit „Energie sparen“?

Die Idee des „digitalen Bilderrahmens“ ist übrigens nicht neu – kleine Modelle, die man sich zum Beispiel auf den Nachttisch stellt, sind schon länger zu haben. Das Magazin Focus hat ausgerechnet, dass diese Geräte pro Jahr bis zu hundert Kilowattstunden Strom verbrauchen und Energiekosten von etwa 15 Euro verursachen. Dabei brauchen sie durchschnittlich „nur“ zehn Watt – einen Bruchteil der Bravia-Fernseher. Wer sich auf jeden Fall über die Produkte freuen dürfte, hat Focus aus ausgerechnet: Den Energieversorger brächten die kleinen Bilderrahmen, wenn sich nur jeder vierte Deutsche einen solchen anschaffte, einen zusätzlichen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro.

Danke an Tanja M. für den Hinweis