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Frank Bsirske: An Demenz leiden

Dienstag, den 6. August 2019

„Fridays for Future“ ruft am 20. September den nächsten globalen Klimastreik aus: Weltweit sollen die Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Paris-Abkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung demonstrieren.

Jetzt ruft auch Verdi-Chef Frank Bsirske Menschen dazu auf, sich am

Der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Dienstagsausgabe) sagte Bsirske auf die Frage, ob eine Gewerkschaft denn zu einem Generalstreik aufrufen könne: „Wir rufen natürlich nicht zu einem ordentlichen Streik auf, das geht nicht. Es wird auch nicht jeder seine Arbeit unterbrechen können. Aber wer kann, sollte ausstempeln und mitmachen. Ich werde jedenfalls hingehen.“ Der Druck, den die Schüler und Studenten auf Unternehmen und Politik entwickelt haben, sei „gut und richtig, um Klimaschutz und Energiewende anzuschieben“.

Hallo?

Haben wir da was verpasst?

„Der Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Frank Bsirske forderte die politisch Verantwortlichen der Bundesrepublik auf, in Brüssel Investitionssicherheit für neue umweltfreundliche Kohlekraftwerke in Deutschland zu schaffen“, drängelte Verdi unter Bsirske 2006.

Als die EU 2007 die Trennung von Netzbetrieb und Produktion durchsetzte, rief Frank Bsirske seine Verdianer zur Großdemo nach Berlin: die Politik müsse

Also noch mehr, noch länger Braunkohle.

Als Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) 2015 die ältesten Kohlekraftwerke Deutschlands abschalten wollte, polterte Bsirske gegen den Klimaschutz:

Wieder setzte sich Bsirske mit seiner klimaschädlichen Politik durch.

2016 machten Bsirskes Verdianer mit solchem Protest Stimmung gegen die Energiewende:

Diejenigen Verdianer, die tatsächlich den Klimaschutz voranbringen wollten, wurden blockiert. Und als 2018 die Kohlekommission endlich doch über das Ende der Kohle in Deutschland zu debattieren begann, rief Verdi zur Gegendemonstration auf.

Liebe Aktivisten von „Fridays for Future“: Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Frank Bsirske, stellvertretender Aufsichtsrats-Chef des größten Klimasünders Europas – RWE – plötzlich Klimaschützer geworden wäre. Wenn er zum Beispiel in seinem Unternehmen durchsetzen würde, dass Klimafrevler wie das Kraftwerk Weisweiler (Baujahr 1955) oder das Kraftwerk Frimmersdorf (Projektbeginn 1952) ENDLICH vom Netz gehen.

Natürlich billigen auch wir vom Klima-Lügendetektor Menschen die Einsicht auf dem Irrweg zu und begrüßen ihre Läuterung. Das allerdings setzt das Eingeständnis der Schuld voraus. Von Frank Bsirske ist davon nichts zu hören. Wenn er jetzt zu mehr Klimaschutz aufruft, will er offenbar die Fehler seiner Vergangenheit reinwaschen.

Das solltet ihr ihm nicht durchgehen lassen! Wie heißt es so schön: Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche.


Ver.di: Sich mit dem Kapital gemein machen

Samstag, den 20. Oktober 2018

Sie kennen das Lied „Wann wir schreiten Seit’ an Seit’“?

Vertont hat es 1914 der Hamburger Gewerkschafter Michael Englert, es war auch viele Jahre lang eine Hymne der Gewerkschaften, mit dem herrlichen Schlusschor „Mit uns zieht die neue Zeit, mit uns zieht die neue Zeit!“

Das war zu Zeiten, als sich die Gewerkschaften für das Gemeinwohl eingesetzt und sich mit den Industriebossen angelegt haben. Heute ist das leider nicht mehr so. Heute machen die Gewerkschaften, was die Industriebosse ihnen sagen.

Zum Beispiel die Bosse von RWE. Die haben nämlich zu einer Demo aufgerufen:

Die RWE-Bosse haben den Demoaufruf sogar richtig mit Unterschrift gezeichnet:

Am 24. Oktober sollen die Kohlekumpel für die Zukunft der Braunkohle in Bergheim demonstrieren. Rot am RWE-Demoaufruf angemerkt ist von der Redaktion, dass RWE auch gleich die Argumente für die Braunkohle mitliefert. Die übrigens großer Quatsch sind, hier eine Kostprobe:

„Unsere flexiblen konventionellen Kraftwerke“ – RWE meint damit solch alte Blöcke wie das Kohlekraftwerk Weisweiler, seit 1955 in Betrieb und in etwa so flexibel wie eine Eisenbahnschiene.

Aber dass ein Konzern sein längst abgeschriebenes und damit billiges Kraftwerk auf Kosten der Allgemeinheit weiterlaufen lässt, nun, das ist zwar schändlich, aber im Kapitalismus verständlich.

Aber zum Glück gibt es eben die Gewerkschaften. Als ein Korrektiv, das die Privatinteressen anprangert und das Gemeinwohl artikuliert.

Ähhhh …

Stopp!

Es gibt leider keine Gewerkschaft, die sich – wie ver.di-Chef Frank Bsirske es nennt -„dem entfesselten Kapitalismus“ entgegenstellt. Stattdessen veröffentlicht ver.di das hier:

Am 24. Oktober kommt die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ nach Bergheim, jene Kommission, die sich Gedanken darüber macht, wie die Kohlekumpel gut und zufrieden in Zukunft leben können.

Jene Kommission übrigens, in der gleich drei Gewerkschafter vertreten sind, um die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Aber was macht ver.di?

Liebe Gewerkschafter: ES REICHT!

Seit Jahrzehnten wollt ihr uns erklären, dass es kein Problem beim Klimaschutz gibt, dass die Jobs der Kohlekumpel sicher sind und zukunftsfähig (mehr dazu HIER oder HIER oder HIER oder HIER). Damit seid ihr es, die die Kohlekumpel betrügen und im Regen stehen lassen.

Hört auf, euch mit dem Kapital gemein zu machen, liebe Gewerkschafter, findet endlich zurück zu dem, wofür ihr gesellschaftlich gebraucht werdet! Für den Fortschritt, damit die neue Zeit auch wieder mit euch zieht!

Vielen Dank an Peter S. aus Dortmund für den Hinweis