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Gaswirtschaft: Die falsche Lösung liefern

Freitag, den 6. April 2018

Die Gaswirtschaft hat in der vergangenen Woche folgende Annonce geschaltet:

„Jedes Gramm zählt“, heißt es im Kleingedruckten. Gemeint sind die Treibhausgase, die jeder Deutsche produziert: im Durchschnitt sind es derzeit 11,4 Tonnen pro Jahr.

Eine Tonne sind eine Million Gramm! Man könnte also meinen, dass ein paar Gramm nun nicht so sehr ins Gewicht fallen sollten.

Aber nein! Die Erdgaswirtschaft führt uns vor Augen, wie dramatisch die Situation ist. Parallel zur Anzeige liefert sie nämlich gleich noch die Fakten mit: Würde man den Paris-Vertrag ernst nehmen, stünden den Einwohnern der Bundesrepublik pro Jahr rechnerisch insgesamt 217 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung. Timm Kehler, Cheflobbyist der Erdgasbranche: „Dieses CO2-Budget haben wir leider schon Ende März aufgebraucht.“

Das sorgte kurz vor Ostern für einige Schlagzeilen. Der Deutschlandfunk vermeldete exemplarisch:

Und weil das wirklich richtig ernst gemeint ist, gucken wir nochmal ins Kleingedruckte.

Um das Problem mit dem aufgebrauchten CO2-Budget zu bannen,

So weit, so einleuchtend!

CO2-Budget aufgebraucht, zack: Lösung her für Straßen, Häuser, Energieversorgung ohne CO2!

Und wie sieht sie nun aus, die Lösung?

Äh, wie jetzt?

Gastechnologien sind doch nicht CO2-frei!

Es stimmt zwar, dass Erdgas der sauberste unter allen fossilen Energieträgern ist – aber trotzdem bleibt das hauptsächlich aus Methan bestehende Gasgemisch ein fossiler Energieträger. Wird in einem modernen und effizienten Erdgas-GuD-Kraftwerk eine Kilowattstunde Strom erzeugt, entstehen 428 Gramm Kohlendioxid. Zwar ist das nur etwa ein Drittel dessen, was bei der Verstromung von Braunkohle freigesetzt wird, weshalb Gaskraftwerke für die Übergangszeit auch Braunkohlekraftwerken vorzuziehen sind. Aber 428 Gramm sind fast das Zwanzigfache der Emissionen, die Windkraftanlagen pro Kilowattstunde erzeugten Stroms verursachen. Viel zu viel also, um wirklich zukunftsfähig zu sein.

Nicht eingegangen in diese Berechnung sind übrigens die Emissionen, die bei der Erdgas-Förderung entstehen oder aus Leckagen an Pipelines stammen. Methan nämlich ist ein Klimagas, das in seiner Wirkung 25-mal so stark wie Kohlendioxid zur Erderwärmung beiträgt. Erst vor wenigen Wochen belegte eine NASA-Studie, dass Methan aus der Erdgasförderung dafür sorgt, dass die Methan-Konzentration in der Atmosphäre seit rund zehn Jahren wieder drastisch steigt.

Für die Klimabilanz ist übrigensübrigens Erdgas nicht gleich Erdgas. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob der fossile Rohstoff aus Norwegen kommt oder beispielsweise aus Russland – bei russischem Erdgas sind die vorgelagerten Methanemissionen vier- bis fünfmal höher (siehe Tabelle 16 auf Seite 333 beziehungsweise hier Tabelle 80 auf Seite 146).

Allenfalls Bio-Erdgas kann eine Lösung zum Problem sein, also Erdgas, das aus der Vergärung von organischen Substanzen entsteht. Aber erstens ist die Umweltbilanz dieser Lösung umstritten, zweitens steht es schlecht um die Biogas-Branche und drittens meint die Erdgaswirtschaft in ihrer Anzeige gar nicht diese Lösung.

Mag ja sein, dass Erdgas-Technologien ein bisschen weniger klimaschädlich sind als all die anderen fossilen Energiegewinnungsmethoden. Für die Zukunft aber sind sie die falschen Lösungen!

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Gabriel: Der falsche Strich

Montag, den 14. Juli 2014

Am Wochenende gab es in großen deutschen Tageszeitungen folgende Anzeige:

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Geschaltet hat diese Werbung das Bundeswirtschaftsministerium, das sich im Kleingedruckten rechts unten lobt: “Wir haben die Weichen dafür gestellt, die Energiewende in Zukunft planbar und bezahlbar zu gestalten. So setzen wir den Ausbau erneuerbarer Energien solide und sicher fort und bremsen den Kostenanstieg.“

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Es geht um das von Minister Gabriel geänderte Erneuerbare-Energien-Gesetz; die Energiewende hat nun also einen Plan. Oder ist es ein Korsett? Nicht nur bei der Sonnenkraft gibt es jetzt einen Deckel, sondern auch bei der Windkraft. Wenn mehr als 2.400 bis 2.600 Megawatt Windkraftleistung pro Jahr neu aufgebaut wird, sinkt die Vergütung für jedes darüber hinaus installierte Kilowatt stark ab – und damit auch der Anreiz für Investoren, neue Anlagen zu bauen.

Wie das wirkt, kann man derzeit gut bei der Solarkraft studieren. Die Investoren sind derart verunsichert, dass in diesem Jahr insgesamt so viele neue Solarkraftwerke ans Netz gingen wie durchschnittlich in sechs Wochen des Jahres 2012. Die Regierung war mit ihrem „atmenden Deckel“ davon ausgegangen, dass dank ihrer Politik jährlich zwischen 2.500 und 3.000 Megawatt Sonnenkraft neu ans Netz gehen. Der Bundesverband Solarwirtschaft hat errechnet, dass dies 2014 nicht mehr zu schaffen ist. Wird das der Windkraftbranche, die wesentlich längere Planungs- und Aufbauzeiten in Kauf nehmen muss, nun genauso gehen?

„Den Ausbau erneuerbarer Energien solide und sicher fortzusetzen“ – wie es in der Anzeige heißt – bedeutet einen Zusammenbruch für die Biogas-Branche. Für sie hat das Bundeswirtschaftsministerium einen Deckel von gerade einmal 100 Megawatt Zubau pro Jahr vorgesehen. Die Branche selbst hatte das Dreifache gefordert. Um der „Vermaisung“ der Landschaft entgegenzuwirken, werden ab sofort neue Biogasanlagen auch nur gefördert, wenn sie vorwiegend mit Abfall- und Reststoffen gefüttert werden. Das zu planen (und mit anderen Investoren abzustimmen) dürfte ziemlich schwierig werden.

Die Anzeige behauptet, durch das neue EEG werde die Energiewende

ee1Ins Gesetz geschrieben hatte das Wirtschaftsministerium eine Belastung für Eigenstromnutzer. Wer beispielsweise den Strom aus einer Solaranlage vom Dach selbst zum Kochen oder Waschen nutzen will, muss künftig 30 Prozent der EEG-Umlage zahlen, bis 2017 steigt der Anteil auf 40 Prozent. Ausgenommen sind nur Anlagen bis zehn Kilowatt Nennleistung, also die typischen Solaranlagen auf Eigenheimen. Für alle anderen – Supermärkte beispielsweise oder kleine Firmen, die sich eine Anlage zur Selbstnutzung aufs Dach setzen wollten – wird die Eigenstromnutzung wirtschaftlich nicht mehr attraktiv. Man könnte auch sagen: Unbezahlbar.

Zudem ist das neue Gesetz ein wahres Bürokratiemonster. Denn künftig will die Bundesregierung die Höhe der Vergütung über Ausschreibungen ermitteln. Im kommenden Jahr will sie hierfür eine Pilot-Ausschreibung für Freiflächen-Solaranlagen durchführen. Die soll die Erfahrungsgrundlage für die Ausschreibungen ab 2017 liefern, an der sich alle großen Anlagen beteiligen müssen. Für Investoren bedeutet das: der Planungsaufwand steigt. Das ist ineffizient.

Genau heute, einen Tag nach der Anzeige, veröffentlichte das Bundeswirtschaftsministerium eine Studie zum Erfolg der Energiewende in Deutschland. Untersucht wurde, was bei der Energiewende mit den derzeitigen Instrumenten der Politik erreichbar ist. Wörtlich heißt es: „Gegenüber dem Kyoto-Basisjahr [1990] liegen die Emissionen 2020 um 36 Prozent und 2050 um gut 65 Prozent niedriger. Damit werden die im Energiekonzept der Bundesregierung formulierten Ziele (Absenkung bis 2020 um 40 Prozent, bis 2050 um mindestens 80 Prozent) nicht erreicht.“

Richtig wäre die Anzeige aus dem Hause Gabriel also so:

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