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Altana: Den Klimaschutz (geschickt) verpacken

Donnerstag, den 24. Mai 2018

Die Altana AG ist ein Chemiekonzern mit Sitz im ziemlich beschaulichen Wesel, gelegen am unteren Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. Der Konzern hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und macht gut zwei Milliarden Euro Jahresumsatz. Die Altana AG stellt unter anderem Farben, Lacke und Pigmente her.

Offenbar ist die Firma der Meinung, man kenne sie zu wenig. Jedenfalls erschien im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung diese viertelseitige Annonce:

Wow! „Lackentwickler“ UND „Klimaschützer“!!

Das Motiv ist Teil einer drei Jahre alten Imagekampagne, in der Altana sich und seine Angestellten zum Beispiel als „Optimierer“ UND „Querdenker“ präsentierte. Oder auch als „Forscher“ UND „Verpackungskünstler“. Als „Global Player“ UND „Familienunternehmer“.

Jetzt also ist der Lackentwickler Altana „Klimaschützer“. Die Argumentation dafür, warum die Firma sich den hübschen Titel anheftet, lautet:

Kurzgefasst: Wir stellen Dinge her, die unseren Kunden beim Energie- und Ressourcensparen helfen.

Dumm nur, dass es den Rebound-Effekt gibt: Weil Endkunden (also Leute wie Sie und wir) diese tollen „immer kleineren und leistungsfähigeren Geräte“ in vielen Fällen schlicht immer mehr und immer öfter nutzen, wird der Einspareffekt von Energie und Material durch die Praxis häufig wieder aufgefressen – was dem Klima wenig oder gar nichts nützt.

Dumm auch, das Altana aktenkundig geworden ist beim Kampf gegen die Energiewende, also im Kampf gegen den praktizierten Klimaschutz bei der Stromversorgung. Vor viereinhalb Jahren nämlich gehörte der Milliarden-Konzern zu den Unterzeichnern eines „Memorandums des Chemie-Mittelstandes“. Unter dem Logo des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) wurde da in apokalyptischen Tönen gegen die Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG-Umlage) agitiert:

Besonders schräg an diesem „Memorandum“ ist, dass die Chemieindustrie als energieintensive Branche von der EEG-Umlage weitgehend befreit ist. Das Papier vom September 2013 gipfelte in der Forderung:

Dumm auch, dass unter dem Druck dieser und anderer Lobbyaktivitäten die Große Koalition in der vergangenen Legislaturperiode die EEG-Förderung so zurückgestutzt hat, dass der Ausbau der Photovoltaik drastisch eingebrochen ist und zum Beispiel das regierungsamtliche Ziel von jährlich 2.500 Megawatt Neuanlagen schon seit Jahren nicht einmal mehr annähernd erreicht wird. Was letztlich dazu beitrug, dass die deutschen Klimaziele so krass verfehlt werden.

Deshalb: Auf uns wirkt Altana weniger wie ein echter Klimaschützer, sondern eher wie ein geschickter (Selbst-)Verpackungskünstler.

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