Monatsarchiv für April 2021

BaWü: Das AKW jetzt abschalten

Dienstag, den 27. April 2021

Der 35. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. In Baden-Württemberg lud die Landesregierung aus diesem Anlass zu folgender Veranstaltung:

Über diese Veranstaltung berichtete der Saarländische Rundfunk:

Grundlage dieser Einschätzung ist eine Studie der International Nuclear Risk Assessment Group, die zu dem Schluss kommt, dass Qualität und Zuverlässigkeit der Bauteile in allen technischen Systemen eines Atomkraftwerkes mit zunehmender Betriebszeit abnehmen.

In einer früheren Stellungnahme hatte schon die bündnisgrüne Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl erklärt: „Die meisten Atomkraftwerke in der Welt, vor allem im Osten Europas, sind für eine Laufzeit von 30 Jahren ausgelegt. Nach dieser Zeit häufen sich die Störfälle, das Material wird spröde und die Anzahl von schwereren Störfällen steigt erheblich. Das heißt: Die Risiken erhöhen sich.“

Deutschland ist regelrecht „umzingelt“ von Altreaktoren, der Saarländische Rundfunk warnt vor dem AKW in Cattenom im französischen Grenzgebiet, in Betrieb seit 1986. Der Kölner Stadt-Anzeiger sorgt sich um die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 in Belgien, ersterer seit 1983 in Betrieb, letzterer seit 1975.

Aber sagt mal, liebe Grüne: Neckarwestheim, dieses Atomkraftwerk am Neckar, liegt das nicht in Baden-Württemberg? War am 15. April nicht gerade der 32. Jahrestag des kommerziellen Starts von Reaktorblock 2? Aber die meisten Atomkraftwerke sind doch nur für eine Laufzeit von 30 Jahren ausgelegt, danach häufen sich die Störfälle, das Material wird spröde und die Gefahr eines GAU – steigt die nicht erheblich?!

Wer ist gleich nochmal zuständig in Baden-Württemberg? Ach, das seid ja ihr Bündnisgrünen! Danke für die Veranstaltung zum Tschernobyl-Jahrestag! Sicherlich wird euer neuer Umweltminister in einer seiner ersten Amtshandlungen als oberste Aufsichtsbehörde das abgelaufene Atomkraftwerk Neckarwestheim deshalb abschalten.

Vielen Dank an Matthias W. aus Hamburg für den Hinweis!


Eon: Heucheln „on the rocks“

Mittwoch, den 14. April 2021

Manche Konzerne sind derart dreist, dass es einem glatt die Sprache verschlägt.

Zum Beispiel Eon. Auf Facebook flötet Europas ehemals größter Fossilkonzern:

Irgendwer in der PR-Abteilung des Essener Energie-Riesen hat sich wohl gedacht, der Kommunist Juri Gagarin eignet sich heute prima für die gute Botschaft. Vor 60 Jahren, am 12. April 1961, war nämlich der sowjetische Kosmonaut als erster Mensch ins Weltall gestartet – und aus diesem dann sogar wohlbehalten auf die Erde zurückgekehrt. „Ich sehe die Erde! Sie ist so wunderschön!“, soll er gesagt haben. Aber damals gab es ja Eon noch nicht.

Im Eon-Facebook-Post heißt es jetzt: „Wir finden, er hat recht, und wir sollten diese Schönheit bewahren. Mit „wir“ meint der Konzern auch sich selbst.

Aber sagt mal, Eon, seid ihr das nicht, die ihr mit euren fünf Atomkraftwerken in Deutschland jeden Tag so viel atomaren Strahlenmüll produziert, dass die Schönheit des Planeten auch in mindestens einer Million Jahren noch verstrahlt sein wird?

Wart ihr das nicht, die es sich trotz Klimawandel trauten, noch 2020 in Deutschland ein neues Kohlekraftwerk ans Netz zu schalten? Vor nicht mal einem Jahr ging Datteln in Betrieb, um betriebswirtschaftlich wenigstens 40 Jahre lang „die Schönheit“ mit Treibhausgasen vollzupumpen (oder vorher uns Verbrauchern eine fette Abfindung abzupressen).

Hattet ihr nicht 2008 die Entwicklung von Gezeitenkraftwerken versprochen, weil es doch darum geht, gegen die Klimaerhitzung vorzugehen und die „Schönheit“ (Gagarin) zu bewahren? Ach, die gibt es gar nicht, die Eon-Gezeitenkraftwerke?

Ist es nicht das Erdgasfeld Juschno-Russkoje, das ihr jahrelang in Nordsibirien ausgebeutet habt? Um Methan aus der Erde zu holen und daraus Treibhausgase zu machen?

Und überhaupt: Hattet ihr nicht über Jahrzehnte weltweit jede Menge Kohlekraftwerke am Netz?

Wenn Eon Juri Gagarin zitiert, ist das wie „Heucheln on the rocks“: Erst jahrzehntelang die Atmosphäre mit Treibhausgasen zuballern, die politische Debatte mit bezahltem Lobbyismus verpesten, den folgenden Generationen hunderttausende Jahre lang strahlenden Atommüll aufbürden – und darüber dann den säuselnden Sermon der Täuschung und Vertuschung gießen.

P.S.: Die Arbeit des Klima-Lügendetektors ist seit vielen Jahren leserfinanziert. Noch aber fehlen uns einige Euros, um die Recherche auch im ersten Halbjahr 2021 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER