Monatsarchiv für Mai 2020

Kohlelobby: Ziemlich alt aussehen

Sonntag, den 24. Mai 2020

Was es nicht alles gibt in der verrückten Welt der Lobbyisten! Das Neueste ist die

„Kraftwerke, Erzeugungsstätten für Energie“, heißt es in Meyers Lexikon, Band 7, von 1927. Die Technologie ist also hornalt!

„Allianz Junger Steinkohlekraftwerke“ – das ist genauso schräge Wortakrobatik wie ein „Berufsverband Moderner Rohrpostboten“ oder die „Vereinigung Zukunftsfähiger Kassettenrecoder-Hersteller“.

Um aber sachlich zu bleiben: Was will denn die „Allianz Junger Steinkohlekraftwerke“? Geld von den Steuerzahlern:

Neue Kohlekraftwerke laufen in der Regel mindestens 30 Jahre, bis die Investitionen refinanziert sind. In der „Allianz Junger Steinkohlekraftwerke“ haben sich jene Kraftwerksbetreiber zusammengeschlossen, die wussten, dass ihre neuen Kohleblöcke niemals 30 Jahre laufen werden:

EnBW nahm beispielsweise 2014 Block 8 des Steinkohlekraftwerks Karlsruhe in Betrieb, die Baukosten betrugen rund 1,3 Milliarden Euro. 2015 ging Block 9 mit einer Bruttoleistung von 911 Megawatt in Mannheim ans Netz, auch dieser kostete 1,3 Milliarden Euro.

Der 1.100 Megawatt leistungsstarke Steinkohleblock 4 in Datteln ging sogar erst in diesem Jahr ans Netz, obwohl da längst feststand, dass Deutschland bis spätestens 2038 aus der Kohleverstromung aussteigt, sich die Investition von 1,2 Milliarden Euro niemals refinanzieren lassen wird.

Deshalb wollen jene Konzerne, die diese Fehlinvestition zu verantworten haben, jetzt Geld von uns Steuerzahlern. Und weil sie wussten, dass ihre alte Technologie maßgeblich die Klimaerhitzung vorantreibt, haben sie die „Allianz Junger Steinkohlekraftwerke“ gegründet. Mit der letzten, verzweifelten Hoffnung, dass wir darauf reinfallen!

Vielen Dank an Ralf B. für den Hinweis!