- DER KLIMA-LÜGENDETEKTOR - https://klima-luegendetektor.de -

RWE: Die Welt innogyren

Vielleicht gehören Sie ja auch zu den jenen, die derzeit folgende Werbe-Kampagne miterleben dürfen:

[1]

Es geht um RWE, [2] diesen fehlgeleiteten und krisengebeutelten Kohlekonzern, der ja zuletzt die Reißleine gezogen hatte und sich aufspaltete – in einen vermeintlich guten Konzern und den bösen Rest [3]. Seit 7. Oktober 2016 ist „innogy [4]“ an der Börse notiert: Die gute Tochter ist zuständig für Netze, Übertragungsstationen, Vertrieb und – nun ja, wenn auch derzeit noch in sehr zartem Umfang – auch für die erneuerbaren Energien.

Zuletzt stieg innogy in den MDAX auf, [5] 76,8 Prozent der Anteile gehören aber weiterhin der bösen Mutter RWE, dem Kohlekonzern, der jetzt noch kohlelastiger geworden [6] ist, weil ja die Offshore-Windparks und das Biomasseheizkraftwerk Wittgenstein [7] mit seinen 5 Megawatt Leistung hinübergewandert sind zu innogy.

Aber seien wir nicht so negativ, gucken wir erstmal, was innogy uns so zu bieten hat!

[8]

Nee, Leute, da kommt ihr zu spät! Solaranlagen war damals Geldanlage, als RWE noch voRWEg ging [9] und die Erneuerbaren bekämpfte, wo es nur ging.  Wie lästerte doch gleich der damalige Chef von RWE – vor fast genau fünf Jahren? [10] Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll „wie Ananas züchten in Alaska“! Und jetzt wollt ihr daraus eine Geldanlage für uns machen??

Damals sah das Erneuerbare-Energien-Gesetz für kleine Dachanlagen eine Einspeisevergütung von 24,4 Cent [11] je Kilowattstunde vor. Wer konnte, nutzte das – auch – als Geldanlage. In keinem Jahr der bundesdeutschen Geschichte wurde mehr in die Solarkraft investiert als 2012 [12]: Damals gingen Anlagen mit 7.600 Megawatt installierter Leistung neu ans Netz, zumeist kommunale oder Bürgeranlagen.

Zum Vergleich: Seit Januar 2017 gibt es 12,7 Cent je Kilowattstunde [13] – gerade mal die Hälfte. Zu wenig, um als „Geldanlage“ für den „kleinen Mann“ zu taugen: So was gilt allenfalls noch für Großinvestoren, seitdem Solaranlagen per Ausschreibemodell [14] finanziert werden müssen – übrigens auch auf Betreiben [15] der neuen innogy-Vorständin Hildegard Müller [16], die bislang Staatsministerin im Kanzleramt und Cheflobbyistin war.

Zwar liegen die offiziellen Ausbau-Zahlen für 2016 noch nicht vor. Nach unseren internen Auswertungen dürften im vergangenen Jahr aber nicht einmal mehr 1.000 Megawatt Photovoltaik neu ans Netz gekommen sein – der schlechteste Wert seit 2008.

Also, liebe Leute: bittebitte KEINE Solaranlage mehr zur Geldanlage machen. Wer so was behauptet, kappt euch eure Rente.

Gibt es vielleicht noch etwas anderes, dass uns innogy in seiner Werbung bietet?

[17]

Ab wann das gilt? Bei dieser Frage wurde Günter Schabowski [18] einst nervös. „Nach meiner Kenntnis ist das, also, gilt das sofort“, sagte der Sekretär [19] für Informationswesen der DDR am 9. November 1989. Wie wir heute wissen, brachte diese kleine Unkoordiniertheit den ganzen schönen DDR-Kramladen zu Fall, die Leute trampelten die Mauer einfach nieder, weil „ab sofort“ jetzt „visafrei bis nach Hawaii“ galt.

Also, RWE: Nachhaltig wird jetzt normal? Ab wann gilt das? RWE sollte schleunigst den Wachschutz seiner Braunkohletagebaue verstärken! Könnte ja sein, dass die Klimaschützer die innogy-Kampagne wörtlich nehmen [20]!! Werden die massenhaften Verfahren gegen die Tagebau-Besetzer [20] jetzt eingestellt? Zahlt RWE jetzt seine Klimaschuld in Peru [21] ab? Fragen über Fragen!

Zum Beipiel diese: Gibt es in der innogy-Kampagne wenigstens ein Motiv, das nicht glatt gelogen ist?

[22]

Vorsicht! Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen warnt dringend vor diesem Angebot [23]! Es ist nämlich deutlich teurer als das von echten Öko-Stromanbietern [24]! Und eine Mogelpackung.

Genauso wie die ganze innogy-Werbung, die derzeit in der Stadt rumhängt.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert [25]. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2017 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER. [26]