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RWE: Um Fangesänge buhlen

Cicerodas „Magazin für politische Kultur“ [1] – verkauft sich jeden Monat knapp 84.000 Mal. „Die große Illusion“ heißt die Titelstory [2] im Septemberheft, auf Seite 13 findet sich folgende Anzeige:

rwe-werbung [3]

Strom aus Fangesängen?

Oje! Stellen Sie sich bloß mal vor, die DY-NA-MOOOO-Fans [4] aus Dresden bringen Ihre Nachttischlampe zum Erleuchten (Gute Nacht dann auch!). Die Ewigloser aus Stuttgart liefern den Computerstrom, mit dem Sie Ihre Bewerbung schreiben wollen (Viel Erfolg!). Oder stellen Sie sich die randalierenden Kölner Fans vor [5], die Ihnen Ihren Feierabendstrom liefern (Viel Entspannung!).

Strom aus Fangesängen – wer will das schon?

Aber im Kleingedruckten der Anzeige heißt es ja ohnehin, dass das heute kaum vorstellbar ist. Also eine „große Illusion“:

rwe-klein [6]Geschaltet hat diese Anzeige die RWE-Stiftung [7], die mit 60 Millionen Euro Stiftungskapital [8] ausgestattet ist. Stiftungszweck ist die „Förderung der Umwelt und des Naturschutzes durch Transformation der europäischen Energiesysteme“, was ziemlich schwulstig klingt, in unseren freien Übersetzung aber so viel bedeuten könnte wie: „Weg von der Kohle ist gut für Natur und Mensch.“

Die Stiftung hat in diesem Jahr schon sieben Mal eine Pressemeldung [9] verschickt. Im Januar zum Beispiel [10], als der Performer Stefano Cagol [11] versuchte, Energie ein Gesicht zu geben. Im April etwa [12], als die Stiftung „kostenlosen Kunststrom für eine Nacht“ zur Verfügung stellte. Oder im Juni [13], als Stipendien für Künstler vergeben wurden, „die sich mit dem Thema Energie beschäftigen“.

Wir wissen natürlich nicht, ob die Fußball-Fan-Strom-Idee aus der Feder eines jener Künstler stammt, die von RWE jetzt bezahlt werden. Aber „gemeinsam mit unseren Partnern“ „Plattform für den Dialog und neue Lösungen“ zu sein, das finden wir natürlich extrem löblich und besonders gut.

Hier deshalb unsere Vorschläge:

1. Wo sich die Energiewelt doch so rasant ändert: Holzweiler, Beverath, Unterwestrich und Kuckum werden also doch nicht abgebaggert [14], stattdessen läuft der Braunkohletagebau Garzweiler [15] in zehn Jahren aus? Das ist zwar nicht „rasant“, wie von der RWE-Stiftung postuliert, aber natürlich braucht – Zitat Stiftung – „unsere Gesellschaft“ im Rheinischen Braunkohlerevier [16] „Bildung, Innovation und Akzeptanz“, um den Strukturwandel zu meistern.

2. A propos „Innovation und Akzeptanz“: Das Kohlekraftwerk Eemshaven [17] an der niederländischen Nordsee, gegen das so viele Anwohner und Umweltschützer wegen Akzeptanz-Problemen geklagt [18] hatten und das RWE nun trotzdem ans Netz nimmt [19] – das ist jetzt wirklich das letzte seiner Dinosaurier-Technologie-Art? Die Energiewelt – Zitat – ändert sich schließlich!

3. Die „Herausforderung von heute“ als – wir dürfen noch einmal zitieren – „die Chance von morgen“: Sie halten sich diesmal auch ganz ehrlich und versprochen und endgültig und jetzt wirklich an den Ausstieg aus der Atomenergie, weil die in Deutschland einfach keiner mehr haben will? Sie schießen nicht schon wieder quer [20], wie beim Dauerfeuer nach dem Atomkonsens des Jahres 2000?

4. Und wir können – liebe Partner – auch gaaanz sicher sein, dass ihr so gut wirtschaftet, damit es diesmal nicht zur „alten Lösung“ kommt: Die Atomprofite sacken „wir von RWE“ ein, auf den Rückbaukosten der Reaktoren bleibt die Allgemeinheit sitzen [21]?

Falls Ihr uns nicht enttäuscht, sind Fangesänge garantiert. Und die liefern bestimmt sauberehrlicheren Strom als die Fangesänge aus den Fußballstadien.

Aber wetten? Das ist bloß eine – diesmal stammt das Zitat nicht von der RWE-Stiftung, sondern von Cicero – „eine große Illusion“.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert [22]. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER [23]