Eon: Der Zukunft hinterherhinken

Neuester Schrei in der Konzernkommunikation sind die sozialen Medien. Wobei etliches, was auf Facebook publiziert wird, oder manch „Scheißsturm“ bei Twitter eigentlich die Bezeichnung „asozial“ verdient hätte. Aber sei es drum, die Konzernkommunikation von Eon fand es eine gute Idee, mit folgendem „empfohlenen Beitrag“ – wie Werbung bei Facebook heißt – auf Sendung zu gehen:

eonface

Wie kommt man bei Windstille zu Strom? Komische Frage – ausgerechnet von Eon. Na, aus Atomkraftwerken von Eon zum Beispiel. Oder aus den Eon-Kohlekraftwerken.

Beide sind bekanntlich weder “intelligente Lösungen“ noch die „Energiezukunft“, wie es im Anreißer der Werbung heißt: Statt nach der intensiv zu suchen, hatte der größte Energiekonzern Europas jahrelang lieber all seine Energie in die Lobby-Arbeit für die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke gesteckt oder ins Anschalten illegal gebauter Kohle-Blöcke.

Aber seien wir nicht so voreingenommen und gönnen Eon den Klick. Denn darum geht es in der Internet-Werbewirtschaft, um Klicks: Was empfehlen uns denn die Werbeexperten des Fossilkonzerns auf die Frage, was passiert, wenn der Wind nicht weht?

Nichts Geringeres als die Zukunft:

eon

Abgebildet ist die Nordsee-Insel Pellworm. Weil es hier weder Kohle- noch Atomkraftwerke gibt, wurden 1983 auf dem 37 Quadratkilometer großen Eiland 17.568 Solarmodule vom Typ AEG PQ 10-20 an Netz gebracht und ein – heute museal anmutendes – Windrad Enercon-E-33 aufgebaut. Zukunfsfreundliche Stromversorgung, die gibt es für die 1.200 Pellwormer schon länger, als es Eon gibt – seit über 30 Jahren.

Aber natürlich ist auch auf der Insel der Stromverbrauch gestiegen. Und dann kommen immer mehr Touristen. Zwar gibt es für den Fall, dass es Nacht ist und der Wind nicht bläst, ein Untersee-Kabel zum stromversorgenden Festland. Seit 2013 aber gibt es das Projekt „Smart Region Pellworm“Die Schleswig-Holstein Netz AG erprobt hier gemeinsam mit der Fachhochschule Westküste, dem Fraunhofer-Institut, der Saft Group und der Aachener Universität RWTH, wie sich Strom speichern lässt. Die Pellwormer sollen im Kleinen testen, was irgendwann für alle Wirklichkeit werden soll: Ohne Atom- und Kohlestrom auszukommen, regenerativ und dezentral. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium, Eon stellt die Batterien.

So weit die Fakten. Im zur Kampagne gehörenden Eon-Werbespot brüstet sich Eon dafür: „Schon heute können wir ein ganzes Gebiet zuverlässig mit Erneuerbarer Energie versorgen“.

Schon heute?

Liebe Werbe-Leute von Eon: Kann ja sein, das euer Konzern damals beim Installieren der Pellwormer Autark-Systeme nicht dabei war. Eon hat die Zukunft glatt verschlafen. Die Zukunft der Erneuerbaren hat nämlich schon vor Jahren begonnen!

Vielen Dank für den Hinweis an Kathrin K. aus Erlangen!