Gazprom: Der größte Schurke

Wir hatten unserer verehrten Leserschaft die Public Eye Awards ans Herz gelegt: Mit dem wohl bekanntesten Internationalen Schmähpreis werden Unternehmen „ausgezeichnet“, die sich im Laufe des vergangenen Jahres die schlimmsten Verstöße gegen Umweltgesetze und Menschenrechte geleistet haben. Es sind zwei Preise: Einen bestimmt eine Jury aus Wirtschaftsethikern, Menschenrechts- und Umweltexperten, den anderen, den Publikumspreis, bestimmt die Öffentlichkeit, also Sie!

Nun ist die „Hall of Shame“ mit neuen Namen bestückt: Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, das am Mittwoch begonnen hat, wurden die US-Textilkette Gap mit dem Jury-Preis und der russische Gaskonzern Gazprom mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Wie die Organisatoren der mittlerweile zehnten Preisverleihung am heutigen Donnerstag mitteilten, habe Gap den Preis erhalten, weil sich das Unternehmen Reformen in der Textilindustrie beim Arbeits- und Brandschutz in den Weg stellt. Selbst nach dem folgenschweren Einsturz eines Produktionsgebäudes in Bangladesch mit über 1.100 Toten im Mai 2013 habe sich GAP geweigert, ein entsprechendes internationales Abkommen (Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh) für bessere Produktionsbedingungen in dem Entwicklungsland zu unterzeichnen.

„Gap weigert sich weiterhin, gemeinsam mit Zulieferern und lokalen wie internationalen Gewerkschaften sicherzustellen, dass die Mängel in den dortigen Fabriken behoben werden und die Arbeitenden das Recht haben, ihre Arbeit bei gefährlichen Bedingungen zu verweigern“, sagte Kalpona Akter, Arbeitsrechts-Aktivistin aus Bangladesch, auf der Pressekonferenz in Davos.

Für den Publikumspreis der „Public Eye Awards“ hatten dieses Jahr über 280.000 Online-Voter abgestimmt. Der Preis geht an den Ölkonzern Gazprom, der in der Arktis ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt nach Öl bohrt. Dem damit verbundenen hohen Risiko begegne Gazprom mit einem völlig unzureichenden Notfallplan und setze zudem auf veraltete Technik, erklärten die Preisverleiher.

Zudem habe das Unternehmen, das als einer der schlimmsten Klimasünder weltweit gilt, nicht aus seinen Fehlern gelernt: Im Dezember 2011 starben 53 Mitarbeiter, als die Bohrinsel Kolskaja kenterte. Im selben Jahr habe der russische Monopolist allein an Land 872 Ölunfälle verursacht, mehr als jeder andere Ölkonzern der Welt. “Gazprom ist das erste Unternehmen auf der Erde, das Öl aus den eisigen arktischen Gewässern pumpt, obwohl seine Sicherheitsbilanz entsetzlich ist“, kritisierte Kumi Naidoo, Direktor von Greenpeace International.

Was soll man sagen? Herzlichen Glückwunsch? Oder: Igitt?

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