Shell: Grünfärber seit (mindestens) 1977

Vor einer Woche luden wir Sie zu einem kleinen Sommerrätsel ein – heute nun also die Lösung. Vorab schonmal die Info: Kein Teilnehmer kannte die korrekte Antwort. Die versprochene Preise versenden wir trotzdem.

Wir hatten ja gefragt, aus welchem Jahr diese wundervolle Shell-Annonce stammt:

Ausriss einer Doppelseite, rechts viel Text, links das Foto einer Südseeinsel, im Vordergrund ist auch ein Stück Meeresgrund zu sehen

Es waren nicht die 2000er Jahre, nicht die 1990er und auch nicht die 1980er Jahre – nein, diese Werbung, in der sich Shell als Meeresschützer geriert, ist bereits 36 Jahre alt! In Ausgabe 4/1977 der Reisezeitschrift Merian haben wir sie gefunden.

Sechs Millionen Mark soll die gesamte Kampagne, zu der das Motiv gehörte, damals gekostet haben, weitere Slogans lauteten zum Beispiel „Erdöl kann man essen“ oder „Wird das Herz aus Erdöl jemals schlagen?“ So berichtete es DIE ZEIT im Frühjahr 1976. Eine ganze Welle von Imagekampagnen habe es demnach Mitte der 70er gegeben. Neben Shell Deutschland versuchten auch BP (Claim: „Energie. Und neue Ideen“) sowie Esso („Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an!) ihr Image aufzupolieren. Das war damals weniger durch Klima- oder Umweltprobleme ramponiert als durch die Ölkrise 1973, während der die Benzinfirmen als Preistreiber zu Buhmännern der Nation geworden waren.

Mit seiner Werbeoffensive wolle Shell, so die ZEIT 1976, „das Erdöl als Rohstoff und Energiespender für viele Bereiche von Industrie und Wissenschaft profilieren“. Das Blatt zitierte Shell-Werbeleiter Manfred Sieben: „Wir werden in unseren Anzeigen darüber sprechen, welche Bedeutung Erdöl heute und in Zukunft für unser Leben hat.“ In einer Annonce unter der Überschrift „Ist Erdöl tot?“ wurde beispielsweise beschrieben, was man aus der klebrigen Masse alles herstellen könne: Düngemittel, Asphalt und Kunststoff, Zahnbürsten, Matratzen und Autolack, Eiweiß, Medikamente und künstliche Gelenke und so weiter. Oder – siehe die oben abgebildete Annonce – künstlich angelegte Algenwälder. Ausgedacht hatte sich das Ganze die Werbeagentur Young & Rubicam. Nicht zur Sprache kamen natürlich irgendwelche Umweltsauereien, die Aktivitäten von Shell im Niger-Delta im westafrikanischen Nigeria ebenso wenig wie der Unfall der MS Metula, jenes Schiffes, das 1974 in der Magellanstraße an der Südspitze Südamerikas auf Grund lief und eine der bis dahin schwersten Ölkatastrophen der Schifffahrtsgeschichte verursachte.

Zurück zu unserem Sommerquiz. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat niemand das richtige Jahr 1977 erraten (niemand kam ihm auch nur nahe, weiter als bis in die 1990er Jahre reichte kein Tipp zurück). Die versprochenen Preise (je ein Exemplar des Buches zum Lügendetektor: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“) wollen wir trotzdem stiften. Unser Leser Jan D. aus Schwerin hatte in seiner Einsendung geschrieben: „Falls ich das Buch gewinne, spende ich es einer der drei Umweltbibliotheken in M-V.“ Eine schöne Idee! Deshalb geht nun tatsächlich je ein Buch nach Neubrandenburg, Rostock und Stralsund.

Danke, liebe Leserinnen und Leser, fürs Mitmachen! Und einen schönen Sommer noch!!