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SOMMERQUIZ — Shell: Grünfärber seit ????

Haben Sie vielleicht Lust auf eine kleine Sommerrätselei? Neulich ist uns nämlich eine alte Illustrierte in die Hand gefallen, eine Ausgabe des Reisemagazins Merian. Sie stammte, so viel sei schon mal verraten, aus dem letzten Jahrtausend. Und sie enthielt eine doppelseitige Werbeannonce. Auf der linken Seite ist ein Südseeidyll zu sehen, eine Palmeninsel und davor klares Wasser – so weit, so gewöhnlich für eine Reisezeitschrift.

Ausriss einer Doppelseite, rechts viel Text, links das Foto einer Südseeinsel, im Vordergrund ist auch ein Stück Meeresgrund zu sehen

Doch die Anzeige stammt nicht von irgendeinem Touristikunternehmen, sondern vom Mineralölkonzern Shell. Und der Text ist wirklich ein Knaller! „Der größte Garten der Erde liegt unter Wasser“, lautet die Titelzeile. In zwei Spalten geht es dann um – ja, worum eigentlich? Der Text schwurbelt und schlingert und versucht irgendwie, einen Zusammenhang herzustellen zwischen Ölförderung und Meeresschutz. Das Ganze ist – verglichen mit den Grünfärber-Kampagnen von Shell [1] aus diesem Jahrtausend [2] – fast schon anrührend platt. Aber lesen Sie selbst:

Ausriss mit Text: "Noch vor wenigen Tagen galt der Fischreichtum der Meere als grenzenlos. Heute wissen wir: es ist nicht so. Wenn wir in den nächsten Jahren noch mehr Fische fangen, werden wir bald keine mehr haben. Um das zu verhindern, müssen wir Menschen uns unter Wasser begeben. Wir müssen das Verhalten der Fische studieren. Und dabei hilft uns Erdöl. Denn der Taucheranzug, die Flossen, die Brille sind aus Erdöl. Die Tiefenmesser und wichtige Teile der Luftversorgung. Ohne Erdöl wüssten wir nichts über die Schonzeiten und die Zucht von Seefischen. Und wir wüßten nichts über die Anpflanung von Algen. Heute gibt es bereits großangelegte Versuche, an verödeten Küsten Algengärten anzulegen: die Algen werden einfach an Kunstoffleinen verankert. Mit Erfolg. Innerhalb kürzester Zeit siedeln sich ind en Algenwäldern wieder Fische an. Als Ergebnis dieser Forschung werden wir eines Tages wieder reich an Fischen sein. Es wird möglich sein, in Fjorden oder anderen abgrenzbaren Meeresteilen ausgedehnte Unterwasserfarmen einzurichten. In diesen Farmen wird dann aus Erdöl gewonnenes Eiweiß an die Fische verfüttert werden. Ein künstlich angelegter Algenwald wird ihnen die Behaglichkeit einer Lagune vermitteln. Und ein Luftperlenvorhang aus einem Kunststoffschlauch wird sie vor Raubfischen schützen. Erdöl ist eben mehr als Heizöl und Benzin. Viel mehr. Deshalb brauchen wir die Mineralölindustrie. Die Gesellschaften die Erdöl suchen, fördern, transportieren und weiterverarbeiten. Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal an einer unserer Tankstellen halten. Benzin ist ein wichtiger Teil von dem, was wir machen. Aber es ist noch lange nicht alles. Eine Information der Shell." [3]

Putzig, oder? Wie sich hier ein Unternehmen als Meeresschützer zu präsentieren versucht aus genau jener Branche, die am laufenden Band die Meere durch Ölkatastrophen verseucht [4] und auch im normalen Regelbetrieb Tausende Tonnen Öl in die Ozeane entweichen lässt [5].

„Ohne Erdöl wüssten wir nichts über die Schonzeiten … von Seefischen.“ Oooooh.

„Ein Luftperlenvorhang aus einem Kunststoffschlauch wird sie vor Raubfischen schützen.“ Gott, wie lieb von dem Kunststoffschlauch!

„Ein künstlich angelegter Algenwald wird ihnen die Behaglichkeit einer Lagune vermitteln.“ Klar, dann können Shell und Co die natürlichen Algenwälder ja ohne schlechtes Gewissen zerstören.

Ein wunderbares Beispiel ist dies aus der Frühzeit der Grünfärberei. Womit wir beim Quiz wären: Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser, aus welchem Jahr stammt diese Werbeannonce? Schicken Sie Ihren Tipp an hinweise@klima-luegendetektor.de – unter den richtigen Einsendungen verlosen wir drei Exemplare des Buches zum Lügendetektor: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“ [6].

Und die Auflösung gibt es kommende Woche an dieser Stelle.