Mehdorn/Air Berlin: Hoffentlich nicht Alzheimer

Früher war Hartmut Bahnchef Mehdorn ganz auf Linie von Angela Merkel (CDU). „Fliegen muss teurer werden“, hatte Bundesumweltministerin Merkel in einem Bild-Interview 1997 erklärt: „Wir machen das Auto zum Umwelt-Buhmann und vergessen die katastrophalen Auswirkungen durch den zunehmenden Luftverkehr.“

Das sah Hartmut Bahnchef Mehdorn früher genauso: Die Luftfahrtgesellschaften seien von steuerlichen Belastungen „vollständig befreit“, sagte der Bahnmanager 2008 im Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Und weiter:

In der Tat: Die Bahn muss Mehrwertsteuer zahlen, die Fluglinien bei allen Flügen ins Ausland aber nicht. Die Bahn muss Treibstoffsteuer zahlen, die Airlines auf Kerosin aber nicht. Die Bahn muss Ökosteuer abführen, die Fluglinien aber nicht. Sogar geklagt hatte die Bahn gegen diesen „verkehrs- und klimapolitischen Unsinn“ vor dem höchsten Gericht der Europäischen Union. Die Richter entschieden aber, dass die geltende Steuerbefreiung nicht gegen EU-Recht verstößt. Mehdorn musste eine schwere Niederlage hinnehmen.

Bekanntlich hat sich die Rechtslage aber mittlerweile geändert: Kanzlerin Angela Merkel führte im vergangenem Jahr die Luftverkehrsabgabe ein. Alle Flugzeuge, die in Deutschland starten und landen, zahlen je nach Entfernung pro Passagier acht, 25 oder 45 Euro. „Fliegen muss teurer werden“, weshalb Deutschland auch den Klima-Plänen Brüssels zustimmte: Seit Januar 2012 sind die Airlines zudem auch noch zur Teilnahme am Emissionshandel verpflichtet.

Bekanntlich hat sich auch das Beschäftigungsverhältnis von Hartmut Bahnchef Mehdorn geändert. Nach einem Datenskandal musste Mehdorn 2009 das „Bahnchef“ aus seinem Namen streichen. Im vergangenen Herbst heuerte Mehdorn bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin an. Nun sagt er zum Thema „Fliegen muss teurer werden“ in der Berliner Morgenpost :


Weiterhin war zu lesen:


Dass es Mehdorn ernst mit seinem „Kampf“ meint, machte er am Tag danach deutlich: Gemeinsam mit Lufthansa-Chef Christoph Franz  und dem Präsidenten des Luftverkehrsverbandes Klaus-Peter Siegloch trat er vor die Hauptstadt-Presse, um zu lobbyieren. Der Tagesspiegel titelte am Freitag:

Der Ex-Harmut Bahnchef Mehdorn holt sich zur Verstärkung jene, die er einst bekämpft hat?

Natürlich, der Mann ist schon alt, Ende Juli wird er siebzig Jahre. Air Berlin-Kunden sei aber gewünscht, dass Mehdorn nicht an einer dieser fiesen Alterskrankheiten wie Demenz oder Alzheimer leidet. Oder ist Hartmut Mehdorn einfach nur eine neue Illustration der alten Volksweisheit: „Wes‘ Brot ich fress, dess‘ Lied ich sing“?

P.S.: Seit Anfang Oktober ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2012 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER