US-Kohlelobby: Süßer die Lügen nie klingen

Schon mehrfach ging es auf diesem Blog um die PR-Kampagnen der deutschen Kohlebranche – aber beim Blick in die USA wirken RWE, Vattenfall und ihre Lobby-Verbände fast wie einfallslose Stümper. Mit gigantischem Werbeaufwand wird dort versucht, unter dem Siegel „Clean Coal“ Akzeptanz zu schaffen für neue Kohlekraftwerke. Geschickt wird mit dem unklaren Begriff „Saubere Kohle“ jongliert: Mal sind damit reduzierte Emissionen an Feinstaub oder Schwefelabgasen gemeint, mal ein sinkender Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid in Kohlekraftwerken. Bei ersterem gab es auch in den USA in den letzten Jahrzehnten (gesetzlich erzwungene) Fortschritte, letzteres aber ist auch jenseits des Atlantiks noch ferne Zukunftsmusik. Anfang 2008 wurde beispielsweise das großangekündigte Projekt FutureGen gestoppt.

Eine Geschmacklosigkeit sondergleichen hatten sich die PR-Profis von der American Coalition for Clean Coal Energy (ACCCE) für das vergangene Weihnachtsfest ausgedacht: Trickfilme, in denen niedliche Kohlestückchen umgedichtete Weihnachtslieder sangen. Aus „Oh Tannenbaum“ wurde „Oh Technology“, aus „Stille Nacht“ machte man „Clean Coal Night“. Der populäre englische Song „Frosty, der Schneemann“ wurde zu „Frosty, the Coal Man“.

Umweltschützer protestierten, in vielen Blogs wurde Empörung laut. Und anscheinend bekam die Kohlelobby kalte Füße, jedenfalls nahm ACCCE die Clips nach wenigen Tagen (mit einer lauen Ausrede) vom Netz. Auf YouTube aber sind sie für die Nachwelt erhalten. Wir möchten die Filmchen gar nicht weiter kommentieren, sondern dokumentieren sie als ein ganz besonderes Stück Grünfärberei.

„Oh Tannenbaum“:

„Stille Nacht“:

„Frosty, the Snowman“: