Total: Rätselhafte Fragen zum Klimawandel

Die französische Total S.A. ist der viertgrößte Ölkonzern der Welt und betreibt allein in Deutschland mehr als tausend Tankstellen. Wenn alle Welt über den Klimawandel redet, wird man sich in der Unternehmenszentrale in Paris gedacht haben, dann darf man selbst nicht schweigen. Auch wenn man eigentlich nichts zu sagen hat. Anders ist die Anzeige kaum zu erklären, die sich beispielsweise diese Woche im Spiegel fand.

Ein blauer Himmel über weitem Horizont, dazu ein fröhliches Kind – dies ist nur ein Motiv der weltweiten PR-Kampagne, die sich Total für viele, viele Millionen Euro von der französischen Werbeagentur Harrison&Wolf hat schneidern lassen. „Könnte es sein, dass der Aufbau einer nachhaltigen Energiezukunft auch von der Entdeckung neuer Erdölvorkommen abhängt“, fragt der Konzern da. Na, klar das könnte schon sein, aber es ist äußerst unwahrscheinlich. Genauso gut könnte man fragen: „Könnte es sein, dass die gesunde Zukunft eines übergewichtigen Menschen von der Entdeckung weiterer, leckerer Torten abhängt?“ Nein? Man wird doch wohl noch fragen dürfen.

Beneidenswert gehaltlos ist auch das Kleingedruckte der Annonce:

Auch auf der genannten Unternehmenshomepage sucht man vergebens nach Totals Antworten auf den Klimawandel. Stattdessen gibt es dort ein langweiliges Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden, werden Agro-Kraftstoffe als Mittel gegen den Treibhauseffekt genannt (obwohl das längst zweifelhaft ist), auch das windige Versprechen der unterirdischen CO2-Verpressung fehlt natürlich nicht. Zumindest auf ein Rätsel findet sich dort eine Antwort: Warum nämlich das „Ge“ links oben in der Annonce so komisch aussieht und eine andere Farbe hat: In allen anderen Sprachen beginnt das erste Wort mit den Buchstaben „CO“ – womit zumindest eine entfernte Anspielung an Kohlendioxid und damit den Klimawandel gegeben ist.

Einen Vorteil jedenfalls hat es, nur Fragen zu stellen. Man kommt um – möglicherweise – verlogene Antworten herum.