Autobranche: Auf der Überholspur – aber ganz weit hinten

Matthias Wissmann (CDU) ist ein Politik-Profi. Er war unter Helmut Kohl Forschungs- und Verkehrsminister, saß mehr als dreißig Jahre im Bundestag und hat nebenher gut verdient – unter anderem als Partner in einer internationalen Anwaltssozietät oder im Beirat von Rolls Royce. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) holte ihn im letzten Jahr als Präsidenten, als die Branche in der Klimadebatte in die Kritik geriet.

Heute zeigte Matthias Wissmann wieder einmal, wie gute Krisen-PR aussieht: „Die deutschen Autohersteller haben nach eigenen Verbandsangaben bei Spritverbrauch und Senkung des schädlichen Kohlendioxids (CO2) im Vergleich zu Frankreich und Japan aufgeholt“, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Und zitiert den VDA-Präsidenten: „Dank der hohen Innovationskraft unserer Hersteller und Zulieferer haben wir im vergangenen Jahr die höchsten Minderungsleistungen (beim CO2) erreicht.“ Japanische Firmen hätten den Ausstoß ihrer Autos um 0,6 Prozent gesenkt, französische Marken um 0,8 – die deutschen Hersteller aber um 2 Prozent.Brav transportiert dpa damit die freundliche Lesart des Lobbyisten Wissmann.

Bisher nämlich gehörten deutsche Autos zu den Spitzenreitern beim Kohlendioxid-Ausstoß. In Studien des BUND oder des Brüsseler Umwelt-Dachverbands Transport&Environment rangieren Audi, BMW & Co. regelmäßig ganz hinten. Deutsche Hersteller bauen demnach besonders schwere Autos mit besonders hohen CO2-Werten (deutscher Durchschnitt 173 Gramm/Kilometer, Japan: 161 g/km, Frankreich: 144 g/km). Damit liegen die deutschen Autobauer weit, weit über dem Wert von 140 g/km, den zu erreichen sie 1998 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung für das Jahr 2008 zugesagt hatten.

Bei so hohem Niveau ist das Sparen ziemlich einfach. Oder in der Autosprache: Wer von weit hinten kommt, kann viele überholen. „Der VDA rechnet sich die Welt schön“, kommentiert Gerd Lottsiepen vom umweltbewussten Verkehrsclub VCD.

Im letzten Absatz ihrer Meldung kommt die dpa dann der Wahrheit wieder etwas näher. Aber auch nur etwas. „Die deutschen Hersteller hätten vor allem den Verkauf ihrer Fahrzeuge mit einem Spritverbrauch von weniger als fünf Liter auf 100 Kilometer steigern können“, steht da. Um 57 Prozent sogar. Nunja. Man könnte auch sagen, die Kunden haben stärker als früher sparsame Modelle gekauft.