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RWE: Die Kandidaten für den Klimaschutz-Preis

Dienstag, den 27. Oktober 2015

Deutschlands zweitgrößter Stromkonzern RWE hat einen Klimaschutz-Preis ausgelobt:

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Im Aufruf heißt es: „Bürger, Vereine, Institutionen und Firmen können zeigen, wie sie vor Ort mit konkreten Projekten die Umwelt schonen und sich für den Klimaschutz einsetzen.“

Also los! Hier sind unsere „starken Ideen für Umwelt und Klima“, die wir dem verehrten Preisgericht vorschlagen:

Erstens: Die Gemeinde Keyenberg schlägt vor, das Umsiedlungsprogramm von RWE zu stoppen. Die im Jahre 893 erstmals urkundlich als cheyenburghc erwähnte Ortschaft steht auf Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger. Deshalb soll Keyenberg verschwinden, RWE will die 826 Einwohner der Gemeinde abbaggern.

Rohbraunkohle besteht zu 55 Prozent aus Wasser, zu 5 Prozent aus nicht brennbaren Bestandteilen und zu 40 Prozent aus Kohle. Beim Verfeuern einer Tonne Kohle in einem Braunkohlekraftwerk entsteht etwa eine Tonne Kohlendioxid, wenn Förderung und Transport einbezogen werden – so viel wie bei keinem anderen Energieträger.

Eine „starke Idee für Umwelt und Klima“ wäre also, die Abbau-Pläne zu beenden: Ab kommendem Jahr soll es losgehen mit der Umsiedlung von Keyenberg, noch ist es also nicht zu spät. Und seitdem bekannt geworden ist, dass die Braunkohlekraftwerke jetzt sowieso Schritt für Schritt abgeschaltet werden müssen, hat der Vorschlag gute Chancen für den RWE-Klimaschutzpreis 2015!

Zweiter Preis-Vorschlag: Die Gemeinde Niederzier schlägt vor, aus den Resten des Hambacher Forsts ein Klimaschutz-Denkmal zu errichten. Ursprünglich war der Wald nahe dem Ort Hambach 5.500 Hektar groß, schon der heilige Arnold von Arnoldsweiler hatte den Bürgewald im 8. Jahrhundert umritten. Jetzt sollen die Bäume dem Tagebau Hambach weichen, wiederum, um eine zukunftslose Energieversorgung noch ein bisschen weiterbetreiben zu können.

Dagegen hatten immer wieder Klimaschützer protestiert, bei Wind und Wetter Bäume besetzt, um RWE zur Vernunft zu bringen. Jetzt – so die Begründung des Preisvorschlages – könnte sich RWE bedanken bei den Aktivisten: Jawohl, eure Argumente waren die richtigen, wir von RWE haben uns geirrt – und das dokumentieren wir mit dem Klimaschutz-Denkmal Hambacher Forst. Chapeau!

Vorschlag Nummer drei für den RWE-Klimaschutzpreis 2015: Die Stadt Grevenbroich schlägt vor, das RWE-Kohlekraftwerk Neurath dichtzumachen. Mit 33,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr ist es die größte Treibhausgas-Quelle in der Bundesrepublik, und schön sieht die Dinosaurier-Technologie nun auch nicht aus. Geld lässt sich mit den Kohlekraftwerken sowieso nicht mehr verdienen, eine „gute Idee“ und „vorbildliche Aktion aus dem lokalen und regionalen Umfeld“ – wie in der Ausschreibung gefordert – und „für die Öffentlichkeit sichtbar“ wäre das Abschalten allemal. Ein heißer Kandidat für den RWE-Klimaschutzpreis!

Es gibt logischerweise noch viele andere Vorschläge, die RWE berücksichtigen sollte! Ein Umschulungsprogramm der Gemeinde Jüchen beispielsweise, bei dem ehemals fossile Kraftwerksmitarbeiter zu Solarinstallateuren ausgebildet werden. Oder Bürgersolaranlagen wie die in Köln-Brück, die jenen Strom produziert, mit dem ein „Energieversorger“ wie RWE seine Kunden eigentlich heute schon zukunftstauglich versorgen sollte.

Wir aber reichen mit den geschilderten Kandidaten unsere drei Favoriten für das Jahr 2015 ein. Und sind gespannt, wer die 5.000 Euro Preisgeld gewinnen wird.

RWE-Jury: Bitte übernehmen Sie!

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Danke an Timo aus Bonn für den Hinweis!


RWE: Ohne jeden Respekt

Freitag, den 30. August 2013

Der Braunkohletagebau Hambach ist das tiefste Loch Europas: 370 Meter haben sich die 1.500 Tagebauer in die Erde gewühlt, um hier jährlich 40 Millionen Tonnen Braunkohle an die Luft zu holen – die dann zur Stromproduktion verfeuert wird. Damit das so bleibt, soll der Tagebau erweitert werden. Der Hambacher Forst, der vom heiligen Arnold von Arnoldsweiler im 8. Jahrhundert umritten wurde, muss dafür weichen.

Es gibt Menschen, die das nicht gut finden: Im Forst gab es wunderschöne Hainbuchen und Stieleichen. Tagebaubetreiber RWE lässt außerdem die Ortschaften Morschenich und Manheim umsiedeln, was auch nicht alle Bewohner gut finden. Und dann gibt es noch die Klimaschützer: Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger, pro Kilowattstunde Strom entstehen bis zu 1,23 Kilogramm Kohlendioxid. Zum Vergleich: Moderne Gaskraftwerke sorgen für “nur“ 430 Gramm.

Genug Gründe also, um gegen RWE zu protestieren. Dieser Tage gibt es neben dem Tagebau ein Klimacamp, das allerdings mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat: Zelte dürfen nicht aufgebaut werden, Essen darf nicht gekocht werden – Campen ohne Essen und Unterkunft also. Außerdem hat RWE tief in die Psycho-Kiste gegriffen. Mit einer Extra-Ausgabe seines Nachbarschaftsmagazins „hier“:

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Zu Wort kommt Karl Heinz-Wieland (Name geändert), der beim Werkschutz von RWE arbeitet. Der sagt: „Die Zerstörungswut dieser Täter ist unglaublich. Der bösartige Erfindungsreichtum, die kriminelle Energie, das habe ich in so einem Ausmaß noch nicht erlebt.“

Zu Wort kommt Werner Stump, der hier früher einmal Landrat für die CDU war. Der erklärt: „Die Polizei hat hervorragende Arbeit geleistet. Sie ist mit allen helfenden Einsatzkräften bis an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen. Keiner der Protestler hat einen persönlichen Schaden erlitten.“

Interviewt wird Professor Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim. Der Professor: „Es sind ganz kleine Gruppen, oft von auswärtigen Aktivisten, die die Dinge nur schwarz-weiß sehen, die keinen Respekt vor der Meinung Andersdenkender haben und die sich auf extreme Weise Gehör verschaffen. Und in unserer von Medien geprägten Welt, die auf schnelle Wahrheiten und spektakuläre Bilder setzt, bekommen sie diese Beachtung auch.“

Und dann bringt die Sonderausgabe des Nachbarschaftsmagazins folgende Darstellung:

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Das versteht RWE unter nachbarschaftlichem Respekt?

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit Gerangel um den Hambacher Forst. Tatsächlich hatte RWE einen Umweltaktivisten, der im vergangenen Jahr einen Gleisabschnitt der Hambacher Kohlebahn besetzt hatte, verklagt – und Recht bekommen. Bei den Ermittlungen zur Räumung des Hambacher Forsts im November des vergangenen Jahres hat die Staatsanwaltschaft aber keinerlei strafrechtlich relevante Sachverhalte ausmachen können. Alle 27 Verfahren gegen Waldbesetzer wurden eingestellt, keiner hatte gegen geltendes Recht verstoßen.

„Diffamare“ kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „Gerüchte verbreiten“ oder „anschwärzen“. Das Camp läuft nun schon eine Woche. „Aktuell liegen keine rechtlichen Vorwürfe gegen Mitglieder des Camps vor“, erklärte Thomas Krämer, Sprecher des zuständigen Verwaltungsgerichts Köln gegenüber unserem Schwesterportal klimaretter.info. Tatsächlich betreibt RWE mit seinem „Nachbarschaftsmagazin“ also nichts anderes als die gezielte Verleumdung Dritter. So was ist übrigens strafbar.

 Danke an Timo S. für den Hinweis


PS: Seit zwei Jahren ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2013 unabhängig zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER