RWE + Innogy: US-Wälder verfeuern

Wenn man sich im Internet bei „RWE Wissen“ über Biomasse informieren möchte, liest man Folgendes:

Einer Prognose des Verbandes der Netzbetreiber (VDN) zufolge wird der Anteil des aus Biomasse erzeugten Stroms in den nächsten fünf Jahren von derzeit rund 10 Milliarden auf mehr als 24 Milliarden Kilowattstunden steigen – ein enormes Wachstumspotenzial. Und damit gut für den Klimaschutz.

Der alte Kohle-Konzern RWE hatte ja seine Zukunft in der Innogy gesucht, wie der abgespaltene Konzernbereich sich jetzt nennt. Und dort wird Biomasse verbrannt:

Eine gute Sache, weil ja bei der Verbrennung von Biomasse nur so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie die verbrannten Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen haben.

Zumindest theoretisch. Praktisch kommen noch jene Emissionen dazu, die der Antransport des Brennstoffs verursacht. Innogy betreibt in den USA die Firma Georgia Biomass, die eine jährliche Produktionskapazität von 750.000 Tonnen aufweist – das größte Holzpelletwerk der Welt. Nach Recherchen der US-amerikanischen Naturschutzorganisation Dogwood Alliance verkauft die Firma ihre Produkte auch nach Europa – an den Innogy-Mutterkonzern RWE.

Damit würden nicht nur in den USA alte Wälder abgeholzt werden. Der Transport nach Europa verursacht eben auch das, was durch die Biomasse eigentlich eingespart werden soll: Treibhausgase.

Erinnern Sie sich? Wir hatten uns hier zuletzt mit der Imagekampagne von Innogy befasst, enthalten ist darin auch folgendes Motiv:

Jedenfalls ist in Europa verbranntes Holz aus den USA weder nachhaltig noch normal – sondern allenfalls innogy!

Vielen Dank an Peter G. und das Denkhaus Bremen für den Hinweis


 

IG BCE: Unter Realitätsverlust leiden

Die energiepolitische Nachricht am heutigen Donnerstag stammt zweifelsfrei aus der Lausitz. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg vermeldete am Abend:

Es geht um die Zukunft der Lausitz: Vattenfall wollte hier einst neue Tagebaue aufschließen, um auch nach 2030 noch Braunkohle verstromen zu können. Dann brachte dem schwedischen Staatskonzern das Geschäft aber nur noch Verluste ein, weshalb Vattenfall den Laden an tschechische Finanzinvestoren verkauft hatte. Wobei „verkauft“ die falsche Formulierung ist: Die neuen Besitzer hatten 1,7 Milliarden Euro dafür erhalten, dass sie Vattenfall den Laden auch wirklich abnehmen.

Seitdem war spekuliert worden, was die Neuen eigentlich mit dem nun unter dem Namen LEAG firmierenden Unternehmen wollen. Offenbar nicht weiter in Braunkohle investieren. Das mediale Echo auf die heute vorgestellten Pläne ist jedenfalls eindeutig. Die Potsdamer Neuesten Nachrichten titeln:

In der Märkischen Allgemeinen Zeitung heißt es:

Selbst in der als Braunkohle-freundlich verschrienen Lausitzer Rundschau wird betont:

Gegen die Zwangsumsiedlung von Menschen muss also nicht mehr protestiert werden? Die Lausitz kommt jetzt endlich zur Ruhe?

Nicht, wenn man der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) glaubt: Deren Vorstandsmitglied Petra Reinbold-Knape bezeichnete nämlich heute prompt die vorgestellten Geschäfts-Pläne

Weiter sagt die Gewerkschafterin: Deutschland

Deshalb könnten die Beschäftigten in der Lausitz nun aufatmen:

Fassen wir zusammen: Die Brandenburger Medien berichten darüber, dass jene 3.000 Menschen aufatmen können, die von den früheren Braunkohleplänen Vattenfalls betroffen gewesen wären. Weil sich neue Tagebaue betriebswirtschaftlich nicht rentieren, ist ihre Umsiedlung vom Tisch.

Die IG BCE wiederum frohlockt, dass die 8.000 Beschäftigten der Lausitzer Braunkohle aufatmen können, weil Deutschland die Braunkohle noch für lange Zeit als Eckpfeiler einer bezahlbaren Energieversorgung braucht.

Stoppstopp! Da ist eindeutig viel zu viel Atemluft im Spiel!

Vielleicht liegt das aber daran, dass IG-BCE-Vorständin Petra Reinbold-Knape nicht nur Gewerkschafterin ist, sondern auch noch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei der LEAG-Bergbau-Tochter: Die hat heute das Ende des Tagebau-Projektes Jänschwalde beschlossen und alle anderen auf Eis gelegt.

Die Frau betreibt ein Doppelspiel. Noch bleibt den Finanzinvestoren aus Tschechien schließlich ein Geschäftsmodell erhalten: Mutter des milliardenschweren Unternehmens LEAG ist die Lausitz Energie Verwaltungs-GmbH – eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft mit 25.000 Euro Stammkapital.

Die dichtzumachen dürfte ziemlich einfach sein. 1,7 Milliarden blieben dann in der Tasche der Investoren!

Vielen Dank an Julia G. für den Hinweis via Posteo.


 

Michael Miersch: Bild-schöne Klima-Demagogie

Michael Miersch hat einen neuen Job. Miersch, Miersch, wer war das nochmal? Genau, die eine Hälfte des Autorenduos Maxeiner & Miersch, das seit mittlerweile zwei Jahrzehnten (vermutlich ganz gut) vom Öko-Bashing lebt. Vor ein paar Jahren war Miersch mal Ressortleiter beim Focus (eine Titelstory damals: „Prima Klima: Die globale Erwärmung ist gut für uns“). Davor hat er in der Welt klima„skeptische“ Thesen verbreitet. Dasselbe tat er lange Zeit auf dem Provokanten-Blog Achse des Guten, den er dann aber – dazu eine ehrliche Gratulation! – unter Protest gegen dessen immer stärkeren Rechtsdrall verließ.

Nun also arbeitet Miersch bei der Deutschen Wildtier-Stiftung als „Leiter Naturbildung“. Und hat heute der Bild ein – nunja, bemerkenswertes – Interview gegeben:

Das Boulevardblatt bietet dem „streitbaren Buch-Autor, Doku-Filmer und Naturschützer Michael Miersch (60)“ eine große Bühne für eine ganze Reihe irreführender und falscher Aussagen. Aber wir wollen hier nur die drei krassesten Passagen genauer anschauen.

So fragt Bild-Reporter Albert Link zum Beispiel nach der Zukunft der Eisbären:

Nun, wer sich hier auf dünnes Eis begibt, ist vor allem der „Leiter Naturbildung“ Michael Miersch. Denn er widerspricht hier ganz kühn der weltweiten Autorität auf dem Gebiet des Artenschutzes, der Weltnaturschutzunion IUCN, die den Eisbären seit langem auf ihrer Roten Liste führt. Und er verbreitet eines der, gähn, ältesten Pseudo-Argumente der Klimawandel-Leugnerszene: Denn die Zahl von weltweit 5.000 Eisbären aus den 1950er Jahren war erstens schon damals umstritten und wurde zweitens im Nachhinein ausdrücklich revidiert.

Zudem hat die zwischenzeitliche Zunahme des Eisbären-Bestandes nichts damit zu tun, dass der Klimawandel übertrieben wird – sondern damit, dass parallel die Jagd auf Eisbären weitgehend verboten wurde. Vor wenigen Wochen erst kam ein Team renommierter Forscher erneut zu dem Ergebnis, dass der Schwund des arktischen Meereises zu einem drastischen Rückgang der Eisbären-Population führen werde. Klar, die Art wird nicht in vier oder acht Jahren komplett ausgestorben sein – insofern ist die Schlagzeile über dem Interview nicht verkehrt. Aber was Miersch hier erzählt, dokumentiert – bestenfalls – seine Inkompetenz.

Auf die nächste Frage antwortet Miersch ähnlich zweifelhaft:

An dieser Antwort ist mehrerlei irreführend: Erstens wird es beim Klimawandel zwar in der Tat „Gewinner und Verlierer“ geben – aber die Zahl der Verlierer dürfte überwiegen, so die übereinstimmende Einschätzung von Forschern und Naturschützern.

Zweitens mag es zwar in Warmzeiten eine größere Artenvielfalt gegeben haben als in Kaltzeiten – aber der gegenwärtige Klimawandel ist weniger wegen seines absoluten Temperaturanstiegs ein Problem für viele Arten, sondern wegen seines Tempos: Er vollzieht sich schlicht zu schnell, als dass sich Tiere und Pflanzen einfach daran anpassen könnten.

Drittens der Palmöl-Boom – klar, der ist ein Problem. Allerdings wird der Rohstoff nicht nur zu Agrosprit verarbeitet, sondern in großem Stil auch zu Lebensmitteln und Kosmetika, weshalb schon seit Jahren eine ganze Reihe von Umweltverbänden dagegen kämpft. Doch nutzen diese, anders als Miersch, das Palmöl-Problem nicht dazu, „den“ Klimaschutz zu diskreditieren.

Es folgt geschickte Anti-Windkraft-Propaganda:

Natürlich darf beim Ausbau der Erneuerbaren der Naturschutz und insbesondere der Vogelschutz nicht aus den Augen geraten. Doch kommt es bei Windkraftanlagen vor allem darauf an, die Standorte sorgfältig auszuwählen, wie beispielsweise der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) betont.

Miersch hingegen dramatisiert die Zahl der durch Windkraft getöteten Vögel. Seriöserweise sollte er seine (ungefähr wohl stimmende) Zahl von 120.000 weniger mit fiktiven Risiken der Atomkraft vergleichen, sondern mit anderen realen Gefahren: Durch Kollisionen mit Glas (etwa an Gebäuden) nämlich sterben in Deutschland nach Schätzungen des BUND jährlich 1,8 Millionen Vögel. An Hochspannungsleitungen (durch die mitnichten nur Windstrom fließt) kommen pro Jahr laut einem aktuellen Gutachten des Nabu rund 2,8 Millionen Vögel zu Tode. Im Straßenverkehr sind es, so das Bundesamt für Naturschutz, jedes Jahr bis zu zehn Millionen.

Die Schätzungen nochmal zusammengefasst: Im Vergleich mit Windrädern sind Glasflächen für Vögel wohl rund 15-mal so gefährlich, Hochspannungsleitungen rund 23-mal und der Deutschen so heißgeliebtes Auto gar bis zu 80-mal. Doch Miersch zeichnet das Bild vom Vogelkiller Windrad – was selbst sein ehemaliger, bestimmt nicht ökobewegter Arbeitgeber Focus einen „Mythos“ nennt.

So geht es weiter und weiter.

Miersch mokiert sich über eine angeblich übertriebene Angstmache von Umweltschützern und Grünen – die es hier und da sicherlich gibt. Aber als Beleg führt er ausgerechnet das Ozonloch an, über das heute angeblich niemand mehr redet. Miersch verschweigt geflissentlich, dass das Montreal-Protokoll zum Verbot ozonschädigender FCKW und damit der Grund für die sinkende Aufmerksamkeit maßgeblich auf Druck von Umweltschützern zustande kam.

Als weiterer Beleg für die vermeintliche Öko-Hysterie gilt Miersch, dass das Waldsterben „ausgeblieben“ sei und es dem deutschen Wald ja heute „besser denn je“ gehe: Letzteres ist Quatsch, wie ein schneller Blick in den letzten Waldzustandsbericht zeigt (zwar hat sich die Lage bei einigen Nadelbäumen verbessert, bei Laubbäumen hingegen haben die Schäden seit Beginn der Erhebungen 1984 stark zugenommen). Und das Ausbleiben eines noch dramatischeren Waldsterbens ist – wie das kleiner werdende Ozonloch – kein Beleg für ungerechtfertigte Panikmache, sondern ein positives Ergebnis genau dieser Kampagnen der Umweltbewegung.

Irgendwann fragt man sich, was wohl Mierschs Chef zu so viel Demagogie sagt. Schließlich will die Stiftung ja laut ihrer Selbstdarstellung „Wildtiere und ihre Lebensräume fördern und schützen“. Aber dann fällt einem ein, wer den Laden seit fünf Jahren leitet: Fritz Vahrenholt, Deutschlands wohl bekanntester Verharmloser des Klimawandels.

Die beiden verstehen sich bestimmt blendend.


 

Weißes Haus: Bei Exxon Mobil abschreiben

Bekanntlich regiert derzeit Donald Trump die Vereinigten Staaten von Amerika. Oder etwa doch nicht?

Das Weiße Haus hat gestern folgende Stellungnahme verschickt:

Unstrittig jedenfalls ist: Trump sitzt jetzt im Weißen Haus, von dort lässt er sich als US-Präsident verlauten. Und er macht das, was er seinen Landsleuten im Wahlkampf angekündigt hatte. Zum Beispiel Jobs schaffen.

Präsident Trump gratuliert Exxon Mobil in seiner Stellungnahme vom Montag zu einem „Arbeitsplätze schaffenden Investitionsprogramm“. Weiter heißt es aus dem Hause des US-Präsidenten:

Nun, das klingt ein bisschen nach Firmen-PR, wenn der Präsident der USA erklärt, Exxon Mobil investiere „strategisch in neue Raffinerie- und Chemieproduktions-Projekte in der Golfküstenregion der Vereinigten Staaten, um seine Produktions- und Exportkapazitäten zu erweitern“. Ist doch klar, schließlich sind strategische Investitionen in der Regel dazu da, um Kapazitäten zu erweitern. 

Schauen wir also bei Exxon Mobil nach, welche Details der weltgrößte Energiekonzern zu seinem Investitionsprogramm verrät:

Ups, das ist ja Wort für Wort das Gleiche!

Das Weiße Haus verzichtet lediglich auf das Wort expansion – Exxon Mobils Erweiterungs-Programm ist in der Sprache des US-Präsidenten einfach nur das Golf-Wachstums-Programm. So, als ob der Chef persönlich Hand angelegt hätte.

„Der Geist des Optimismus fegt durch das Land, und das ist erst der Anfang“, heißt es auf Trumps Facebook-Seite zu dem Investitions-Programm.

Was er damit nun wieder meint!? Vielleicht, dass Exxon Mobil sich demnächst auch die Gesetzestexte im Weißen Haus selber schreibt? Dass die Pipelines „Dakota Access“ und „Keystone XL“ von der US-Administration persönlich gebaut werden wie die Mauer nach Mexiko? Ex-Exxon-Mobil-Chef Rex Tillerson jetzt als US-Außenminister ganz offiziell Politik für die „Vereinigten Aktionäre von Exxon Mobil“ macht? Dass er, Donald John Trump, gar nicht der 45. US-Präsident ist, sondern nur eine Marionette?

Wir werden dranbleiben, versprochen!

Danke an Matthias R. aus Hamburg für den Hinweis.


 

INSM: Kirschenpflücken gegen die Energiewende

Falls Sie mal täuschen wollen, ohne zu lügen, haben wir einen Tipp für Sie: Versuchen Sie es mit Rosinenpickerei! Suchen Sie aus einem großen Fakten-Teig exakt die kleinen Stückchen heraus, die Ihren Vorlieben besonders entsprechen. In der englischen Variante dieser Redewendung werden nicht Rosinen gepickt, sondern Kirschen. Dort spricht man daher von „Cherry Picking“. Die Website SkepticalScience.com, die sich mit Lügen der Klimaleugnerszene beschäftigt, hat diese Argumentationsstrategie mal mit einem hübschen Bild illustriert:

An diesem Baum hängen blaue Kirschen! Oder? Ist das gelogen??

Ein hübsches Beispiel für „Cherry Picking“ liefert gerade die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) – genau, das ist diese pro-kapitalistische Lobbygruppe von Wirtschaftsverbänden, die seit anderthalb Jahrzehnten mit durchaus peppigen PR-Kampagnen für die Interessen von Unternehmen wirbt. Als „Lautsprecher des Kapitals“ hat Die Zeit die INSM mal bezeichnet.

„Die Fehler der Energiewende … und wie sie dennoch gelingen kann“, lautet also der Titel einer aktuellen Kampagne. Auf der INSM-Website findet sich dazu eine sogenannten „Faktensammlung“, die man sich auch als PDF herunterladen kann. Aber komischerweise ist bei den „11 Fakten“ in der Broschüre dann gar nicht mehr die Rede von dem, was ganz groß auf der Startseite der Kampagne steht: „… und wie sie dennoch gelingen kann“. Wir sind ja durchaus neugierig auf Vorschläge für eine bessere, schnellere, preiswertere, die CO2-Emissionen schneller senkende Energiewende – nur lesen wir dazu in der Broschüre irgendwie nichts.

Irgendwo auf der INSM-Website findet sich dann doch noch etwas: nämlich ein Plädoyer für – ja, genau – mehr „Marktwirtschaft“. Im Kern präsentiert die Unternehmenslobby hier etwas, was sie schon vor fünf Jahren mit einer anderen Kampagne propagierte: den Umstieg der Energiewende-Förderung auf ein Quotenmodell. Und schon damals wiesen wir darauf hin, was die INSM ausblendet: Ein solches Modell würde vor allem den großen Energiekonzernen nützen – und kam in Ländern, in denen es eingeführt wurde, deutlich teurer als das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Doch zurück zum Kirschenpflücken, äh, zur Broschüre der INSM mit „Fakten zur Energiewende“. Wirkliche Lügen haben wir darin nicht gefunden – was auch verwunderlich wäre, denn die Initiative beziehungsweise ihre Agentur sind natürlich PR-Profis. Aber wir sind schon über etliche blaue Kirschen gestolpert. Hier nur drei Beispiele:

„Fakt 1″ jammert, die Energiewende werde teuer (wobei das eigentlich der einzige Punkt ist, auf dem die ganze Kampagne und alle elf „Fakten“ herumreiten). Dazu gibt es eine Horrorzahl („520 Milliarden Euro“) und eine Tortengrafik:

Relativ unauffällig darunter steht, dass diese Zahl lediglich eine „Prognose“ ist. Sie stammt aus einer „Studie“, die von der INSM selbst in Auftrag gegeben wurde – und die sicherlich ganz fair und ausgewogen ausfiel und zum Beispiel gegen tatsächliche Kosten der Energiewende gegengerechnet hat, welche Vorteile aus ihr resultieren, etwa die milliardenschwere Ausgabenersparnis beim verringerten Import von Erdöl, Kohle und Gas (laut Bundeswirtschaftsministerium bereits heute 5,8 Milliarden Euro pro Jahr). Außerdem gehört zur Gesamtbilanz des EEG, dass im Gegenzug zur zunehmenden EEG-Umlage der Börsenstrompreis rapide gefallen ist – die Summe aus beiden also mitnichten so stark stieg.

Und wir hätten es ja neben der Grafik zu den EEG-Kosten auch noch ganz spannend gefunden, ein paar Zahlen dazu zu nennen, was in der Bundesrepublik für Strom aus Atomkraft oder fossilen Energieträgern ausgegeben wurde und wird. Greenpeace kam – allein für Atomstrom – schon im Jahr 2010 auf mehr als 300 Milliarden Euro. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) subventionierte die Bundesrepublik allein Öl, Gas und Kohle im Jahr 2015 mit 49,2 Milliarden Euro. Und dass die Atomkraft in Deutschland ein volkswirtschaftlich sagenhaft schlechtes Geschäft war, hat auch die gewiss nicht unternehmensfeindliche Wirtschaftswoche vor einem Jahr vorgerechnet.

Hat man das im Blick, sieht der Kirschbaum schon ein wenig anders aus.

Oder nehmen wir „Fakt 5″ – da beklagt die INSM, die Industrie finanziere „einen großen Teil der Energiewende“:

Das mag ja stimmen – aber wie groß genau ist denn der Anteil der Industrie an den Kosten der EEG-Umlage?? (Dass diese gar nicht gleichbedeutend ist mit den Kosten der Energiewende, lassen wir hier mal beiseite.) Die INSM-Grafik beantwortet die Frage jedenfalls nicht – denn sie zeigt (in Rot natürlich) lediglich den Stromverbrauch der Industrie. Sie verschweigt dabei, dass die Industrie (und am stärksten die energieintensiven Industrien) viel niedrigere Umlagen auf den verbrauchten Strom zahlen als private Haushalte oder kleine Gewerbetreibende. Wie viel die Industrie wirklich zur EEG-Umlage beiträgt, zeigt hingegen diese Grafik der Kollegen vom Strom-Report:

Obwohl sie viel mehr Strom verbraucht als Privathaushalte oder Handwerk und Gewerbe (siehe obere Grafik), zahlt die Industrie viel weniger EEG-Umlage (siehe untere Grafik).

„Fakt 10″ schließlich behauptet, das EEG „verhindert Technologiewettbewerb“. Das klingt, als behindere das bisherige Fördersystem die Weiterentwicklung der Erneuerbaren. Als Beispiel wird die Photovoltaik herangezogen und in einer Grafik wird gezeigt, dass „viele Solaranlagen“ angeblich „wenig Strom“ erzeugen.

Nun ja, dass Solarzellen nur Strom liefern, wenn die Sonne scheint (und dass die Sonne zum Beispiel nachts nicht scheint), ist so banal, dass wir keine millionenschwere INSM brauchen, um das bekanntzumachen. Und natürlich sollte man immer darüber nachdenken, wie eine Überförderung einzelner Technologien oder besonders lukrativer Standorte für Solar- oder auch Windkraftanlagen verhindert werden kann.

Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass der massive Ausbau der Photovoltaik in Deutschland maßgeblich zum beispiellosen Sturz der Kosten für Solarenergie beigetragen hat: Die massenhafte Installation von Photovoltaik-Modulen ließ die Produktionsmengen explodieren und die Preise fallen, inzwischen ist Solarstrom nahezu oder bereits vollständig konkurrenzfähig mit konventionellen Kraftwerken. Von „Deutschlands Geschenk an die Welt“ ist bereits die Rede. Und die US-Wirtschaftsagentur Bloomberg titelte vor gut zwei Jahren: „Thank Germany for Falling Prices of Solar Panels and Wind Turbines“.

Also, liebe INSM, wir sehen eine ganze Menge rote Kirschen am Baum!

P.S. vom 15. März 2017: Grad stolpern wir über noch ein schönes Zitat zum großen Sinn der deutschen Energiewende und ihrer Kosten, diesmal im US-Wirtschaftsmagazin Forbes: „Dank der großzügigen Vorleistungen Deutschlands zieht heute eine ganze Reihe von Staaten mit – von den USA über China bis Indien – und installiert Solar- und Windkraft im großen Stil. Wenn die erneuerbaren Energien am Ende maßgeblich dazu beitragen den Klimawandel zu bremsen, dürfte die Geschichte die Energiewende als bemerkenswertes Beispiel einer globalen Führungsrolle beurteilen.“


 

RWE: Die Welt innogyren

Vielleicht gehören Sie ja auch zu den jenen, die derzeit folgende Werbe-Kampagne miterleben dürfen:

Es geht um RWE, diesen fehlgeleiteten und krisengebeutelten Kohlekonzern, der ja zuletzt die Reißleine gezogen hatte und sich aufspaltete – in einen vermeintlich guten Konzern und den bösen Rest. Seit 7. Oktober 2016 ist „innogy“ an der Börse notiert: Die gute Tochter ist zuständig für Netze, Übertragungsstationen, Vertrieb und – nun ja, wenn auch derzeit noch in sehr zartem Umfang – auch für die erneuerbaren Energien.

Zuletzt stieg innogy in den MDAX auf, 76,8 Prozent der Anteile gehören aber weiterhin der bösen Mutter RWE, dem Kohlekonzern, der jetzt noch kohlelastiger geworden ist, weil ja die Offshore-Windparks und das Biomasseheizkraftwerk Wittgenstein mit seinen 5 Megawatt Leistung hinübergewandert sind zu innogy.

Aber seien wir nicht so negativ, gucken wir erstmal, was innogy uns so zu bieten hat!

Nee, Leute, da kommt ihr zu spät! Solaranlagen war damals Geldanlage, als RWE noch voRWEg ging und die Erneuerbaren bekämpfte, wo es nur ging.  Wie lästerte doch gleich der damalige Chef von RWE – vor fast genau fünf Jahren? Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll „wie Ananas züchten in Alaska“! Und jetzt wollt ihr daraus eine Geldanlage für uns machen??

Damals sah das Erneuerbare-Energien-Gesetz für kleine Dachanlagen eine Einspeisevergütung von 24,4 Cent je Kilowattstunde vor. Wer konnte, nutzte das – auch – als Geldanlage. In keinem Jahr der bundesdeutschen Geschichte wurde mehr in die Solarkraft investiert als 2012: Damals gingen Anlagen mit 7.600 Megawatt installierter Leistung neu ans Netz, zumeist kommunale oder Bürgeranlagen.

Zum Vergleich: Seit Januar 2017 gibt es 12,7 Cent je Kilowattstunde – gerade mal die Hälfte. Zu wenig, um als „Geldanlage“ für den „kleinen Mann“ zu taugen: So was gilt allenfalls noch für Großinvestoren, seitdem Solaranlagen per Ausschreibemodell finanziert werden müssen – übrigens auch auf Betreiben der neuen innogy-Vorständin Hildegard Müller, die bislang Staatsministerin im Kanzleramt und Cheflobbyistin war.

Zwar liegen die offiziellen Ausbau-Zahlen für 2016 noch nicht vor. Nach unseren internen Auswertungen dürften im vergangenen Jahr aber nicht einmal mehr 1.000 Megawatt Photovoltaik neu ans Netz gekommen sein – der schlechteste Wert seit 2008.

Also, liebe Leute: bittebitte KEINE Solaranlage mehr zur Geldanlage machen. Wer so was behauptet, kappt euch eure Rente.

Gibt es vielleicht noch etwas anderes, dass uns innogy in seiner Werbung bietet?

Ab wann das gilt? Bei dieser Frage wurde Günter Schabowski einst nervös. „Nach meiner Kenntnis ist das, also, gilt das sofort“, sagte der Sekretär für Informationswesen der DDR am 9. November 1989. Wie wir heute wissen, brachte diese kleine Unkoordiniertheit den ganzen schönen DDR-Kramladen zu Fall, die Leute trampelten die Mauer einfach nieder, weil „ab sofort“ jetzt „visafrei bis nach Hawaii“ galt.

Also, RWE: Nachhaltig wird jetzt normal? Ab wann gilt das? RWE sollte schleunigst den Wachschutz seiner Braunkohletagebaue verstärken! Könnte ja sein, dass die Klimaschützer die innogy-Kampagne wörtlich nehmen!! Werden die massenhaften Verfahren gegen die Tagebau-Besetzer jetzt eingestellt? Zahlt RWE jetzt seine Klimaschuld in Peru ab? Fragen über Fragen!

Zum Beipiel diese: Gibt es in der innogy-Kampagne wenigstens ein Motiv, das nicht glatt gelogen ist?

Vorsicht! Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen warnt dringend vor diesem Angebot! Es ist nämlich deutlich teurer als das von echten Öko-Stromanbietern! Und eine Mogelpackung.

Genauso wie die ganze innogy-Werbung, die derzeit in der Stadt rumhängt.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2017 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


 

Brigitte Zypries: Auf zu vier Prozent!

Das kann Brigitte Zypries gar nicht gewollt haben! Oder vielleicht doch? Gerade eine Woche im Amt, feiert die neue Bundeswirtschaftsministerin die Energiewende schon als „unsere Erfolgsgeschichte“:

20 Seiten Erfolgsbilanz über 25 Jahre Klimaschutz in Deutschland (unter anderem als Beilage in der Süddeutschen Zeitung und der taz)!

Na, dann gucken wir doch mal, was die bisherige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, zuständig für die Bereiche IT, Luft- und Raumfahrt, weiß, was wir nicht wissen:

Wow!

25 Jahre bundesdeutsche Klimaschutz-Politik, der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft und der „kontinuierliche Ausbau der erneuerbaren Energien“ haben eine Treibhausgas-Reduktion von 27 Prozent gebracht! Das ist ja sogar mehr als 1 Prozentpunkt jedes Jahr!!!

Brigitte Zypries weiter:

Um unser Klimaziel zu schaffen, müssen wir jetzt lediglich noch 4 Prozentpunkte Treibhausgas pro Jahr einsparen. Also nur noch 4 Prozentpunkte jedes Jahr. Sozusagen JÄHRLICH 4 Prozentpunkte. Viermal mehr als zuletzt. (Eigentlich sogar 5 Prozentpunkte, denn wir wollen ja in den kommenden Jahren auch noch die treibhausgasarmen AKWs stillegen, in diesem Jahr den Block Gundremmingen B und 2019 das Atomkraftwerk Philippsburg.)

Denn obwohl die Energiewende ja so eine Erfolgsgeschichte ist – die Treibhausgasemissionen sind seit 2014 nur noch gestiegen!

4 Prozentpunkte Treibhausgas-Reduktion jährlich: Würden wir 2017 wirklich um 4 Prozentpunkte reduzieren, kämen wir auf minus 31 Prozent gegenüber 1990.

Minus 4 Prozentpunkte im Jahr 2018 würden Deutschland auf ein Reduktionsniveau von 35 Prozent bringen. Gelängen 2019 auch noch einmal 4 Prozentpunkte Reduktion, wäre das deutsche Klimaziel gerissen: Bis 2020 wären dann nur 39 Prozent der deutschen Emissionen eingespart. Obwohl doch 40 Prozent versprochen waren.

Die deutsche Energiewende wäre dann eben keine Erfolgsgeschichte, sondern die jahrelange Fortschreibung politischen Versagens. Sigmar Gabriel (SPD) hat sich dessen genauso schuldig gemacht wie Philipp Rösler, Rainer Brüderle, Karl-Theodor zu Guttenberg oder Michael Glos. Rein statistisch gesehen haben diese Herren jährlich 1 Prozentpunkt Treibhausgase eingespart.

Brigitte Zypries müsste ihre Anstrengungen vervierfachen, sollte

werden genauso wie das deutsche Klimaziel.

Nun: Geben wir ihr die Gelegenheit!

Herzlichen Dank für den Hinweis
an Wilfried C. aus Ulm und Konstanze B. aus Hof!


 

Die AfD: Alternative Fakten verbreiten

Der ehemalige US-Senator Daniel Patrick Moynihan sagte einmal: „Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Aber keiner hat das Recht auf eigene Fakten.“

Gut gesprochen, Herr Senator! Leider stimmt das aber nicht mehr: 14 Jahre nach seinem Tod – Daniel Patrick Moynihan wurde 2003 in New York beerdigt – wurde die Lüge ganz offiziell in den Zeugenstand der politischen Auseinandersetzung gerufen, wenn auch nicht als Lüge, sondern als „alternative facts“.

Insofern sind wir vom Klima-Lügendetektor uns nicht mehr ganz über unsere Rolle im Klaren. Sind wir jetzt die „Alternative-Klimafakten-Lieferanten“?

Zum Beispiel mit der Zuschrift von Christine S. aus Rostock: Die hat uns auf die Rede des vorpommerschen AfD-Abgeordneten Ralf Borschke aufmerksam gemacht, die Borschke am vergangenen Mittwoch im Schweriner Landtag gehalten hat. Darin sagte der Landtagsabgeordnete aus Stralsund:

Ist absolut richtig. Wenn man an der richtigen Stelle das kleine Wörtchen nicht einfügt: „In Wirklichkeit gibt es keine einzige wissenschaftliche und begutachtete Studie, die nicht den Nachweis erbracht hat, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Zunahme anthropogener CO2‐Emissionen gibt.“

Das es diesen signifikanten Zusammenhang gibt, können wir – O-Ton Professor Anders Levermann – „ungefähr so klar sagen, wie wir sagen können, dass wir von der Gravitation auf der Erde gehalten werden“. Formuliert hat das der Experte vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung am vergangenen Donnerstag im Deutschlandfunk. Schade eigentlich, dass Ralf Borschke keinen Deutschlandfunk hört. Und schade, dass die Gravitation auf der Erde auch für Leute wie Ralf Borschke gilt.

Oder hier, Borschke zum grünen Grönland:

Wirklich, ein gutes Beispiel! Der berüchtigte Meuchelmörder Erik der Rote (für die Faktenliebhaber: Er hatte einen roten Bart) benutzte schon vor 1.000 Jahren alternative Fakten. Grönland war nur an der Südspitze ein bisschen grün und das auch nur ganz kurz im Sommer. Erik war wegen fortgesetzer Verbrechen mit seiner Familie erst bei den Wikingern rausgeflogen, dann bei den Isländern. Ihm blieb deshalb nur die unwirtliche Insel nordwestlich, die er – um Wikinger und Isländer zu ärgern – Grönland, also „Grünland“ nannte.

Ein PR-Gag, der andere Siedler anlocken sollte. Tatsächlich war der Eispanzer auf Grönland aber damals schon ungefähr zwei Kilometer mächtig – in die Höhe.

Nochmal Ralf Borschke im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern:

Genau, genau! Postfaktisch halt. Hat dieser Weltklimarat IPCC doch einfach so berechnet, wie sich bestimmte Entwicklungen auf unser Leben im Jahr 2100 auswirken werden – ohne das durch reale Messungen zu bestätigen! Die haben noch nicht mal Satellitenmessdaten aus dem Jahr 2065! Geschweige denn aus dem Jahr 2033! Und wollen uns erklären, dass die Erderwärmung unser aller Leben verändert. Aber warum denn nur?

Na ja, auch da kennt der AfD-Abgeordneten Ralf Borschke postfaktisch alternative Fakten, also die Wahrheit und nichts als die Wahrheit:

Vielen Dank an Christine S. aus Rostock für den Hinweis!

PS: Einige Zuschriften zu diesem Post wollen wir Ihnen nicht vorenthalten!

Jochen L. aus Wuppertal schreibt uns, dass „die Aussage des Landtagsabgeordneten Ralf Borschke richtig ist. Der Zusammenhang geht in der Tat nicht über ’steigende THG-Emissionen‘, sondern über ’steigende THG-Konzentrationen‘. Eine Studie, die einen Zusammenhang via ’steigende THG-Emissionen‘ behauptet, wäre grottenfalsch – deshalb gibt es sie in der Tat nicht.“

Georg K. aus dem österreichischen Pöllau schreibt, dass die FPÖ bei der Leugnung des Klimawandels genau so drauf ist wie die AfD.

Craig M. aus Potsdam sandte uns einen Link, nach dem das grüne Stückchen, das Erik der Rote seinerzeit auf Grönland fand, größer als von uns beschrieben war.

Die Zuschriften, die mit Pöbeleien und Beschimpfungen reagieren, veröffentlichen wir aber nicht!


 

Weißes Haus: Beim Klimawandel „no results“

Tata!

Kaum im Amt, kann der neue US-Präsident Donald Trump schon den ersten Erfolg verbuchen. Ab sofort nämlich gibt es den Klimawandel nicht mehr!

Wer sich noch am Donnerstag auf den Seiten des Weißen Hauses über das Problem der Erderwärmung kundig machen wollte, den erschlug das Material förmlich, das die Obama-Administration zum Thema bereithielt.

Hier ein Auszug:

Wer 24 Stunden nach der Amtseinführung Trumps auf den Seiten des Weißen Hauses ins Suchfeld „climate change“ eingibt, der erhält folgende Auswahl:

Ist das nicht phantastisch? Noch keine 24 Stunden im Amt und schon existiert das Problem nicht mehr?

Mr. Trump, du Teufelskerl!

PS: Es gibt natürlich immer noch ein paar Störenfriede, wie den Potsdamer Professor Stefan Rahmstorf, der es wagt, sich über den neuen US-Präsidenten zu stellen – mit Fakten, Daten, Kurven, ja sogar mit Wissenschaft!!!

 


 

Berliner Zeitung: Bitte noch mal nachdenken

Falls Sie mit Ihren Geschenken zum letztjährigen Weihnachtsfest nicht zufrieden sind, dann haben wir heute etwas für Sie:

Wer die Berliner Zeitung jetzt zwei Jahre zum Preis von monatlich 18,99 € als E-Paper bestellt, der bekommt von der Berliner Zeitung gratis ein Samsung-Tablet dazu.

Wenn das nichts ist! Auf dem Tablet gibt es ein 1:1-Abbild der gedruckten Ausgabe, das man auf drei Geräten gleichzeitig lesen kann. Die neueste Ausgabe kann man bereits ab 20 Uhr des Vorabends lesen. Und dann denkt die Berliner Zeitung auch noch an die Umwelt:

Wie jetzt: „kein Papier und kein Transport (CO2-Ausstoß)“? Ohne Transport kann man das E-Paper doch gar nicht nutzen! Natürlich müsst auch ihr von der Berliner Zeitung Inhalte zu euren Lesern transportieren. Dafür ist Strom notwendig, der – weil in der Hauptstadt nicht so viel Elektrizität produziert wird – wiederum über große Entfernungen nach Berlin transportiert werden muss!

Und Strom bedeutet CO2-Ausstoß! Nach Polen, Estland und der Tschechischen Republik produziert Deutschland den viertdreckigsten Strom in der Europäischen Union. 455 Gramm CO2 Ausstoß entstehen hierzulande für jede Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Schweden sind es nur 62 Gramm!

Wir vom Klima-Lügendetektor freuen uns natürlich, dass ihr bei der Berliner Zeitung jetzt auch schon an die Umwelt denkt. Bitte aber: Denkt doch vorher ein bisschen gründlicher nach! Denn vermutlich ist die Ökobilanz eines hinterhergeschmissenen Tablets schlechter als die vom Radfahrer ausgefahrene, auf Recycling-Papier mit Ökostrom gedruckte, gute alte Berliner Zeitung.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2017 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.