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Die Bahn: Mit Kohlestrom das Klima schützen

Juchhu!

„Die Deutsche Bahn setzt sich ein neues ehrgeiziges Klimaschutzziel.“ [1]

Das hat die Deutsche Bahn in dieser Woche erklärt. Nämlich dieses neue ehrgeizige Klimaziel hier:

[1]

„Wir werden bis 2030 den spezifischen CO2-Ausstoß weltweit um mindestens 50 Prozent reduzieren. Das ist ein großer Schritt auf dem Weg zum komplett klimaneutralen Konzern, der wir 2050 sein werden“, sagte [1] der neue Bahnchef Richard Lutz [2] im Vorfeld der Bonner UN-Klimaschutzkonferenz [3].

So ganz ist dem Klima-Lügendetektor nicht klar, was „neu“ oder „ehrgeizig“ [4] am jetzt gemeldeten Klimaschutzziel der Deutschen Bahn ist. Schlagzeilen wie „Neues Klimaschutzziel“ [5] kommen bei der Bahn häufiger vor [6], die Süddeutsche Zeitung berichtete schon 2012, dass die Bahn bis 2050 komplett CO2-frei werden will [7], woraus sich zwangsläufig Zwischenschritte wie der jetzt angekündigte ergeben müssen.

Aber darum soll es diesmal gar nicht gehen. Interessanter finden wir nämlich das hier [8]:

[9]

Es geht um ein Kohlekraftwerk, dass Eon seit elf Jahren [10] baut und gegen das Klimaschützer seit elf Jahren [11] kämpfen, weil im 21. Jahrhundert wegen des Klimaschutzes einfach keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut werden dürfen. So hatte zum Beispiel der Umweltverband BUND geklagt [12] – und Recht bekommen.

Nun aber, fast gleichzeitig mit der Bekanntgabe des neuen ehrgeizigen Klimaziels der Deutschen Bahn, produziert die „Industrieruine“ wohl doch noch Strom:

[13]

Mittlerweile ist aus diesem Teil des Eon-Konzerns der neue Kohlekonzern Uniper [14] geworden. Mit 1.100 Megawatt Leistung wäre Datteln IV eines der größten Kohlekraftwerke in Deutschland – und das genaue Gegenteil von Kohleausstieg [15]. Denn solche Großprojekte müssen oft 40 Jahre laufen, bis sie sich amortisiert haben. Im Fall von Datteln IV wäre das bis ins Jahr 2058.

Heißt es nicht immer, Kohlestrom lasse sich nicht mehr verkaufen [16]?

Aber sicher doch! Zum Beispiel an die Deutsche Bahn. In Datteln IV nämlich entsteht „die weltweit leistungsstärkste Bahnstromumrichteranlage, die nach Fertigstellung und Inbetriebnahme“ Kohlestrom so umwandelt, dass er ins 16,7-Hertz-Stromnetz der Deutschen Bahn einspeist werden kann, wie es auf den Seiten von Uniper [17] heißt.

Wir können bis zu 413 Megawatt Bahnstrom liefern“, erklärt uns eine Sprecherin des Konzerns – zu Hauptverkehrszeiten betrage die von der Bahn benötigte Spitzenleistung 1.600 Megawatt.

Wie jetzt: Die Deutsche Bahn lässt sich ein Viertel ihres Stromes aus einem Kohlekraftwerk liefern, das gerade erst ans Netz geht und bis 2050 something laufen wird? Das können die doch nicht machen! Die Deutsche Bahn hat sich doch gerade ein neues ehrgeiziges Klimaziel gegeben!!!

Schriftlich teilt eine Bahnsprecherin mit: „Die Kohle wird auch mit dem neuen Klimaschutzziel 2030 weiter Anteile im Bahnstrommix behalten. Hintergrund sind auch langfristige vertragliche Verpflichtungen und die stabil und zuverlässig abgesicherte Bahnstromversorgung.“

Langfristige Lieferverträge also, die es leider nicht ermöglichen, noch ehrgeizigere Klimaziele auszurufen?

Das haben wir aber ganz anders in Erinnerung! Vor zwei Jahren nämlich berichteten Fachmedien wie das Handelsblatt [18]:

[19]

Donnerwetter! Einfach mal ein Kohlekraftwerk abschalten – die Deutsche Bahn hätte vor zwei Jahren [20] einen echt ehrgeizigen neuen Schritt beim Klimaschutz wagen können. Vermutlich hat sie dem aber damals bessere Lieferbedingungen für den Kohlestrom vorgezogen!

PS: Im Jahr 2015 bezog die Deutsche Bahn ihren Strom [21] zu 39,5 Prozent aus Atomkraftwerken und zu 15 Prozent aus Kohlekraft. Damit schlug der Bahnstrom mit 429 Gramm Kohlendioxid je Kilowattstunde zu Buche – lediglich 47 Gramm weniger als im allgemeinen Stromnetz der Bundesrepublik.

Die Deutsche Bahn ist Mitbesitzerin des Atomkraftwerks Neckarwestheim, sie bezieht jährlich 1,7 Milliarden Kilowattstunden aus dem Reaktor Neckarwestheim 2 [22], etwa ein Sechstel der dortigen Erzeugung oder mehr als zehn Prozent des gesamten Bahnstrombedarfs. Gemäß Atomausstiegsplan wird Neckarwestheim 2 spätestens am 31. Dezember 2022 vom Netz genommen, die Bahn braucht dann andere Bezugsquellen.

Vielen Dank an Christian V., Matthias B. und Nina B. für ihre Hinweise!