RWE: Katastrophentourismus im Revier

Sommerzeit ist Urlaubszeit.

In seinem neuen Nachbarschaftsmagazin hier: rät uns RWE Power zu

Dazu heißt es im Inhaltsverzeichnis:

Na, da sind wir aber gespannt!

Nicht das Nachbarschaftsmagazin hier: erklärt uns, was es für zahlreiche Attraktionen im Rheinischen Braunkohlerevier gibt, sondern Familie Hessami aus Aachen-Stolberg: Linus, Finnley, Ute und Gian.

Empfohlen werden beispielsweise der Aussichtsturm Indemann, das Filmmuseum Romboy oder Wasserski auf dem Bleibtreusee, einem ehemaligen Tagebau-Restloch. Und dann wird den geneigten Lesern des Nachbarschaftsmagazins das hier empfohlen:

Nein, das ist keine Fotomontage! Das ist Familie Hessamis voller Ernst! In der Bildunterschrift heißt es:

Vielleicht, weil die Sonnenschirme die Staublast mindern, die in der Umgebung von Tagebauen die Luft verpestet? Jährlich entstehen hier 400 Tonnen der krank machenden Feinstäube sowie zahlreiche Schwermetalle, wie etwa 530 Kilogramm des Nervengiftes Quecksilber sowie Cadmium, Blei, Arsen. RWE hat wegen „der möglichen Umweltbelastungen“ ein Bürgertelefon eingerichtet: 02461 / 54971.

Empfiehlt Familie Hessami die Sitzplätze am Tagebau-Rand etwa, weil das Kettengeräusch der Abraumbagger so ins Mark geht, dass man sich vor Schmerz sowieso hinsetzen muss? Die Urlaubs-Empfehlung vielleicht, weil der Tagebau Hambach die Erde demnächst wegfressen wird, auf der Familie Hessami jetzt noch stehen kann? Besuchen Sie das Revier, solange es noch steht?

Wir zweifeln hier jetzt nicht an, das Familie Hessami nach ihren Erfahrungen im Revier in diesem Jahr ihren Urlaub doch lieber nirgendwo anders verbringen wird. Erwähnt sei immerhin, dass Vater Gian Hessami als PR-Spezialist aktenkundig ist, der sich auf Kundenzeitschriften wie das RWE-Nachbarschaftsmagazin hier: spezialisiert hat. Sein Motto: Weg vom werblichen und hin zum journalistischen Stil.“

Was wir aber bezweifeln, ist die Redlichkeit des RWE-Magazins. Behauptet doch Matthias Hartung, Vorstandsvorsitzender der RWE Power, einige Seiten später, Braunkohleförderung und -stromerzeugung würden „einem Fahrplan folgen, der im Einklang mit den nationalen und europäischen Klimazielen liegt“.

Weiter lässt sich der RWE-Chef zitieren:

Tatsächlich sind die bundesdeutschen Emissionen seit 1990 aber um gut 27 Prozent gesunken. Um in ihrem Bild und bei den nackten Zahlen zu bleiben: Die Braunkohlewirtschaft hat also fast ein Drittel weniger für den Klimaschutz geleistet als der bundesdeutsche Durchschnitt. RWE und Co. liegen damit keineswegs „im Einklang mit den nationalen und europäischen Klimazielen“, das ist eine glatte Lüge!

Und trotzdem verkauft uns RWE seine Zahlen als vorbildhaft und das braunkohlevernarbte Revier als Urlaubsmekka! Meinen die etwa: für Katastrophentouristen?

Vielen Dank für den Hinweis an Udo H. aus Düren