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Spiegel: Diesmal ohne Klima-Hysterie

Ehrlich, diesen Lügendetektor-Text hätten wir uns gern erspart! „Der verheizte Planet“ [1] heißt die aktuelle Titelstory des Spiegels, und – ja, wir bekennen – das hat uns tatsächlich dazu verleitet, seit vielen Ausgaben nun doch mal wieder 4,60 Euro in „Das deutsche Nachrichten-Magazin“ zu investieren. Bei Energie- und Klimathemen nämlich – nur da können wir es profund beurteilen – sind das Blatt und seine Online-Ausgabe völlig abgedriftet vom Pfad der journalistischen Tugend. Statt Nachrichten verbreitet „Das deutsche Nachrichten-Magazin“ häufig Polemik [2] oder Lügen [3], weshalb der Spiegel und sein Online-Auftritt regelmäßig auf dem Klima-Lügendetektor zu finden [4] sind.

Diesmal nun also das:

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Es geht um die Küste von Louisiana [6], die sich immer weiter ins Landesinnere verschiebt, um den Kohlehunger im chinesischen Xingtai [7] und die Klimakonferenzen [8]. Horand Knaup aus dem Spiegel-Hauptstadtbüro hat mit seinen Kollegen aus Peking und dem Auslandsressort ein solides Stück Arbeit abgeliefert, an dem es nichts zu beanstanden gibt. Abgesehen davon vielleicht, dass es ziemlich bieder ist.

Kein Grund also, Alarm beim Klima-Lügendetektor zu schlagen.

Kein Grund? Selten haben sich so viele Leser gleichzeitig so aufgeregt: „Schlechter Stil“, meint unser Leser Bernd R. aus Merseburg. Es geht allerdings gar nicht um den Aufmacher, sondern um ein Interview mit der kanadischen Buchautorin Naomi Klein [9] im Anschluss daran, deren neues Buch [10] im März in der deutschen Übersetzung „Die Entscheidung – Kapital vs. Klima“ [11] erscheinen wird. Das Besondere an diesem Interview sind die Fragen, die Redakteur Klaus Brinkbäumer stellt. Nach ihrer Bucharbeit kommt Naomi Klein zu dem Schluss, dass der Kapitalismus schuld am Klimadilemma sei und folglich abgeschafft werden müsse. Darauf Brinkbäumer:

spiege [12]

Naomi Kleins Erwiderung ist tapfer. Die Strategie, auf sparsamere Glühlampen umzusteigen und den Emissionshandel zu etablieren habe die Erderwärmung nicht stoppen können, sagt sie. Deshalb sei der Systemwechsel notwendig: Alle großen „gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 150 Jahre waren die Folge von sozialen Massenbewegungen“, sagt Klein. Aber Interviewer Klaus Brinkbäumer weiß es noch einmal besser. Und so stellt er wieder keine Frage, sondern behauptet:

spiegel [13]

„Der Interviewer wird  zum Statement-Geber“, kritisiert Jörg W. Mag sein, denn ein Interview „fragt um Auskunft“, wie es im Standardwerk Einführung in den praktischen Journalismus [14] von Walther von la Roche [15] auf Seite 167 heißt. Aber Interviewer Klaus Brinkbäumer ist nicht irgendein „Redakteur“ [16], wie es im Spiegel lapidar heißt. Klaus Brinkbäumer ist seit Januar der neue Chefredakteur des Spiegels [17].

Deshalb wollten wir uns diesen Text hier auf dem Klima-Lügendetektor eigentlich auch sparen. Schließlich ist es ganz schön pingelig, Brinkbäumer schlechten journalistischen Interview-Stil vorzuwerfen, wenn doch seine Vorgänger noch ganz, ganz andere Titelgeschichten [18] auf Lager hatten:

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Wir danken Charlotte N., Bernd R., Jens W.
und Carlotta S. für ihre Hinweise!