- DER KLIMA-LÜGENDETEKTOR - http://klima-luegendetektor.de -

RWE: Jobs für die Energie von gestern

Sechsmal im Jahr veröffentlicht der SPIEGEL ein Sonderheft für Studierende, den UniSPIEGEL. rwe_jobs1 [1]Jeweils 220.000 Exemplare werden kostenlos an Hochschulen verteilt oder einem Teil der Abo-Exemplare des Mutterblattes beigelegt. Um „Karrieremöglichkeiten“ gehe es in der Zeitschrift, heißt es in einer Selbstdarstellung, [2] und um die Frage, in welchen Branchen „die Zukunft“ liege. Der Energieriese RWE versucht in der aktuellen Ausgabe, mit einer ganzseitigen Anzeige die Frage selbst zu beantworten.

In der Annonce hält ein junger Mann ein Schild mit der Aufschrift: „Ich will, dass auch die Umwelt Karriere macht!“ Die Tafel verdeckt sein halbes Gesicht – als wolle er nicht erkannt werden. Was man ja durchaus verstehen könnte, wo er doch hier zweifelhafte Werbung macht für Europas größten Verursacher von Kohlendioxid [3].

Im Kleingedruckten heißt es dann:

rwe_jobs2

Naja, dass ein „Energieversorger erneuerbar sein sollte“, glauben auch wir. Doch bei dem Essener Konzern klafft eine große Lücke zwischen solch flotten Worten und der Realität: Gerade einmal 15 Prozent seiner insgesamt geplanten Investitionen will RWE in den Bereich Erneuerbare Energien stecken, ergab im vergangenen Jahr eine Analyse des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) [4] im Auftrag von Greenpeace. In Kohle- und Atomkraftwerke, so die Studie, wolle der Energieriese in den kommenden Jahren rund 16 Milliarden Euro investieren – hingegen stünden für Erneuerbare Energien nur rund 5 Milliarden bereit.

Dieses Bild bestätigt sich, wenn man sich auf der Website zur Annonce [5]die Jobangebote des Konzerns genauer anschaut. Klar, da gibt es auch einige Ausschreibungen der Konzerntochter RWE Innogy, in der die Öko-Aktivitäten des Unternehmens gebündelt sind, etwa für „Projektentwickler Windenergie“ oder einen „Referenten Wasserkraft“. Doch daneben sucht der Konzern Leute, die

rwe_jobs3

arbeiten sollen – also dort, wo pro Kilowattstunde erzeugtem Strom mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird als bei jeder anderen Art von Kraftwerk. Gleich zehn Stellen werden im hessischen Biblis angeboten – dort betreibt RWE bekanntlich eines der störanfälligsten Atomkraftwerke Deutschlands [6], gegen dessen veraltete Sicherheitstechnik die Ärzteorganisation IPPNW seit Jahren prozessiert [7]. Und reihenweise finden sich Jobs wie diese:

rwe_jobs4

rwe_jobs5

rwe_jobs6

Wirklich interessant, was RWE für „erneuerbar“ hält und mit „Energie von morgen“ meint…

Danke an Christian B. aus Leipzig für den Hinweis