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RWE ProKlimaStrom: Da da da, ich lieb Dich nicht

Viele junge Leute werden die neueste Werbung von RWE vielleicht nicht verstehen – deshalb vorab eine kleine Erläuterung: Vor bald 30 Jahren, Anfang der 80er-Jahre des vergangenen Jahrtausends, gab es in Westdeutschland eine Pop-Gruppe namens Trio [1]. Sie machte ziemlich dadaistische Musik mit minimaler Instrumentierung und bizarren Texten.

[2]

Diese Band ist der Hingucker in der Kampagne von RWE, die mit ganzseitigen Zeitungsannoncen, im Internet und in TV-Spots ein Produkt namens „RWE ProKlimaStrom 2011″ bewirbt. Man leiste mit dem Stromangebot, lockt der Essener Energieriese [3], „einen nachhaltigen Beitrag zur Schonung des Klimas“. Denn der Strom werde „aus erneuerbaren Energiequellen – überwiegend Wasserkraft – und bestehenden Kernkraftwerken in das Stromnetz eingespeist“.

Die Menge von Kohlendioxid, die pro Kilowattstunde verursacht werde, gibt RWE mit „null Gramm“ an [4]. Dabei behauptet nicht einmal mehr die Atomlobby [5], dass Kernenergie CO2-frei sei. Bei einer Gesamtbetrachtung nämlich, also bei Berücksichtigung beispielsweise der energieintensiven Urangewinnung und -anreicherung, fallen pro kWh deutschem Atomstrom etwa fünf bis 33 Gramm Kohlendioxid an. Andere Studien [6] sprechen von bis zu 120 Gramm. Auf Nachfrage erklärt ein RWE-Sprecher, man halte sich an den Leitfaden des Branchenverbandes BDEW zur Stromkennzeichnung – und der weise Atomstrom halt als CO2-frei aus. (Die anderen Risiken von Atomenergie [7] wollen wir hier nicht diskutieren.)

Aber auch der Rest des Stroms entpuppt sich bei genauer Betrachtung als nur zweitbeste Wahl: Er stammt aus längst bestehenden Wasserkraftwerken, räumt der RWE-Sprecher ein, und der Effekt zur Förderung erneuerbarer Energien sei nur „indirekt“ – denn die Erlöse würden nicht in den Bau neuer Anlagen investiert. Etliche Anbieter [8] von Ökostrom dagegen sichern ihren Kunden diese Verwendung der Einnahmen zu – und sind dabei sogar noch billiger als RWE, wo 22,31 Cent/kWh für den ProKlimaStrom verlangt werden.

Im Klartext heißt das: RWE verkauft einen Teil seines ohnehin produzierten Stroms zu einem nicht gerade günstigen Sondertarif an naive Kunden, die sich ums Klima sorgen. Offenbar möchte der Konzern auf diesem Weg Konkurrenten [9], die für eine echte Energiewende stehen, ein paar potenzielle Kunden abluchsen – und nebenbei der Kernkraft ein grünes Image verpassen.

Trio soll in der Logik der RWE-Werber für eine dreijährige Preisgarantie des Angebots stehen. Wirklich sehr originell! Möglicherweise sagt der größte Hit der Band aber auch etwas aus über das Verhältnis des Konzerns zum Weltklima: „Da da da, ich lieb Dich nicht Du liebst mich nicht aha aha aha [10]“.