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RWE: Vorweg gehen im Schildkrötentempo

Ungewohnt – und wohl auch ungewollt – ehrlich ist das neueste Anzeigenmotiv aus der RWE-Klimaschutz-Kampagne „VoRWEggehen“ [1]: Es zeigt einen Bauhelm mit Firmenlogo, der sich so langsam bewegt, dass sogar Schildkröten mühelos hinterherkommen.

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Der Konzern schmückt sich in der ganzseitigen Annonce, die diese Woche u.a. in der ZEIT und der Süddeutschen erschien, mit einem Projekt auf den Galapagos-Inseln [3]: „Schildkröten und Inselbewohner“, heißt es im erläuternden Text, könnten dank RWE „aufatmen“. Eine „2,4-Megawatt-Windfarm“ ersetze nämlich „veraltete Dieselgeneratoren“ bei der Stromerzeugung – wodurch der co2-Ausstoß sinke und auch das Risiko eines Tankerunglücks für die einmalige Tier- und Pflanzenwelt des Weltkulturerbes.

Eine feine Sache, zweifellos. Aber erstens ist das Projekt eher klein, und der RWE-Anteil daran ziemlich mickrig. Denn was das Unternehmen in der Annonce eine „Windfarm“ nennt, sind tatsächlich bloß drei kleinere Turbinen mit je 800 Kilowatt Leistung. Laut der UN-Datenbank für internationale Klimaschutzprojekte [4] werden dadurch pro Jahr 2.849 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Zum Vergleich: Dieselbe Menge stößt das RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem [5] in einer knappen Stunde aus.

Eine Blick in die bei den UN hinterlegten Projektunterlagen [6] fördert zudem eine Tabelle über die Kostenverteilung des Projekts zutage:

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Demnach hat der Riesenkonzern RWE (Jahresumsatz 2007 [8]: 42,5 Milliarden Euro, Gewinn 2007: 6,5 Milliarden Euro) bloße 625.640 US-Dollar direkt investiert (und ist neben sechs anderen Energiekonzernen an dem E-7-Konsortium beteiligt) und damit deutlich weniger als etwa die ecuadorianische Regierung oder die UN-Stiftung. Für das Galapagos-Projekt gibt RWE demnach einen Bruchteil der 30 Millionen Euro [9] aus, die pro Jahr in Zeitungsanzeigen wie die mit den possierlichen Schildkröten fließen.

Unter denen dann regelmäßig dieser hübsche Werbespruch steht:

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